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SpielWelt - WebBook - Teil 1  Aknom
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Es wird Zeit, diesen Ort zu verlassen und  zu den anderen zurueck zu kehren.
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Wie oft schon hatte „es“ in Deinem inneren Angst?
ICH LIEBE MICH!
AKNOM
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Überschrift 1

      anfangdaeler

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   Schon will er hinterher laufen, um ihn endgueltig hinabzuwerfen, haelt ploetzlich inne. Sein Blick wird finster. Er dreht sich langsam um, die Augen verengt. Mehrmals schnellen seine Pupillen hin und her, ehe er etwas fixiert. Er sieht nichts. Es taucht ein Bild von einem Menschen in seinem Geist auf, der an einer seltsamen Glasscheibe sitzt und ihn beobachtet. Er ueberlegt, ob er das Gefuhel mag, wenn jemand ihn bei seiner meisterlichen Kunst zusieht. Jemand, am andere Ende der Welt, der fast … mitfiebert. Der Daeler leckt sich gierig die Lippen. Wieder fuehlt er sie, die Erregung ueber Leben und Tod zu urteilen – waehrend ihm Publikum dabei zusieht. Das gefaellt ihm sehr und er muss laecheln.     Dann schuettelt er sich kurz, bewegt seinen Kopf hin und her, bis die Halswirbel knirschend einrasten und schluepft erneut durch den Fels. Sein Ziel liegt dieses Mal tiefer am Grund des Hoellenschlundes. Er befindet sich vor dem freigelegten Portal zu Aknom in einer Schlucht, als er mitten im Lager der Arachniden erscheint und leichtfueßig grinsend zwischen den bewegungsunfaehigen Kriegern umher taenzelt.     Das Lager der Arachniden am Rand des Danus Sa Avi ist ein dreckiges Elend, ueberall stinkt es nach Tod und Verwesung. Hunderte dieser kahlen grauen Schaedel Thronen auf einer schwarzen Masse zerschlissener Kleidung und blutiger Waffen. Normalerweise bewege sich manche Arachniden tierartig, den Kopf im Nacken kriechen sie witternd umher. Lachen ist ihnen fremd, sie geben seltsame, kehlige Laute von sich. Meistens harren sie bewegungslos aus, stets auf der Lauer. Gefaehrlich sind nicht Arachniden, die sichtbar sind, sondern jene, die unsichtbar aus dem Hinterhalt angreifen. Das auffaelligste an ihnen, abgesehen von den Knochengleichen Schaedel, ist der seltsame Brust- und Rueckenpanzer, den sie stets mit sich fuehren. Er schuetzt ihre Brust, ist unueberwindbar und am Ruecken bildet er eine Erhebung aus, die ueber den Nacken reicht und sie von hinten mehr wie einen Kaefer aussehen laesst.     Statt Augen haben sie zwei dunkle Scheiben, die im Moment alle auf den haemisch grinsenden Dealer gerichtet sind und ihn am liebsten sofort toeten wuerden. Keiner im Lager hatte Zeit zu reagieren, als er ploetzlich mitten unter ihnen erschien. Einen Moment herrscht totenstille. Nur unterbrochen von losen Geroell, das stetig in der Schlucht herab faellt. Dann auf ein Mal klappen ihre Unterkiefer wie eine Zange auf und sie zischen ihn in ihrer seltsamen Sprache an, von eiserner Hand festgehalten. Hasserfuellt und lauernd, unfaehig sich zu bewegen. Tausende messerscharfe Hauer blitzen aus der dunklen Masse hervor und wollen sich in sein Fleisch rammen. Die schwarzen Lijwhans der Arachniden, allesamt Rauch, peitschen nach ihm und wollen ihn vertreiben. Hoffen, dass er eines Tages einen Fehler machen wird, wenn er zu ihnen kommt.     Jeder andere wuede jetzt tausend Tode sterben oder schleunigst die Beine in die Hand nehmen, fuer den Rest des Lebens von Alptraeumen verfolgt. Nicht der Dealer. Er genießt den hundertfachen Abscheu, der ihm entgegen rauscht einem Applaus gleich. Er leckt sich gierig die Lippen und kann sich gar nicht genug laben, an den fuenf dutzend Kriegern um sich, die ihn fuerchten und hassen zugleich. Ihn, einer der wenigen, der in der Lage ist, diese grausamen Barbaren mit seinem eisblauen Lijwhan zu kontrollieren. Seinen leuchtenden Fingerabdruck, in dem sie stehen und er tunlichst darauf achtet, dass sie darin erstarrt bleiben. Der Dealer ergoetzt sich und lacht sie mit der stummen Sprache eines Pantomimen aus, taenzelt nah genug an sie heran, jedoch stets außer Reichweite ihrer Kiefer. An seinen besonderen Freunden Ero, Pholcus und Vatia schleicht er ein wenig naeher vorbei. Die drei drahtigen und hochgewachsenen Arachniden sind die hinterhaeltigsten und gefaehrlichsten ihrer Sippe. Der Dealer liebt ihre Verschlagenheit, wie er alles gemeine und grausame liebt. Das wuerde er ihnen niemals sagen. Statt dessen lehrt er ihnen das Fuerchten. Boshaft grinst er die drei an, als er sich ihrem Freund Lanio naehert. Der Arachnid befindet sich kriechend am Boden. Sein Schaedel ist gerade einmal auf Augenhoehe des Dealers. Er versucht ihn mit seinen Kiefern zu schnappen, bis sein Kopf erstarrt. Ero, dessen verdreckter Panzer an der Brust drei lange Krallenspuren aufweist, zischt ihn aggressiv an. Pholcus Arme zittern, als er versucht sich zu befreien, vergeblich. Einzig Vatia fixiert den Dealer mit seinen schwarzen Scheiben und folgt jeder, seiner Bewegungen. Er strahlt vollkommene Ruhe aus, wehrt sich nicht, laesst alles zu. Der Dealer ist einen Moment irritiert ueber das seltsame Verhalten und haelt inne. Er will Wut, Verzweiflung und vor allem Angst. Diese Ruhe und Teilnahmslosigkeit allerdings …? Vatia sollte er im Auge behalten. Dann wendet er sich Lanio zu.   „Ei, ei, ei, was steht dabei. So manche Verzweiflung und allerlei, was es rasend macht das Tier, 









 aber diese Welt ist mein Revier.“
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   Der Dealer spricht die Worte leise, dass Lanio sie verstehen kann. Dabei streicht er sanft und fast schon mitfuehlend ueber den kahlen Schaedel des Arachnid. Lanio ist ein Viech dieser graesslichen Kriegern. Seine langen, muskelbepackten Arme und Beine sind massiv ausgebildet. Die hautenge Kleidung ist zerschlissen und blutverdreckt. Irgendwann muss er mal Aermel gehabt haben, vermutlich hat ein Prachtkerl sich die Dinger abgerissen, um vor den anderen mit seinen Muskeln zu prahlen. Der Dealer kann daumendicke Adern an seinen blassen Armen sehen. Seine Haende sind wahre Zerstoerer. Lanio koennte seinen Kopf mit nur einer Hand zerquetschen – aber nicht heute. Der Arachnid wehrt sich mit aller Kraft. Seine Muskeln an den nackten Armen zittert, er ist gefangen und dem Daeler trotz seiner koerperlichen Kraft hilflos ausgeliefert und muss es geschehen lassen. Ganz nah kommt der Clown Lanios Gesicht, den zwei schwarzen Scheiben, die ihn selbst spiegeln und ihm seine eigene verschmierte Fratze praesentieren. Das stoert ihn nicht weiter. Er schnueffelt an dem stinkenden Widerling, riecht Dreck, sueßlich fauligen Schweiß und einen Geruch, wie von einem Pups des Seitan. Im Grunde widerlich und Grund genug, sein Abendessen zu bedenken. Der Dealer wittert noch mehr. Unter dem Gestank lodert der Geruch von Wut und Scham, der ihm jetzt in seine Nase steigt. Die Nasenfluegel erbeben und flattern leicht, als er mit geschlossenen Augen den Duft wie ein betoerendes Aphrodisiakum aufsaugt. Mit einem wohligen Seufzen drueckt er dem kahlen Schaedel einen Kuss auf, was die Arachniden vollends aus der Fassung bringen.    „DEALERSCHHSH!“ Hallt es durch die Reihen, gefolgt von roten Rauchstacheln. Sofort verstummen die Arachniden. Genervt rollt der Dealer mit den Augen und laesst von Lanio ab. Hinter ihm steht der maechtigste aller Arachniden,  Hauptmann Arroc. An seiner Seite Balsar, der Befehlshaber der Menschen. Der Dealer malt mit dem Kiefer, enttaeuscht legt er den Kopf schief, laechelt Arroc sueffisant und unschuldig an und spießt Balsar mit Blicken auf. Dann taucht fuer einen kurzen Herzschlag wieder dieses Licht in seinen Augen auf. Er zuckt mit den Schultern und hebt die Handflaechen nach oben, als ob er ein Unschuldslamm waere.    Arroc verzieht keine Miene. Sein roter Lijwhan umspielt ihn leicht, erweckt den Endruck von Gelassenheit. Der Dealer erkennt, dass sein pelziger Kragen leicht bebt. Es waere fuer den Dealer ein leichtes gewesen, ihn vor allen anderen in seinen Bann zu legen. Sie haben einen Deal und so tut er ein wenig unterwuerfig. Er drueckt stilles entsetzen mit seinem Pantomimenspiel aus und tut, als ob er sich in die Faust beißt. Die Augen uebertrieben aufgerissen und die Beine verklemmt, als ob er zum Pissen muesste. Arroc verzieht nach wie vor keine Miene. Balsar krempelt gelassen die Aermel seiner Uniform hoch, verschraenkt seine Arme und macht einen gelangweilten Ausdruck. Er kennt die Spielchen des Dealers zur Genuege. Anders als der von Arroc, flackert sein schwarzer Rauch ein wenige zu auffaellig.   „Ach und weh,  mir juckt der Zeh.“    Beginnt er in seinem quietschigen Gekraechze.   „Ich Dummerchen, was hab ich gemacht? Dafuer hab ich nicht nur Licht,  sondern fuer den Schnellsten auch was leckeres mitgebracht.“       Bei dem letzten Satz geht seine Stimme bedrohlich in die Tiefe und er fixiert erst Arroc und dann Balsar. Der Oberbefehlshaber hebt skeptisch eine Augenbraue und bekommt ein mulmiges Gefuehl. Sein Rauch kraeuselt sich, wird unruhig. Der Dealer gibt die Arachniden frei, die sofort ihre kahlen Schaedel in den Himmel strecken und gierig zu wittern anfangen. Bisher haben sie nichts von dem koestlichen Blut gerochen, jetzt ist der Geruch umso intensiver. Es dauert nicht mal einen Herzschlag, ehe sie Jim ueber sich an dem Felsvorsprung riechen koennen. Ihre Zischlaute werden gieriger. Kiefer klappen auf und zu, Speichel tropft ihnen aus dem Maul. Arroc ist wie in Stein gemeißelt, ruehrt sich nicht. Nur sein Kragen bebt deutlich aggressiver. Balsar schaut sich nervoes nach seinen Leuten um, die ebenfalls ratlos sind. Sie haben es schon lange mit den Arachniden zu tun, dieses Verhalten ist vollkommen neu. Balsar wendet sich an Arroc.      „Was zum Viejenver geht hier vor?“     Der Hauptmann reagiert nicht. Balsar wird nervoeser. Schweiß steht auf seiner Stirn Er dreht sich zu seinen Maennern um die erneut ratlos mit den Schultern zucken. Selbst Ohf, einer der wenigen Soldaten, der sich traut keinen Helm inmitten der Arachniden zu tragen, blickt sich misstrauisch um und kratzt sich an seinem feuerroten Bart. Kurzentschlossen stellt sich Balsar vor Arroc, sein Rauchlijwhan wirbelt umher.    „Hauptmann Arroc, was ist hier los?“    Statt zu antworten hebt Arroc den Kopf hinauf zu dem Etwas, was alle so in Aufruhr versetzt. Balsar blinzelt mehrmals, seine Augen huschen hin und her, ehe er den leblosen Koerper dort oben am Fels erkennt. Blutueberstroemt und bedrohlich weit ueber dem Rand. Jeden Moment koennte er herab stuerzen. Balsar erstarrt einen Moment. Er schaetzt die Hoehe auf etwa 20 Camons, wo der Bewusstlose ueber dem Vorsprung haengt. Er kann das Gesicht nicht erkennen ... aber dieser Lijwhan? Ein schwacher grauer Schein ...? Und dann daemmert es ihm. Er kennt einen einzigen Swelom mit solch einem Lebenslicht. In seinem Geiste tauchen unzaehlige Bilder auf, wie er von ihm freundlich bedient wurde und er sich um ihn kuemmerte. Menschlich und hoeflich, zwei Eigenschaften, die aeusserst selten und kostbar in dieser dunklen Welt geworden sind. Dann sieht er ihn bitterlich weinen, ueber die zerbrochene Feder seines Vaters. Um sich zu vergewissern fasst sich Balsar in die Brusttasche seiner Jacke und fischt ein Monokel heraus, das sie Faehigkeit zur Vergroeßerung hat. Er sieht jede Menge Blut und blaue Flecken in dem Gesicht … ja! Er kennt den Jungen dort oben, er kennt ihn genau.     „Das ist Jim!“ schreit Balsar und deutet mit seiner Hand hinauf zu dem Bewusstlosen. Raf, Matthes und Ohf heben den Kopf, waehrend Herik sich unruhig die Arachniden ansieht, die gefaehrlicher werden. „Jim! Wir muessen ihn da runterholen, los jetzt.“ Er will eben losstuermen, um dem Jungen zu helfen, da packt Arroc ihn am Arm.    „SCHNEIEN!“ Balsar erstarrt und glotzt auf die wuchtige grauweiße Pranke mit den dicken schwarzen Haaren, die seinen ganzen Oberarm umfasst. Er schluckt. Matthes und Raf, die sich eben mit ihm einen Weg durch die Arachniden bahnen wollten, waren ebenfalls stehen geblieben und starrten auf Balsar und Arroc.     „Ich … verstehe nicht?“ murmelt Balsar. Sein Blick huscht zwischen Arroc und dem bewusstlosen Jim hin und her. Arroc fixiert den Dealer, der sich in seinen schwarzen Scheiben spiegelt, waehrend um sie herum die Arrachniden anfangen, sich gegenseitig zu bekaempfen. Um ihr Futter zu kaempfen. Genau so, wie er es wollte. Dann faengt Arroc zu sprechen an.    „Errr  sshats ihnnen einenss Preisss verzzzssproschenss, den ssszsich derr  Besszste  holensss kann szsss!“     Balsar blickt entsetzt zu Jim hinauf und zur Arachnidenarmee, die zwischen seiner Rettung steht. Selbst Arroc kann sie jetzt nicht mehr aufhalten. Wenn sie in Fresslaune sind, toeten sie alles und jeden. Der Dealer grinst frech und winkt zum Abschied. Seine Augen starren nicht auf den entsetzten Balsar, sondern auf einen Punkt in der Luft, genau vor seinen Augen.    „Ei, ei, ei, was schaut vorbei, genieß die Vorstellung so lange sie andauert, denn das Boese in der Finsternis bereits auf Dich lauert.“    



































    Dann loest er sich in Luft auf und laesst sein Chaos mit guten Gefuehl zurueck.
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   Balsar starrt einen Moment panisch zu Jim hinauf. Um ihn herum tausende schnappende Kiefer, die ihre Beute wittern. Raf und Matthes weichen unsicher ein paar Schritte zurueck, die Haende offen und bereit, sofort ihre Energiewaffen zu zuecken. Die Luft knistert, riecht nach Jagd. Noch niemals haben sie die unheimlichen Wilden aus dem Sueden so tierhaft erlebt. Vereinzelte schnappen gierig nach dem Arachnid neben sich und beißen sich fest. Wuetendes Geheul ertoent, Fauchen und Zischen ueberall, Kaempfe entstehen. In dem Getuemmel beachtet keiner den Muskelprotz Ohf, der vollkommen unbeeindruckt bleibt und mit schiefen Kopf zu dem Jungen hoch schielt. Mehrmals kratzt er sich am Kopf, die Stirn in Falten, ein stummes Fluestern auf den Lippen, dass in seinem feuerroter Bart verstummt. Die Arachniden sind in Rage und greifen sich gegenseitig an. Sie zoegern zu dem Jungen zu gelangen, als ob sie auf einen Befehl warten. Arroc steht hoch erhoben mit den vier Sweloms unter seinen todbringende Kriegern. Er bewegt sich keinen Millimeter. Endlich erwacht Balsar aus seiner Schockstarre und findet seine Sprache wieder.     „Arroc, verdammt. Was zum Viejenver soll das hier bedeuten? Ein Preis, den der Beste holen kann? Das dort oben ist ein Soldat im Dienst des Reiches und kein Eigentum des Dealers. Ein Junge, verletzt und in Gefahr. Das Einzige, was wir tun muessen, ist ihn zu retten!“ Balsar hat Jim zuletzt nach der Erschuetterung in Arjen auf der Laisviejda gesehen. Es muss einen Grund geben, warum er hier in Aknom und in den Haenden des Dealers ist.    Arroc dreht langsam seinen kahlen Schaedel und starrt auf ihn herab. Balsars verzweifelter Gesichtsausdruck spiegelt sich in den schwarzen Scheiben.     „EEErss sissst einzss ssz Dessserteurrr ssszz.“    Balsars Gesichtsausdruck wechselt in nackte Angst. Nein, nicht der Junge! Raf ist auf Ohf aufmerksam geworden und spricht mit ihm ueber eine Energieverbindung. Seine Miene ist unter dem Helm nicht zu erkennen, Ohf versteht die stumme Sprache seines Kameraden dank seines Empfaengers im Ohr und nickt Matthes zu. Dann verschwinden die drei schnell in den aggressiv tobenden Arachnidenheer, das angefangen hat, sich gegenseitig zu zerfleischen. Kaum liegt einer tod auf dem Boden stuerzen sich die umliegenden wie gierige Raubtiere auf den Sterbenden und schleifen ihn fort. Balsar bekommt von all dem nichts mit. Er glotzt weiterhin verzweifelt sein Spiegelbild in Arrocs Scheiben an und verarbeitet die Wortfetzen des Hauptmanns. Es muss einfach eine Erklaerung geben, warum Jim in den Haenden des Dealers ist. Balsar setzt eine entschlossene Miene auf.     „Nein“, sagt er gefasst zu seinem Spiegelbild. „Ich will erst mit ihm reden. Und es ist mir scheißegal, was da zwischen Deiner Meute und dem Dealer laeuft. Der Junge gehoert zu meinen Leuten und wird gerettet.“ Zur Bekraeftigung tippt Balsar mit den Zeigefinger auf Arrocs Brustpanzer. Er wirkt wie ein kleiner Junge, der versucht, einen Riesen zu bedrohen. Ein Fehler, denn schlagartig verstummen die Arrachniden und zischen den Oberbefehlshaber bedrohlich an. Balsar wird kreidebleich. Als er sich umdreht, sieht er sich einer wilden Horde Gier und Mordluesternheit gegenueber, die keine Skrupel hat ihn zu toeten. Er schaut sich nach seinen Leuten um, es vergehen Herzschlaege, ehe Balsar erkennt, dass er alleine ist. Seine Maenner sind weg und ihm geht der Arsch gerade richtig auf Grundeis. Er hat hier keine Chance und alles, was die wilden Tiere hindert, ihn zu zerstuemmeln, ist Arroc hinter ihm. Der Befehlshaber verzieht keinen Muskel, als er hinter Balsar leise zu sprechen beginnt. Balsar gefriert die Seele.    „Willssszst Du ssszz ssszzterben, oder ssz der Szjunge?“ Er will den Jungen nicht sterben lassen. Aber er kann nichts tun. Und wenn er sich opfert, rettet er Jim nicht. Der Dealer hat gewonnen – wiedermal. Dieses Spiel galt nur ihm allein. Balsar nickt zu den Jungen hinauf, der bewusstlos ueber ihnen an der Felskante haengt. Der Laut, der Arrocs Kehle entweicht, ist so unmenschlich, dass er Balsars Seele zerreißt. Er dreht sich weg, um nicht hinsehen zu muessen. Dann verlangsamt sich die Zeit. Herzschlaege dehnen sich aus, er nimmt alles weitere wie in Trance war. Eine schwarze Masse, die sich wie fließender Rauch zur Felswand hin in Bewegung setzt mit einem einzigen Ziel, seinen Preis zu bekommen. Zuckende Gliedmaßen am Boden bleiben zurueck, die auf einer Sauce aus ekliger, rotzbrauner Schlotze schwimmen. Er fragt sich wuergend, was das fuer eine Rasse ist, die sich gegenseitig verstuemmelt, um an eine einzige Beute zu gelangen.     Es kommt alles anders, ganz anders. Balsar wird brutal von hinten gepackt und hochgehoben. Die Arachniden verstummen augenblicklich, totenstille herrscht in dem Lager. Am Rande nimmt er wahr, dass Arroc laut bruellt und ihn hoch haelt, waehrend tausende Arachniden um ihn herum fuer einen Moment zischen, ehe Arroc sie erneut zum Schweigen bringt. Balsar fuerchtet den Anblick, er schielt zu Jim ...    ... und entdeckt dort oben Raf, der bei den Jungen kniet. Ohf und Matthes kann er in der schwarzen Masse nicht erkennen. Da begreift Balsar, was seine Maenner eigenmaechtig getan haben. Die drei haben sich durch die gierigen Arachniden geschlichen, die mit sich selbst beschaeftigt waren. Ohf, der die Faehigkeit der Koerperkraft besitzt, hat das Leichtgewicht Raf nach oben geworfen. Und damit gehoert der Preis ihnen. Was Balsar nicht versteht, warum die Arachniden es akzeptieren. Eben haben sie sich noch zerfleischt und jetzt das. Die Antwort soll er gleich erfahren, als Arroc ihn runter laesst und leise in seine Ohren zischt.    „Sssz Du ssgibsszt unssszz dafssuer ein szss anderessszzz Leben.“ Balsar nickt eifrig, er fuerchtet den Riesen, mehr als alles, was er kennt. Ein einziges dieser Tiere haelt diese Bestien in Schach? Ueber welche Kraft muss er verfuegen? Er wird sich selbst ab sofort vor diesen Monstern sehr in Acht nehmen. Balsar wankt von dem unheimlichen Anfuehrer weg und geht betont langsam und gefasst durch die Arachniden zu seinen Maennern. Eiseskaelte schlaegt ihm in tausendfacher Form seines Spiegelbildes entgegen. Als er an der Felswand ankommt, haben Matthes und Raf den Jungen bereits herunter getragen. Jim ist nach wie vor bewusstlos. Sein Gesicht ist blutverkrustet, ein Augenlid geschwollen, unzaehlige Blessuren an Hals und den Armen. Das ist nicht das Schlimmste. Sein graues Lebenslicht flackert bedrohlich blas. Am liebsten wuerde er seinen Maennern den Kopf abreißen, fuer ihren Leichtsinn. Aber sie haben den Jungen gerettet. Sollte er den Dealer jemals in die Finger bekommen, ist er faellig.     „Bringen wir ihn nach Aknom hinein. Raf, sieh zu, was Du tun kannst. Was gaebe ich jetzt hier fuer einen Heiler.“ Balsar wendet sich um. „Aber diese Barbaren brauchen ja keine Heiler. Sind mehr als genug, dass sie sich gleich selber abschlachten koennen.“ Murmelt er vor sich hin und schuettelt den Kopf. Es gibt im Reich zu viele Soldaten und zu wenig Inghros mit Heilerfaehigkeiten. Wegen eines einzelnen vermissten Schiffsjungen kruemmt niemand den Finger. Alle muessen sich mit den sogenannten Medizinern rumschlagen, Sweloms mit ein paar besseren Koerperkenntnissen. Auch das verdanken sie den Arachniden. Die toeten ihre Verwundeten einfach und sparen sich einen Heiler. Manchmal hatte Balsar das Gefuehl sich nicht in der Neuzeit zu befinden, dem Dheiwos Morcos, sondern im finstersten Fruehalter Aghar.     Bei der Erschuetterung in der SpielWelt hatten sich an der noerdlichen Felswand am Danus Sa Avi tiefe Risse gebildet, die sich langsam Flaeche hinauf gefressen haben. Laenger und breiter, bis die Felswand den Druck nicht mehr stand halten konnte und große Felsbrocken herausgebrochen sind. Was fuer ein Glueck, denn dahinter kam ein Portal zum Vorschein. Das geheime Portal von Aknom, das bisher versiegelt war. Was immer diese Erschuetterung ausgeloest hat, dessen Macht war unglaublich. Verborgene Geheimnisse kamen ans Licht, Siegel brachen und der Weg fuer das Dunkle Reich war endlich geebnet. Die Armee der Arachniden hat ihr uebriges getan, es vollstaendig frei zu legen in die Stadt im Stein.     Dreißig Djews ist das jetzt her. Seitdem haben Arrocs Soldaten jeden Winkel in Aknom durchsucht, Waende und Durchgaenge entdeckt oder zerschlagen, um sich neue Zugang zu verschaffen. Alle gefundenen Bewohner wurden entweder gleich getoetet, oder nach Nemundur verfrachtet. Inghros konnten bis auf einen keine gefunden werden. Aknom ist seitdem ein Truemmelfeld. Das rosèfarbene Lebenslicht der alten Stadt beginnt bereits zu verblassen und sich dem schwarzen Rauch der Arachniden unterzuordnen. Hier wird niemals mehr ein Traum Wirklichkeit werden. Eigentlich eine Zeit der Freude fuer das Reich, und doch fuehlt sich Balsar seltsamerweise sehr schuldig, bei dem Gedanken daran. Er schuettelt ihn ab und wirft einen Blick auf das blutverkrustete und bleiche Gesicht von Jim.    „Hoffen wir, dass Jim das Bewusstsein zurueck erlangt und uns erklaeren kann, was zum Viejenver er mit dem Dealer zu schaffen hat und wo er die ganze Zeit gewesen ist.“ murmelt er und folgt den anderen durch das Portal.
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Überschrift 1

anfangeileb

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  Bei Ihrer Ankunft in Aknom ist Aszim noch verwirrt von dem, was ihm Eileb alles in Arjen erzaehlt hat. Sie sind mit dem freien Adthogan direkt hierher gelangt, in die Canyon Region ueber dem Danus Sa Avi und der darunter befindlichen Stadt Aknom. Zu Aszims Verwunderung ist der Transport in dieser freien Lichtbahn von Arjen sehr einfach und in keinster Weise schmerzvoll gewesen. Anders als bei den besetzten Bewegungspunkten des Dunklen Reiches. Dort fuehlt er sich jedes Mal, als ob er in seine Einzelatome zerspalten und irgendwo hektisch und durchleuchtet wieder zusammengesetzt wird. Er taumelt dann mehr am Zielort aus dem Bewegungspunkt und muss sich vergewissern, dass er noch ganz ist. Haeufig laesst er sich anschließend seinen hausgemachten Magenbitter noch ein Mal rueckwaerts auf der Zunge zergehen, ehe er einigermaßen Einsatzbereit ist. Aszim wankt aus schierer Gewohnheit aus dem Fels und beugt sich bereits erwartungsvoll herab, als ihm bewusst wird, seinem Magen geht es gut. Eileb beobachtet ihn amuesiert mit einem schiefen Grinsen, sagt jedoch kein Wort. Ertappt richtet sich Aszim kerzengerade auf und faehrt sich verlegen durchs Haar, eisern darauf bedacht dem Inghros mit Blicken aufzuspießen. Sein Kiefer malt und er blinzelt Eileb mehrmals an, der ihn unverwandt angrinst. Aszim hat sich in seinem Leben eine unglaubliche Faehigkeit angeeignet - seine Wut zu kontrollieren.

Er hat allen Grund, jetzt hier wuetend zu sein auf das, was ihm wegen Eileb geschehen ist und zu versuchen, den Inghros an das Reich zu verkaufen. Er weiß ganz genau, dass er sich damit keinen Gefallen tut und er dem Inghros sein Leben verdankt. Einen Herzschlang lang, blitzt in seinem Geist eine duestere Erinnerung auf, wie er blutend im Regen auf dem schlammigen Boden liegt. Hoch erhoben vor ihm der Unriss eines Mannes mit einer Eisenstange in den Haenden … Aszim schuettelt seinen Kopf und schluckt. Er wird noch genug Zeit haben, seine Wut an einem Soldaten des Reiches auszulassen.

  „Was jetzt?“ fragt er in einem bewusst ruhigen Tonfall Eileb, der ihn sehr ernst ansieht und anerkennend zunickt. Aszim weiß nicht, dass Eileb die Schwingung der Erinnerung um sie herum sehen kann.

  „Jetzt erzaehle ich Dir erst mal ein paar Wahrheiten ueber die Bewegungspunkte und den Ort, wo wir uns befinden, Aknom. Du kannst Dich entspannen, wir sind hier allein.“ Eileb erklaert ihm, dass das Reich die Bewegungspunkte veraendert hat, um sie kontrollieren zu koennen. Diese Veraenderung verursacht seine Schmerzen, wenn er sie benutzt. Die Adtoghans auf den Lichtbahnen sind die Zugaenge zu diesen schnellen und vor allem nuetzlichen Transportwegen innerhalb der SpielWelt, innerhalb des Dunklen Reiches. Sie werden mit Gedanken gesteuert, wobei es genuegt, an den Namen des Zielortes zu denken. Tausende von Camons Fußmarsch vom Sama Amon nach Arjen waere ein langer Zeitraum, der so innerhalb von Kajims oder Beshmi bewaeltigt werden kann. Das Reich hat in seinem Zerstoerungs- und Hetzwahn dafuer gesorgt, dass keine Inghros mehr lebt, der die Gabe des Bewegungspunktes besitzt. So muss sich das Dunkle Reich auf die Zugaenge beschraenken, die bereits existieren oder sich andere Transportwege muehsam selbst erbauen. Aszim denkt inzwischen anders ueber den Bau der neuen Transportbahnen, die auf Schienensystemen in Tunnels basieren. Er hat am Sama Amon selbst eine dieser Baustellen beaufsichtigt, ehe Eileb aufgetaucht war und sich sein Leben vollkommen veraenderte.

  Die Bahnen sollen viel mehr Tawos gleichzeitig quer durch das Reich transportieren, als es Adtoghans jemals vermoegen. Denn ein Adtoghan kann nur von Einzelnen nach und nach genutzt werden, was in der Hauptstadt Obsidijar bei ueber einer Milliarde Einwohner zum Problem geworden ist. Obsidijar ist die juengste Stadt in der SpielWelt, die ueberwiegend von Sweloms erbaut wurde, daher existiert in ihr kein einziger Bewegungspunkt. Das Reich loeste das Problem mit einem Schienentransportsystem, dass die gesamte Stadt mit Tunneln und Bruecken durchzieht und die jetzt in der gesamten SpielWelt ausgebaut werden. Aszim wird das Gefuehl nicht los, dass es dem Reich viel mehr darum ging, noch mehr Kontrolle und Macht auszuueben, anstatt es dem Volk angenehmer zu machen. Er hoert Eileb aufmerksam zu und will Genaueres wissen, der Inghros weigert sich, seine Fragen zu beantworten, da er die Zusammenhaenge noch nicht verstehen kann. Aszim ist es bald schon leid und so schweigt er. Er wird sich gedulten muessen, bis der Inghros sein Wissen nach und nach mit ihm teilt. Nicht ohne im Geiste ein paar mehr Haken an Soldaten zu heften, die er zu gegebener Zeit zu seiner wuetenden Stunde begluecken konnte. Bis dahin kann er sich auch nuetzlich machen und ein Lager suchen. Steif steht der ehemalige Soldat auf, geht ein paar Schritte und bleibt verdattert stehen. Eileb hat sich keinen Camon bewegt und blickt erwartungsvoll zu ihm auf.

  „Willst Du nicht wissen, wohin ich gehe?“ Aszim hat seine Arme vor seiner Brust verschraenkt und funkelt herausfordernd den Inghros an. Er ist es gewohnt, dass seine Soldatenherde hinter ihm hertrottet und auf seine Befehle wartet. Doch Eileb bleibt einfach seelenruhig auf dem Felsbrocken in der kargen Canyonregion sitzen. Um sie herum sind nur Straeucher, Felswaende und Sand, jede Menge Sand.

  „Du willst Dein Lager suchen. Das ist gut.“

Aszims Arme klaffen herab, mit offenen Mund starrt er auf Eileb. „… sag mal, … was kannst Du alles nicht sehen?“  

  „Deine Augenfarbe.“ schmunzelt Eileb.

  Aszim winkt ab und geht kopfschuettelnd davon. Der Superinghros da auf dem Felsen wird ihm langsam zu viel. Er wandert ein paar Schritte ziellos in Gedanken versunken umher, da er sich hier oben um die Arachniden am Visionssee keine Sorgen machen muss. Sie kommen nicht hier hoch, zumindest nicht mehr, wie er an den zurueckgelassenen Hinterlassenschaften erkennen kann. Aszim ist erst ein paar Beshmi mit Eileb unterwegs, aber er stoeßt jetzt schon an seine Grenzen. Der Inghros hat es geschafft, sein Weltbild in der kurzen Zeit vollstaendig umzukrempeln, vom Reichsbefehlhaber zu Reichsfeind und sogar Reichszweifler. Das fuer ihn Schlimmste ist allerdings, dass Eileb ihn Fragen stellt, die ihn zum Zweifeln bringen. Ihn regelrecht zwingen, ueber sein Leben und seine Aufgabe in der gesamten SpielWelt nachzudenken. Und sein bisheriges Leben im Dienst des Dunklen Reiches. Ueber Verbote, Zwaenge, Vorschriften, Strafen ... . Aszim beibt wie angewurzelt stehen und wird kreidebleich. Seine Nackenhaare richten sich auf, sein Puls beschleunigt sich. Er ist am Eingang zu einem Felslabyrinth angekommen. Vor ihm liegt weites offenes und karges Land. Aber es ist nicht der Blick auf die Landschaft, der ihn dort festhaelt. Es ist eine niedergebrannte Lagerstaette, in der es von verkohlten Skeletten und Knochen nur so wimmelt. Dunkler Rauch steigt in den Kemelom empor, ein Zeichen fuer Tod und Verwuestung. Zwei Skelette an den Felsen gelehnt bewachten den Eingang. Mitten drin ein Schaedel, an dem noch die Haare haengen, klagt ihn regelrecht mit Blicken an. Als ob er ihm sagen will, dass er bald schon der Naechste sein wuerde. Aszim weicht blitzschnell an die Felswand zurueck und spaet sich vorsichtig um. Verdammt. Wie lange irrt er hier schon hirnverbloedet in der Gefahr herum?

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  Aszim atmet ruhig und flach, lauscht in die Umgebung. Stille, nur unterbrochen von dem leisen Geraeuschen vom See, die durch die Spalten zu ihm herauf getragen werden. Er wartet noch ein paar Kajims, ehe er sich in das Grauen wagt und die Reste genauer untersucht. So einen Ort hat er noch nie gesehen. Skelette, so weit er sehen kann tuemmeln sich in der Steppe und verlieren sich im Dunst am Horizont. Aszim beginnt einen Versuch mit den Augen zu zaehlen, gibt bald auf. Er hat viel gesehen als Soldat, das hier uebertrifft alles. Blanke und verkohlte Knochen an denen sich gierig Aasgeier festkrallen und das letzte bisschen Fleisch abnagen, das sie noch finden koennen. Aszim kneifft seine Augen zusammen. Die Geier nagen nicht an blanken Knochen. Sie picken die feine Haut auf, die sich wie Pergament darum gehuelt hat. Wer sinn all diese armen Tawos? Und was ist das fuer ein Lager? Aszim hoert ein Geraeusch hinter sich und dreht sich blitzschnell um. Als er Eileb erkennt, entspannt er sich ein wenig. Fragend blickt er den Inghros an, der traurig das Lager betrachtet.

  „Futterreste.“ erklaert Eileb knapp.

  „Ueber die Toten macht ein Lebender keine Witze.“ ermahnt Aszim ihn.

  „Ich mache keine Witze, Aszim. Das sind Futterreste.“

  „Wer wuerde denn so viel Futter …?“ Aszim stockt der Atem, er bekommt einen sauren Geschmack im Mund und schluckt mehrmals. NEIN! Boese funkelt er Eileb an.

  „Es gibt Zuchthaeuser im Reich, verstehst Du? Dort werden Tiere gezuechtet und geschlachtet!“

  Eileb hat seinen Blick auf die weit verstreuten Knochenreste gerichtet, die eine große Armee sehr lange Zeit ernaehren konnte, sein Ausdruck war genauso leer und tot, wie das Bild, das sich ihm bot. Hier kann er niemanden mehr heilen.

  „Wenn Du meinst.“ sagt er leise, wendet sich um und geht zurueck. Aszim schnaubt und schlaegt mit seinen Faeusten auf den Fels ein, bis seine Knoechel bluten. Wuetend trabt er zwischen den zwei Skeletten auf und ab, die an den Felsen lehnten, stets den haarigen Schaedel im Auge.

  „Nein, niemals!“ bruellt er dem Inghros hinterher. Das kann einfach nicht sein? Er hat sich selbst schon gefragt, woher das Dunkle Reich diese Unmengen an Essen auftreiben konnte fuer die gesamte Armee? Er weiß nichts von Ackerbau und Landwirtschaft. Aber er hat sie gesehen, als kleiner Junge, die Zucht- und Schlachthaeuser. Hatte gesehen, wie das frische Fleisch zu den Kasernen gebracht wurde. Verdammt er war dieser Junge, der den schmierigen Karren jeden Morgen hinauf zerrte in die Kaserne, um sich etwas Licht zu verdienen. Aszim betrachtet seine blutenden Fingerknoechel. Verdammt, wieso schafft es dieser Volldepp ihn staendig aus der Fassung zu bringen? Er hat sie gesehen, die Fleischhaeuser, er war da, als Kind. Aber heute? War es heute immer noch so? Die Armee des Reiches hat sich seit damals mehr als verzehnfacht. Es gibt mehr Soldaten, als Arbeiter und Landwirte. Wie sollten die alle satt bekommen? Er selbst musste bisher nie hungern, weder als er noch eine Null war, noch als Kommandant. Es gab ueberall genug zu essen, vor allem reichlich Fleisch. Er hat sich unbewusst gewundert, aber nie in einer Feldkueche nachgesehen, was dort wirklich in den Kochtoepfen landet. Doch manchmal hat er in den Ruhebeshmi Schreie gehoert, laute und qualvolle Schreie unter den Kuechen … Aszim uebergibt sich mitten auf den haarigen Schaedel.

  Es dauert eine zeitlang, ehe er reagiert und zu Eileb aufblickt. Er sitzt auf einem Felsen in einer Schlucht, weiß nicht, wie er hierher gekommen ist? Aszim vermutet, dass Eileb ihn von dem Elend dort drueben weggeholt hat.

  „Fuehlst Du Dich besser?“ Eileb hat ihm eine Hand auf die Herzregion am Ruecken gelegt und spendet ihm Licht. Er brummt zur Antwort, schiebt sachte Eilebs Arm beiseite und steht vorsichtig auf.

  „Wir muessen ein Lager suchen.“

  Der Inghros folgt ihm dieses Mal mit einem Laecheln. Aszim hat von seinem Vater schon als kleiner Junge gelernt, sich in Waeldern sicher zu bewegen und Unterschlupf zu finden. In der Armee hat er dieses Wissen perfektioniert zum Ueberlebenskaempfer in der Wildnis. Aszim weiß instinktiv, wo es Wasser und Nahrung gibt, findet die idealen versteckten Lagerplaetze, kann jede noch so kleine Spur lesen und deuten, weiß sich unauffaellig zu verhalten, vollkommen lautlos zu bewegen und zu beobachten. Zusammen mit Eileb, der jede Schwingung fuehlt, finden sie einen sicheren Unterschlupf in der Senke einer Felsspalte. Weit weg vom Knochenfeld. Als Nahrung findet Aszim kleine Tiere der umliegenden Canyons, Echsen, wilde Hasen, Graeser und Wurzeln. Der Inghros oeffnet eine Ader Laisviej, um eine Wasserquelle zu erreichen. Er formt einen Brocken des Glases um und erhitzt ihn, damit Aszim Essen darauf zubereiten kann. Sie wagen es nicht ein Feuer zu entfachen, da der Rauch den tausenden von Arachniden ihren Standort verraten wuerde. Zur Vorsicht verschließt Eileb jedesmal sorgfaeltig die Lichtader, wenn sie die Hoehle verlassen, um ihren Unterschlupf auch weiterhin versteckt zu halten.

  Anfangs erkundet Aszim die Umgebung, um sich einen Ueberblick ueber das Gebiet und die Aktivitaeten der Armee zu verschaffen. Eileb nutzt die Zeit und betrachtet geistig mit Hilfe der Schwingung aus den Tiefen das Ausmaß der Zerstoerung. Sehr schnell wird ihnen beiden klar, dass die Armee sich im Kessel unten am Danus Sa Avi und Aknom selbst aufhealt, um die ganze Stadt zu durchsuchen und auszupluendern. Dann ploetzlich nach ein paar weiteren Djews erlebt Aszim etwas, das ihn voellig aus der Bahn wirft. Er kommt von einem Erkundungsgang zurueck und findet Eileb in seiner ueblichen Nische sitzen, die Augen zusammengepresst, die Haende verkrampft an den Waenden festgekrallt. Sein Gesicht schmerzverzerrt. Er ist blutueberstroemt, die Haut haengt regelrecht in Fetzen von seinem Fleisch, waehrend er zitternd mit zusammen gebissenen Zaehnen den hoellischen Schmerz unterdrueckt und eisern mit leeren Blick weiter in den Tiefen forscht. Sein Lijwhan flackert bedrohlich und ist kurz vom dem Erloeschen.    

  Aszim verliert keinen Herzschlag, er stuerzt auf den Inghros, reißt seine Haenden von den Felswaenden los und versucht, seine Wunden mit seinen Haenden zu schließen, was ihm kaum gelingt. Der Inghros blutet ueberall, sein Atmen geht stoßweise und immer wieder bekommt er einen Anfall und zittert am ganzen Koerper. Aszim schafft den Verletzten rasch in ihr Versteck und verbindet seine Wunden, so gut es geht, sie heilen langsam. Er weiß, dass Laisviej eine heilende Wirkung auf den Inghros hat, die Lichtader kann er allein nicht oeffnen. Eileb faellt in einen Daemmerschlaf und wacht lange Zeit nicht auf. Aszim glaubt schon, er wuerde ihn verlieren und versucht eisern mit einem Felsbrocken die Ader zu oeffnen, es gelingt ihm nicht. Er kann einfach nichts tun, außer warten und hoffen. Unruhig wandert er in ihrem Versteck umher, schleicht sich raus um Essen zu suchen und bettet fast verzweifelt an einen Gott der Traeumer, an der er nicht glaubt. Es dauert Djews, ehe Eileb endlich erwacht und weitere bis er kraeftig genug ist die Lichtader selbst zu oeffnen. Aszim hilft Eileb, einen Faustgroßen Brocken des Glases zu nehmen und neben sich zu legen, um die Energie an seiner Haut zu spueren und aufzunehmen. Eileb heilt jetzt schnell durch das Licht des Glases, doch viele Narben an seinem Koerper bleiben zurueck, zu viele Narben. Mit Schaudern denkt Aszim an den Moment in Aknom, als der ihm noch fremde Inghros Schmerzen erlitt, um ihn zu heilen, obwohl er Eileb toeten wollte. Ihn beschleicht eine Ahnung, dass der Inghros noch viel mehr kann, als Laisviej zu formen und Schwingungen zu sehen. Was auch in der Nische geschehen ist es muss mit Verletzten zu tun haben, vielen Verletzten in Aknom, die der Inghros retten wollte.

Ein paar Djews spaeter sitzt Eileb auf einen Brocken und lehnte an der dunklen Felswand, sein Gesicht der geoeffneten Lichtader zuwendet, das von oben auf ihn strahlt. Aszim sitzt ihm gegenueber und stellt seinen leeren Tellerersatz aus einer Steinscheibe beiseite. Fragend blickt er den Inghros an und hofft endlich auf Antworten. Eileb blickt ihn lange an und beginnt zu sprechen.

  „Erinnerst Du Dich daran, was ich in Arjen mit Dir gemacht habe, um Deine Wunden zu heilen?“ Eileb‘s Stimme klingt muede, sein Lijwhan leuchtet noch etwas schwaecher, als Aszim es von dem majestaetischen Inghros gewohnt ist. Er nickt. Mit Grauen denkt er an dem Moment, als er selbst heilte und Eileb mit Striemen uebersaeht und schmerzverzerrtem Gesicht vor ihm zum ersten Mal zusammenbrach.  

  „Ich heile Dich, indem ich Dir Deine Verletzung nehme.“ spricht Eileb ruhig weiter.

  Aszim schaut ihn entsetzt an. Das Bild, wie Eileb in der Nische kauert und weiter macht, waehrend sein Koerper aus unzaehligen Wunden blutet draengt sich in sein Bewusstsein, er versucht es eisern nieder zu kaepmfen.

 „Das, das ist unmoeglich.“ Er schuettelt den Kopf und steht auf. „Dinge kann jemand nehmen, anfassbare Dinge, Gegenstaende. Hier, sieh.“ Aszim bueckt sich und hebt einen faustgroßen Stein vom Sandboden auf, haelt in Eileb hin. „Das hier, das kannst Du nehmen, das ist ein Ding. Aber keine Verletzungen. Wie? Wie sollte das moeglich sein?“ Aszim zittert bei dem Gedanken daran und fuerchtet die Anwort. Eileb schließt einen Moment die Augen und gibt dem Freund einen Moment Zeit seinen Zorn zu baendigen. Erst dann spricht er weiter.

  „Ich nehme einfach Deine Verletzungen mit meinem Geist und heile sie in meinem Koerper.“ erklaert er.

  Aszim schnaubt, seine Nasenfluegel flattern leicht. In ihm brodelt Wut und Hilflosigkeit, die er am liebsten an einem Arachniden herausgelassen haette, das kann der Inghros fuehlen. Er weiß auch, warum der Soldat das empfindet, so sehr er ihn bedauert, Aszims Faehigkeit kann er ihm noch nicht verraten. Er beherrscht seinen Lijwhan bei weitem noch nicht und waere dem Reich ohne Eilebs Schutz sofort ausgeliefert. Selbst jetzt im Moment durchzog den koenigsblauen Lichtumhang von Aszim eine finstere Rauchwolke des Zorns. Eileb weiß auch, dass er es nicht mehr lange hinaus zoegern darf, da er Aszims Hilfe bei seinem Vorhaben braucht.

  „Warum?“ bruellt dieser Eileb an. „Wie kannst Du so etwas tun? Wie kannst Du freiwillig solche Verletzungen und … Schmerzen nehmen?“ Er stapft aufgebracht hin und her und fixiert Eileb.

  „Weil ich es kann, Aszim. Weil ich heilen kann. Mein Koerper heilt Wunden viel schneller, als jeder andere Tawo in dieser Welt.“ Eileb spricht ruhig und freundlich, laesst die Wut bei Aszim.

  „Aber das sind Verletzungen, zum Viejenver. Schreckliche und hoellische Schmerzen, die Dich verwundbar machen und schwaechen.“ Er wird lauter. „Deine Haut hing in Fetzen von Dir, als ich Dich fand, in FETZEN, und Du … Du machst einfach weiter! Willst Du Dich umbringen? Ist es das?“ Schwer atmend bleibt er stehen und versucht sich zu beruhigen, obwohl er es nicht versteht. Wie kann ein Lebewesen diese Schmerzen aus freiem Willen einfach ... nehmen? Er koennte es nicht, niemals. Die Qualen, die auf einen zukommen, vorher zu kennen und dennoch diese Willenskraft aufzubringen, wieder und wieder, um schwere Verletzungen zu heilen.

Eileb seufzt und schweigt. Er wuerde Aszim noch nicht die volle Wahrheit sagen. Die Wahrheit darueber, was es wirklich bedeutet, Verletzungen nehmen zu koennen. Der Soldat schaut ihn in die Augen.

  „Warum?“ fragt er dann leise. Eileb leasst seinen Lichtblick lange auf ihn strahlen, ehe er antwortet.

  „Weil Lebensenergie die wahre Gabe von Laisviej ist. Das ist der Grund, warum das Dunkle Reich es kontrollieren will.“

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   Nach der Offenbarung schweigt Aszim lange Zeit in sich gekehrt in ihrem Versteck und denkt nach. Eileb laesst ihn gewaehren und gibt seinem Koerper die Ruhe, die er braucht, um vollstaendig zu heilen. Irgendwann geht Aszim hinaus, um sich um Essen zu kuemmern. Er bleibt Beshmi fort. Eileb braucht gar nicht in die Tiefe der Welt hinab tauchen, um zu wissen, dass der Soldat um Aknom herum schleicht und in seinem Zorn die Arachniden auskundschaftet. Er kann nur hoffen, dass ihm keiner begegnet, denn dem wird es sehr, sehr schlecht ergehen in der Verfassung, in der Aszim ist. Eileb verschließt die Lichtader ueber sich und schlaeft irgendwann ein. Erst, als der Duft von gebratenem Kaninchen den Raum erfuellt, wacht er auf. Er betrachtet Aszim beim Essen. Der Soldat kaut kaum, er riss sich das saftige Fleisch gierig mit den Fingern von den Knochen, stopft es sich in den Mund und schluckt es schnell runter. Dann nimmt er sich jeden Knochen noch ein Mal einzeln vor und nagt alles ab, was er erwischen kann. Am Ende laesst er mit einem lauten Ruelpser blanke Knochen laut klackernd auf den Stein plumpsen und schleckt sich genueßlich seine Finger ab. Eileb schmunzelt ihn an und Aszim haelt inne.    „Was?“ fragt er barsch?    „Aehm, Du hast da was …“ er deutet auf seinen Bart.  Aszim faehrt sich mit der rechten Hand ueber die Stopeln in seinem Gesicht und blickt fragend zu Eileb, der schmunzelnd den Kopf schuettelt. Aszim wischt sich mit den Aermeln ueber das Gesicht, reibt sich das Kinn und kontrolliert, ob er etwas erwischt hat. Dann erstarrt er mitten in der Bewegung, als ihm klar wird, dass der Inghros ihn an der Nase herum fuehrt. Das herzliche Lachen beantwortet er mit einem genervten Seufzen.    „Ich bin nicht Du. Ich brauche mein Fleisch und etwas zwischen die Kiemen, nicht Licht als Nahrung. Vor allem brauche ich etwas im Magen.“ Eileb lacht weiterhin und Aszim bekommt das Gefuehl, von ihm ausgelacht zu werden.    „Hey. Es reicht, ja!“ sagt er dann barsch und geht hinaus, um die Reste des Kanninchens weit draußen zu vergraben. Der Inghros macht ihn noch wahnsinnig und oft genug wuerde er ihm so richtig eine donnern, dass seine Augen aus den Hoehlen segeln. Aber sobald dieser seinen Blick auf ihn richtet, voller Licht und Waerme, vergißt Aszim alles und wuerde fuer ihn sterben. Er fragte sich nicht zum ersten Mal, ob der Inghros ihn nicht manipuliert, wie seine Kameraden im Dunklen Reich es staendig prophezeit haben? Mit sich im unklaren geht er zu Eileb zurueck in die Hoehle. Der Inghros sitzt mit geschlossenen Augen aufrecht, die Lichtader einen kleinen Spalt geoeffnet, dass genug Helligkeit auf sein Gesicht strahlt. Aszim setzt sich und betrachtet ihn.       „Wie lange hat es gedauert, bis Du von Licht leben konntest?“     Eileb schweigt einen Moment mit geschlossenen Augen. „Wie lange wird es dauern, bis Deine Gier akzeptiert, dass Dein Koerper keiner Nahrung bedarf, dessen Licht Du ausloescht?“    Aszim setzt zu einer Antwort an, aber ihm bleibt der Mund offen stehen. „Ich loesche kein Licht aus.“ Er verschraenkt die Arme und muss unwillkuerlich an dem Moment denken, als der Lijwhan des Hasen, eine orange Flamme deren Form einer Karotte sehr nahe kommt, erlosch.     „Zumindest kein großes.“ nuschelt er kleinlaut hinterher, waehrend in seinem Kopf Bilder auftauchen. Bilder von Tawo`s, die er getoetet hat und deren Licht mit ihnen vor seinen Augen fuer immer erloschen ist.     „Verdammter Pups eines Seitan.“ Tobend springt er auf. „Was zum Viejenver machst Du mit mir, Inghros?“ mault Aszim und blickt zornig auf den Inghros herab.    „Gar nichts, Aszim. Ich mache gar nichts mi Dir. Ich bin hier, hoere Dir zu und sage Dir das, was Du hoeren willst.“ Eileb blickt ihn nach wie vor nicht an.    „Und was will ich hoeren?“ bohrt der Soldat nach.    „Die Wahrheit.“ Jetzt erst wendet ihm Eileb sein Gesicht zu und sein warmes Licht, doch nicht in der ueblichen Intensitaet. Er gibt Aszim Raum, bei sich zu bleiben, selbst zu erkennen.    „Die Warheit ueber Dich. Du willst, dass ich Dir endlich sage, was Deine Gabe ist, was Du bist.“     Aszim holt tief Luft und atmet langsam aus, um den Druck in seiner Brust zu lindern. Seine Haende sind zu Faeusten geballt. Ja, das will er endlich wissen! Er ist dem Inghros blind hierher gefolgt, nach Aknom. Er beobachtet mit ihm das Treiben der Arachniden und laesst er ihn bisher im Dunkeln tappen. „Dann sag es mir endlich, verdammt.“     Eileb schaut ihn unverwandt mit seinem Licht an und prueft seine Schwingung. Da ist noch viel Zorn in dem Tawo, viel zu viel. Andererseits hat Eileb keine andere Moeglichkeit, wenn er seinen Plan in die Tat umsetzen will.    „Du bist wuetend, weil Du es nicht selbst erkennen kannst, weil Du Dich von mir abhaengig und entmachtet fuehlst. Ich sehe einfach hin, Aszim. Ich sehe das, was Du auch sehen koenntest, wenn Du Deinen Geist oeffnen wuerdest. Du hast das Dunkle Reich schon lange in Frage gestellt und Deine Rolle als Soldat darin. Schon seit Dein Vater dich beschuetzt hat und fuer Dich gestorben ist. Oeffne endlich Deine Augen und sieh Dich, sieh endlich, was Du bist.“    Aszim glotzt Eileb Kajims lang still und erwartungsvoll an, hofft auf eine Erkenntnis ...  ... die nicht kommt. Er ist enttaeuscht. Wieder Mal. Mit zusammen gebissenen Zaehnen laeßt er die Luft langsam aus seinen Lungen entweichen, wendet sich ab und will erneut hinaus gehen. Just in dem Augenblick klingen die letzten Worte von Eileb in seinem Denken umher und er haelt inne.   Dein Vater hat Dich beschuetzt ...      Er starrt ins Leere, als die schlimmste Erinnerung in seinem Leben mit lautem Gewitterdonnern in seinem Gedaechtnis eindringt. Die Erinnerung, als er seinen Vater zum letzten Mal gesehen hat. Den Moment, wie er ihn zwischen den Holzdielen im Boden ihres Hauses versteckt.  ... Dein Vater ...      beugt sein markantes, vom Leben gepraegtes Gesicht ueber ihn. Er sieht seine Angst darin, die sich hinter seinem Laecheln versteckt, hinter dem Glauben an Hoffnung auf eine bessere Welt. Aszim wehrt sich, will den Gedanken wegdraengen, wie er es immer getan hat. Er will weglaufen vor diesem Schmerz, diesem schrecklichen Verlust, als das Reich ihm seine Eltern entriss. Dieses Mal zwingt er sich, es zuzulassen und geht tiefer hinein in die Vergangenheit, hinein in das tosende Gewitter in seinem Geist der Erinnerungen. Dorthin, wo seine groeßte Angst lauert. Wo es muffig und alt riecht, nach Tod. Er spuert, wie die Kaelte des Bodens in seine Knochen kriecht, der scharfkantige Kies der seine Haende aufreißt, als er sich in seinem Versteck festkrallt. Er hoert Schreie, Schreie seiner Mutter, die fortgezerrt wird. Wie sein Vater versucht, alles zu erklaeren, dass es ein Missverstaendnis war. Er ...  ... hat Dich ...      versteckt, damit sie ihn nicht finden. Er hoert derbe Schlaege, hoert, wie sein Vater zu Boden geworfen wird, wie er fleht und bettelt. Schwere Schritten lassen ploetzlich die Bodendielen erzittern, als er auftaucht, der große dunkle Schatten. Er hoert ein seltsames Geraeusch, wie ein Tier das wittert. Er will weg, mit aller Macht weg von dem grausamen Ort, der sein Leben zerstoerte und ihm die wichtigsten Menschen fortgerissen hat, die er jemals liebte. Der Schatten naehert sich, beugt sich tiefer zu seinem Versteck herab. Er kann nicht weg, kann nicht raus, muss alles hilflos mit ansehen. Er beißt fest auf seine Lippe, merkt nicht, wie sie blutet, merkt nicht den Schmerz, fest zubeißen um nicht zu schreien. Dann hoert er sie, die letzten Worte seines Vaters, die laut durch den Raum donnern, damit der Schatten ihn mitnimmt und nicht seinen Sohn: „Glaube niemals dem Reich. Glaube Deiner eigenen Wahrheit und hoer auf Dein Herz. Es kommt eine Zeit ohne Angst, ohne Dunkelheit. Eine Zeit, in der Inghros und Sweloms friedlich miteinander leben werden, ...   ... beschuetzt ...      „... im Licht.“     Aszim schlaegt die Augen auf und sieht Eileb durch Traenenschleier an. Er weiß jetzt, was er sein Leben lang gesucht hat, was seine Aufgabe ist. Er spuert eine Erleichterung, fuehlt sich zum ersten Mal in seinem Dasein vollkommen. Sein Lijwhan strahlt in einem hellem, glasklaren Koenigsblau und umspielt ihn wie einen Umhang, der sich fließend von seinen Schultern ergießt. Er weiß jetzt, dass er ein Leben lang nach dem Schatten gesucht hat, denjenigen, der seine Eltern auf den Gewissen hat. Er weiß, dass seine Aufgabe darin besteht, die Welt vor ihm zu beschuetzen, denn seine Gabe ist es ein Schutzschild zu sein, fuer das Licht. Er wird ihn eines Tages finden und sich ihm stellen. Bis dahin muss er lernen sich zu verzeihen, dass er damals seine Eltern nicht beschuetzen konnte. Damals, als er ein Kind war und von seiner Gabe nichts wusste.    Eileb atmet langsam aus und nickt ihm zufrieden und dankbar zu. Aszim ist erwacht und erinnert sich, an sich selbst. Ein Swelom von vielen, die noch schlafen da draußen, in den Faengen der Dunkelheit. Sie duerfen keine Zeit mehr verlieren.           Aszim zaehlt erneut die blaeulich schimmernden Kerben links von ihm im Fels. Nach seinem Erwachen hat er die Arachnidenarmee dort unten Djews fuer Djews ausgekundschaftet, waehrend Eileb sich in die Tiefen begab und im Inneren umsah. Ihr Plan ist schlichtweg ein Selbstmordkommando, da sie allein gegen tausende von Arachniden vorgehen werden. Selbst er als Schutzschild kann nichts dabei ausrichten, wenn sie Eileb in die Finger bekommen. Noch unsicher dreht er sich zu dem Inghros um und betrachtet ihn. Entweder hat er es hier mit einem vollkommenen verrueckten Spinner zu tun oder er hat wirklich diese Macht, das alles zu tun.    „Wenn Du blutigen Angstschweiß auf meiner Stirn erwartest oder Gebete und Hilferufe um Gottes Beistand, muss ich dich leider enttaeuschen.“ Eileb laechelt mit geschlossenen Augen amuesiert vor sich hin. Aszim kann regelrecht fuehlen, wie er Provokation in sich spuert, doch bekaempft es erfolgreich nieder. Er kann es sich jetzt schlichtweg nicht erlauben, Fehler zu machen.     „Naja, keinen Angstschweiß, ein nervoeses Zucken schon. Immerhin glaubst Du, dass wir es allein mit den Arachniden aufnehmen und Aknom zurueck erobern koennen.“    „Selig sind die Blinden, denn sie glauben noch an Wunder.“ Eileb laechelt vor sich hin. Er weiß, was in den Tiefen lauert, das ihnen vielleicht helfen koennte. Nur darf es Aszim und sein Beschuetzerinstinkt noch nicht erfahren.
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 Dummes Buerschchen. Freudige Erregung jagt ihn wohlige Schauer durch seinen Koerper und er lacht boese in sich hinein.    Dummes Buerschchen, ist mir auf dem Leim gegangen, glaubt wirklich, er kann mich einfach ungestraft belauschen und mir, dem Herrn der Semuas folgen! Pah, was fuer ein dummes Buerschchen er doch ist!      Der Dealer steht am Rand einer Felskante in den Canyons des Alasmassiv. Vor ihm der tosende Hoellenschlund, der sich einen halben Queli zum Horizont erstreckt und die Felsplatten wie eine aufgeschlitzte Haut teilt. Sein Mund wird ganz feucht, wenn er an die eine oder andere Leiche denkt, die dort am Grund vermodert – natuerlich dank seiner Glanzleistungen. Mit Stolz denkt er an diese Momente zurueck, als er diese elenden Wuermchen und Dreckfresser in die Irre fuehrte und mit einem Schubs … Er spuert ein angenehmens ziehen in der Laistengegend und fasst sich an den Schritt. Langsam undendlich langsam laesst er seine rechte Hand ueber dem ausgefransten Stoff seines Kostuemes kreisen, tunlichst darauf bedacht, sein bestes Stueck ja nicht zu beruehren. Er will es nicht so weit treiben. Nicht hier, er will nur ein wenig die Erregung spueren. Dieses Gefuehl ueber Macht zu herrschen. Die sueßliche Qual der Anspannung, wenn er seine Beute ins Visir genommen hat, wenn jede seiner Fasern erzittern und er sich bereit macht. Oh, ja! Er liebt es, seine Erregung auszukosten, sie immer hoeher zu schrauben, bis es schmerzt und er endlich diese Wuermchen ueber die Kante …    Ein leises Stoehnen vor ihm reißt ihn brutal in die Gegenwart zurueck. Missmutig er mit seiner Hand tiefer in die Tasche seines zerschlissenen Kostuems. Dort drin bewahrt er alles auf, was er sammelt. Vor allem seine Trophaen, die verschrumpelten Glieder seiner Opfer. Einen Moment huscht ein Laecheln ueber seinen blutrot verschmierten Mund, seine gelben Zaehne blitzen auf. Es sind nur ein paar Glieder in seiner Tasche. Finger oder Zehen. Es erstaunt ihn, dass der Abschaum diesen verschrumpelten Stumpen mehr hinterher winselt, als ihren Seelensplittern. Nein, seine Hand sehnt sich nach etwas anderem. Er tastet sich noch tiefer hinein in die Endlosigkeit seiner Tasche, bis er es wieder fuehlt, die Waerme. Ganz sachte, fast schon zaertlich beruehrt er das kleine runde Ding, dass er Seiks abgenommen hat. Kostet den Moment aus, wie so oft, seit er es wieder bekommen hat.   Dummer Affe Seiks. Dumm und blind, wenn er nicht mal erkennt, was er in Haenden hielt.      So etwas kleines und machtvolles, das es Dumme nicht sehen koennen. Er schließt seine Hand darum, laesst es aber in seiner Tasche. Mit einem boshaften wohligen Schauer denkt er daran, dass die Ato`s verzweifelt nach dem Schloss der Traeume suchen und es niemals finden werden, so lange sie blind sind. Genauso blind, wie der dumme Affe Seiks, der nicht mal Macht erkennt, wenn sie rot leuchtend vor ihm steht. Er wendet den Blick nach Norden. Hinter dem Hoellenschlund hat sich eine schwarze Rauchsaeule am Horizont gebildet, die sich in den Kemelom schraubt. Nur noch wenige rosa Rauchfaeden des Lijwhans von Aknom sind sichtbar. Die Arachniden haben also ganze Arbeit geleistet und die Stadt wirklich eingenommen. Der Dealer hebt seinen Kopf in den Nacken und wittert in die Luft hinein. Seine Augen sind dabei geschlossen. Als er sie oeffnet ist sein Blick genervt und beleidigt. Der Blinde kam viel zu frueh aus dem Berg gekrochen, als haette er hier draußen etwas gerochen.      Wieder ein Stoehnen, etwas lauter.    „Es ist verdammt nervig!“       Wuetend stapft der Clown mit seinem rechten Fuß auf, faengt hektisch zu tippeln an und dreht sich im Kreis. „Nein, nein, nein, nein!“ Er bleibt stehen, zoegert einen Moment, legt den Kopf schief. „Was ...?“ hoert er noch, als er ausholt und mit voller Wucht seinen Fuß in das Gesicht vor ihm auf dem Boden rammt.   “Es ist verdammt nervig!“     Bruellt er den bewusstlosen Jungen an, aus dessen Nase Blut laeuft. Seine Lippe ist rissig und aufgeplatzt, Kiefer und Wangen von blauen Flecken und verkrusteten Blut uebersaeht. Das Gesicht aschfahl. Es ist nicht das erste Mal, dass er ihn brutal ruhig stellt. Der Dealer schnauft mehrmals, die Lippen verzogen. Er verharrt, bis er sich erneut erhaben und machtvoll fuehlt ueber das dumme Buerschchen. Es gefaellt ihm mehr, ueber das Leben anderer zu bestimmen, als sich von anderen bestimmen zu lassen. Wieder schaut er auf den Horizont hinaus, verengt seine Augen, er kann den Lijwhan des Blinden nirgends sehen, den gelblichen Sternenstaub. Aber riechen kann er ihn, diesen ... „Inghros“. Er spukt das Wort aus und verzieht dabei angewidert den Mund. Dann blitzt ein Licht in seinen Augen auf und sein Laecheln wird breiter. Sein boshaftes Lachen hallt wie eine Welle durch die Canyons.   „Freuen werden sich die Arachniden sicherlich,  zu erfahren, von dem missratenem Licht.“      Immer noch hinterlistig laechelnd schaut er von oben auf den bewusstlosen Jim herab. Der graue Lijwhan des Jungen ist ein einfaches Scheinen, dass von ihm abstrahlt. Es hat bereits begonnen zu flackern. Lange wird er in dem Zustand nicht mehr am Leben bleiben. Kurzerhand packt der Dealer ihn am rechten Handgelenk und schleift ihn muehelos auf den scharfkantigen Felsen hinter sich her, als ob der Junge nichts wiegen wuerde. Er geht schnurstracks mit seinem Handgepaeck in die raue Felswand neben sich hinein. Sein Ziel ist dieses Mal das gefuerchtete Volk aus dem Sueden, das nach der Belagerung von Aknom sehr großen Hunger hat auf junges, saftiges Fleisch. Einen Moment spaeter tritt er bereits wieder aus einem Felsen hinaus, als ob er durch eine Tuer geht und landet auf einen winzig kleinen Felsvorsprung vor den Toren der Stadt. Achtlos laesst er das Hangelenk des bewusstlosen Jungen los und betrachtet fasziniert, wie der leblose Koerper den schmalen Pfad vor ihm hinab schlittert, der Steil in die Tiefe ragt. Er rutscht tiefer und kommt dem Abgrund bedrohlich naeher. Steine loesen sich und kullern hinab in die Tiefe. Der Oberkoerper des Jungen schiebt sich bereits ueber die Kante, die Arme baumeln im Nichts. Der Dealer streckt den Kopf etwas vor, seine Augen sind vor freudig geweitet, er will den Moment vollkommen auskosten. Wie die Schwerkraft ihre Arbeit verrichtet und den Koerper langsam ueber den Rand zieht. Doch an einem kleinen aufragenden Felsen bleibt der Junge mit seinem Hosenbund haengen. Der Dealer ballt seine Haende zu Faeusten und flattert mit den Armen. Er sieht aus, wie ein Huhn, waere da nicht sein ungeduldiger und missmutiger Blick. Er tippelt mehrmals mit den Fueßen auf der Stelle.   







































 „Verdammt, es ist nervig!“
   Eileb sitzt im Schneidersitz in einer verborgenen Felsspalte in der Canyonregion zwischen den Felswaenden oberhalb des Visionssees. Seine Augen sind geschlossen, die Haende ruhen links und rechts von ihm an den kuehlen, glatten Stein. Es muessen inzwischen Beshmi vergangen sein, seit der Inghros sich in seinem Geist zurueckgezogen hat und in die Tiefe der SpielWelt hinein fuehlt. Aszim kauert hinter einem Felsvorsprung und beobachtet durch die Oeffnung unbemerkt die Armee des Reiches, die dort unten in den Ueberresten von Aknom im Kessel des Danus Sa Avi wuetet. Er dreht den Kopf nach links und zaehlt die Kerben, die er seit ihrer Ankunft in den dunklen Fels geritzt hat. Dreißig blau wschimmernde Kratzer in der Farbe seines Lijwhans. Dreißig Djews, die sich bereits hier oben vor dem Dunklen Reich versteckt halten und Plaene schmieden. Plaene, die nur ein Groeßenwahnsinniger wagen wuerde. Aszim schnaubt und atmet gepresst aus. Er schlaegt mit seiner linken Faust gegen die Felswand, wieder und wieder, bis die Haut an den Knoecheln aufplatzt und Blut hervorquillt. Erst, als er den Schmerz fuehlt und sein eigenes Blut sieht, beruhigt er sich. Er spuert foermlich, wie sein Verstand zu rattern aufhoert und an einem Plan zu arbeiten anfaengt. Es ist schlichter Selbstmord, den sie hier begehen und Aszim hat nicht den Hauch einer Ahnung, was er dagegen tun soll. Wie soll er mit seinem bisschen Lichtfetzen von Lijwhan eine ganze Armee des Dunklen Reiches aufhalten? Wie soll er Eileb beschuetzen?    Die schmale Spalte, in der die zwei Maenner ausharren, ist vom See aus in den Felswaenden nicht zu sehen. Der ehemalige Soldat knurrt, seine Kiefer mahlen, waehrend er hinab blickt in den Kessel. Hinab auf die zerstoerte Rossette im See und den schwarzen Rauchfahnen der Arachnidenarmee, die ueberall in den Kemelon hinauf reichen. Selbst ihm, der beinahe sein ganzes Leben im Dienste des Reiches verbracht hat und in dem Glauben von einem Herrschersohn und seinem Gottvater erzogen wurde, fuehlt bei dem zerstoerten Anblick tiefe Trauer in seinem Herzen.  

    Eileb hat ihm seit ihrer Ankunft vor dreißig Djews viel ueber die Traeume und die Aufgabe der Inghros erzaehlt. Er sprach davon, wie die alten Inghros die Stadt Aknom erschufen, um die Traeume wahr werden zu lassen, weswegen sie auch die Stadt der Traeume genannt wird. Manche munkeln sogar, dass Aknom selbst das verschollene Schloss der Traeume sei. Aszim weiß noch nicht so recht, was er von all dem halten soll? Er kann nicht verstehen, wie in einer Stadt tief im Fels Traeume erweckt werden? Und was sind Traeume? Im Dunklen Reich ist es bei Tod verboten, ueber Traeume zu sprechen oder sie gar zum Leben zu erwecken. Eileb erklaerte ihm, dass er einen Traum erkennen wird, wenn er ihm begegnet. Er wird es fuehlen, dieses Kostbare und alles in seiner Macht stehende tun, um diesen Traum zu beschuetzen. Aszim war nach dem Gespraech noch verwirrter, als vorher und er war wuetend ueber das Reich und allem, was ihm verschwiegen wurde. Seine Fingerknoechel haben zu Bluten aufgehoert, aber sein Verstand beginnt jetzt erst richtig zu arbeiten.
spielweltv3-Aknom-Eileb5
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