Unterhaltung, Persönlichkeitsentwicklung, Bildung,
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SpielWelt - WebBook - Teil 1  Buch des Lebens

Das Pergament hat seinen Zweck erfuellt und loest sich langsam in einem Lichtblitz auf. Zurueck bleibt ein Haeufchen Asche, dass der Wind in alle Richtungen verweht. Doch bei genauem Betrachten ist es keine Asche, sondern winzig kleine Buchstaben, die sich vom Wind davon tragen lassen in die Welt hinaus. Am Horizont verschwindet eben ein rosafarbener Schimmer in der Windmuehle.


Fuer wen auch immer Ondit dieses Wissen hinterlassen hat, es ist wichtig um sich in dieser Welt der Lichter und Schatten zurecht zu finden.

Es wird Zeit, diesen Ort zu verlassen und  zu den anderen zurueck zu kehren.
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SpielWelt® ist eine eingetragene Marke.

Das folgende Schriftstueck  ist im gesamten Dunklen Reich  bei Todesstrafe verboten!  Lies es nur, wenn Du Dir der Konsequenzen bewusst bist - auch der fuer Dein Denken!
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Wenn du das hier liest, habe ich es nicht geschafft.  Ich habe mich selbst verloren und bin bei dem Versuch mich zu finden gescheitert. Tausende von Schritte bin ich gegangen, tausende Wege habe ich verfolgt, mit dem Ziel mich zu finden. Erinnern, wer ich einst war, vor so langer Zeit, bevor ..? Ich entsinne mich nicht mehr. Nicht daran, wie es vorher gewesen ist, noch wie es sein sollte. Es war besser, es muss besser gewesen sein. Nicht so kalt und dunkel wie jetzt. Nicht so unendlich schwer. Vater, warum ist es leer, eine Last? Es erdrueckt mich, nimmt mir die Luft zum Atmen. So schwer, dunkel und kalt …  Wenn du das hier liest, bin ich nicht mehr.   Ich war auf der Suche nach Glueck, nach Freude, nach dem Leben. Viele weise Maenner und Gelehrte sind mir auf meinem Weg begegnet. Staunend habe ich ihren Worten gelauscht und sie festgehalten fuer die Welt. Fuer all jene, die es suchen, das Selbst. Das verlorene Innere, wo einst die Traeume zu Hause waren. Wir koennen es nicht sehen und doch fuehlen wir uns unvollkommen seit Anbeginn der Zeit.  Wenn du das hier liest, hast du bereits mit der Suche begonnen. Der Suche nach deinem Leben ...  Zeit, heute  Lievan
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Daseinsgrund
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Es ließ mir keine Ruh.  Ich wusste, da ist etwas im Traum an dass ich mich bei Tag erinnern sollte. Doch die Gedanken bei Tage sind so finster und kalt, dass ich kaum zu atmen wagte. Und dennoch musste ich hinaus, heute. Hinaus in die Welt. Am liebsten wuerde ich mich unter weichen Decken verkriechen, ihre Waerme aufsaugen in meine schlotternden Glieder. Aber es half nicht, ich musste hinaus, wollte ich nicht verhungern. Seufzend kratzte ich meine letzten Pennies zusammen, zaehlte sie gefuehlte tausendmal ab. Doch so sehr ich starrte und hoffte, es bleiben meine letzten Pennies. Voller Angst und Zweifel wagte ich mich hinaus auf den Markt. An der Tuere blieb ich noch mal stehen, schloss meine Augen, ein Stoßgebet in den Himmel schickend. Wird mir die Welt mein Elend ansehen? Ich schaemte mich, nicht in der Lage zu sein, mehr von diesen Silberlingen zu ergattern. Ich schaemte mich, nicht mehr zu kaempfen, haerter zu arbeiten und hinterhaeltiger Geschaefte zu machen. Ein tiefer Atemzug und ich schluepfte hinaus in die finstere Welt. Nein, zum Leben sagend. Den Blick gesenkt, meine Haende fest in die Taschen gestopft wollte ich losgehen. Da sah ich einen Jungen an der Hauswand kauern. Traurige Augen, die das Herz zerreißen. Mein Griff in der Tasche verstaerkte sich krampfhaft um das Wenige, was ich noch besaß, hielt es eisern fest. Gib ihm die Haelfte. Dir bleibt mehr als genug fuer die ganze Woche! „Wer war das?“ Zu Tode erschrocken drehte ich mich um. Zwei Maenner vor mir in langen Maenteln sahen mich seltsam an, wichen aus. Doch niemand sonst war da. Eben wollte ich weiter eilen, da ertoente erneut diese Stimme. Gib ihm die Haelfte. Hab vertrauen. „NEIN!“ Donnerte die Antwort tief in mir Empor. Die Sorgen haben mir wohl die Sinne vernebelt. Aengstlich stuermte ich davon, auf den Markt, nahm einfach schnellstmoeglich mit, was ich glaubte zu benoetigen. Gab meine letzten Pennies aus und rannte fast verzweifelt nach Hause. Den armen Jungen am Straßenrand nicht mehr wahr nehmend. Nur schnell hinein in meine kleine Turmstube. Vergessen, einfach vergessen.  „Passen sie doch auf.“ Polternd verteilte sich mein Einkauf im Treppenhaus. Tomaten zermatschten, Aepfel wurden zerdrueckt, die Milch in einem Sturzbach die Treppe hinab fließend. Wehleidig schaute ich meinem Lebenserhalt hinterher.  „Meine Guete. Bricht morgen der Krieg aus? Wollen sie damit eine Kompanie versorgen?“ „Ich... kuemmere mich gleich.„ Nuschelte ich unter Traenen, wischte mir fluechtig uebers Gesicht. Das ganze Essen, das Chaos im Treppenhaus, es... Ich war wuetend auf mich selbst und verfluchte meine Ungeschicktheit. Haette mir am liebsten eine Gescheuert fuer meine Dummheit. Sicherlich wird Frau Beatrix gleich aufbrausen und mich anbruellen, wie dumm ich doch war. „Na, na, Livan. Kommen Sie, so schlimm wird es schon nicht sein?“ Frau Beatrix setzte ihre Pracht ein wenig unbeholfen neben mich, taetschelte mir die Schulter. Ich starrte sie mit offenen Mund an, ehe ich mir erneut uebers Gesicht wischte.  „Sie... sind nicht wuetend auf mich?“ „Ach bewahre. Das kann doch jedem passieren.“ Ich starrte mit offenen Mund in ihr laechelndes Gesicht, erwartete Wut und eine Ohrfeige, die einfach nicht kommen wollten.  „Was ist denn passiert?“ fragte sie mich statt dessen aufmunternd laecheln. Ich war verwirrt. Ist das ein Trick? Wo bleibt ihre Ablehnung? Oder zumindest Mitleid in ihren Augen? Ja, einen mitleidigen Blick fuer mich armen Toelpel? Nein, nichts dergleichen. Herzliche Waerme leuchtete in der rauchgrauen Iris auf, wie Kerzenschein bei Nacht.  „Ich... ich... Ach, ich haette meine letzten Pennies dem Jungen geben sollen. Dann waere es jetzt nicht futsch.“ Frau Beatrix antwortete zu meinem erstaunen nicht, was mich ein wenig verunsicherte. Die meisten Menschen, die ich kannte, lachten oder spielten es herunter, schimpften auf die Regierung oder das Dunkle Reich, wie es jetzt heißt. Oder schelten mich dumm und unnuetz. Doch Frau Beatrix sah mich einfach nur an und wartete, mit ihrem Kerzenschein in den Augen. Sollte ich es wagen? Durfte ich? Lange starte ich zurueck. Aber das Dunkle, das ich in dieser seltsamen Dame gesehen hatte, war gar nicht da. Sag es ihr! Ich schloss die Augen, wieder diese Stimme. NEIN! Sag es ihr, bitte! NEIN! Dieser Kampf raubte mir die letzte Kraft und so stotterte ich verzweifelt einfach drauf los. „Frau Beatrix, sie werden mir das jetzt vermutlich nicht glauben. Aber ich habe heute da draußen eine Stimme gehoert.“ NEIN! Du dummer Junge! Jetzt wird sie Dich gleich schelten! Mein Herz Flatterte wild in der Brust und ich erwartete ihr lachen. Aber Frau Beatrix schwieg. Vorsichtig schielte ich sie an. Die betagte Dame in ihrem alten Kittel war ein wenig zerzaust. Die Haare hingen in Straenen in ihr Gesicht, notduerftig zu einem Dutt gebunden. Vermutlich hatte ich sie in ihrer Arbeit gestoert. Doch in Ihrem Blick ist nichts, keine Ablehnung, keine Scheu und schon gar nicht... Angst.   „Sie, sie sagen ja gar nichts?“ versuchte ich es vorsichtig. „Ich warte, bis Sie zu Ende erzaehlt haben, Lievan.“ Sie laechelte. Nervoes fuhr ich mir durch die halblangen Haare. „Nun ja. Ich habe heute meine letzten Pennies zusammen gekratzt, um mir Essen zu kaufen. Sie wissen, meine Arbeit habe ich verloren. Und ich... ich.“ Ich machte einen Moment Pause, versuchte es in Worte zu fassen. „Also draußen, da sah ich diesen armen Jungen und hoerte eine Stimme. Gib ihm die Haelfte, sagte sie, mir bleibt mehr als genug.“ Ich schwieg. „Und dann? Was geschah dann, Lievan? Erzaehlen Sie weiter.“ forderte mich Frau Beatrix auf. „Also, ich hatte Angst. Deswegen bin ich so schnell, wie moeglich zum Markt und heim geeilt. Ich wollte das nicht. Ich bin doch nicht verrueckt. Verrueckte hoeren Stimmen, oder?“ Aengstlich sah ich sie an. Meine schrullige Nachbarin, die sich jetzt als Juwel entpuppte.  Da tat sie etwas, was sehr langer keiner mehr getan hat. Sie nahm mich in den Arm. „Ach Lievan. Das waren keine Stimmen. Das war die eine Stimme.“ sagte sie und wiegte mich sanft. Ich erstarrte einen Moment, doch ueberwog ihre muetterliche Waerme. Wann war ein Mensch zum letzten Mal nett zu mir gewesen? Schimpfte mich nicht fuer etwas, was ich getan hatte? Ich weiß es nicht. „Welche Stimme?“ fragte ich vorsichtig, den Hauch einer Ahnung wissend aber nicht mehr glaubend. „Die Stimme deines Herzens.“ Ich weiß nicht, was mich mehr erschreckte. Dass mein Herz begonnen hatte, endlich mit mir zu sprechen, oder dass es mich so lange sitzen gelassen hatte in meinem Elend?  Zeit, heute Lievan   Ich weiß noch, wie ich es zum ersten Mal bewusst in Haenden gehalten habe. Wie elektrisierend es sich unter meinen Fingerspitzen anfuehlte. Die Luft knisterte und brannte, als ob sie diese Macht und Weisheit wittern konnte, die darin verborgen war und darauf wartete, von mir entfesselt zu werden. Die Macht der Worte. Noch nie hatte ich mich dieser Macht geoeffnet. Sie war mir suspekt, einfach durch das Lesen Wissen zu erhalten. Nur durch Worte, denen meine Augen folgten. Es fuehlte sich fuer mich jedes Mal an, wie eine Gehirnwaesche. Fremde Worte. Was wusste ich denn, was diese Worte in meinem Kopf anstellen wuerden? Nein, es war mir einfach unheimlich. Nie haette ich geahnt, dass ausgerechnet Worte mein Leben veraendern sollten.          Das Buch des Lebens   In großen Lettern prangte mir dieser Titel entgegen. Der Einband wie gedruckter Marmor, schwer und maechtig, eben Eindruck machend. Das Buch des Lebens? Was mich wohl darin erwartet? Lange Zeit starrte ich auf den dicken Waelzer, der auf meinen alten Eichendielen auf dem Boden thronte.  Nach dem Malheur im Treppenhaus hatte Frau Beatrix mir geholfen, die Reste meines letzten Essens einzusammeln und sauber zu machen. Die zerschellte Milch war verloren und verlieh jetzt nur noch den alten Stufen einen frischen Glanz. Frustriert, nicht auf meine Stimme gehoert zu haben, warf ich mich erst mal auf das alte, durchgesessene Sofa und kuschelte mich in meine Lieblingsdecke. Wie auf Kommando kam Baron angetapst, mein mopsiger grauer alter Kater. Mit seinem weißen Haarkranz um den Hals und dem schwarzen Ring um sein rechtes Auge wirkte er fast wie ein Baron mit Zwickel. Er hat sich den Namen am Fellwuehltisch des Lebens redlich verdient.  Es dauerte nicht lange, da klopfte es an meiner Tuer. Schwer seufzend schubste ich Baron von meiner Brust und stand auf. Als ich wenige Schritte spaeter oeffnete war ich vollkommen ueberrascht. Frau Beatrix stand an meiner Schwelle mit einer frischen Milch in der Hand. Strahlend drueckte sie mir die Flasche in meine Haende, die verzweifelt versuchten, das Glas nicht noch mal fallen zu lassen.  „Nicht dass sie mir verhungern mein Lieber und keine Widerrede.“ Ich schaffte es gerade mal, ein verlegenes Danke zu nuscheln, da zueckte sie noch etwas hinter ihrem Ruecken hervor. „Und das tut ihnen gut. Ich weiß, lesen ist ein Graus fuer Sie. Aber es wird Zeit, dass sie Ihr Leben grundlegend veraendern. Und das hilft Ihnen dabei, glauben sie mir.“  Ich hatte keine Gelegenheit zu protestieren. Sie stopfte mir das dicke Ding in die Achsel, drehte mich um, schob mich schnurstracks in meine Raeume zurueck und schloss die Tuer hinter mir. Ich koennte fast meinen, sie wollte mich ganz schnell wieder loswerden? Oder das, was da zwischen meiner Achsel klemmt? Kopfschuettelnd stand ich in meinem Wohnraum. Baron saß erwartungsvoll vor mir auf dem Boden, den Kopf schief auf die Milch liebaeugelnd. Ich ging zum Sofa und hob ein wenig den Arm, um das Ungetuem davor auf den Boden fallen zu lassen. In der Kuechenecke genehmigten wir uns erst mal einen ordentlichen Schuss Milch auf den Schreck, der Baron und ich. Er in seiner Schuessel schlabbernd prostete ich ihm aus der Flasche zu. Unsicher, was das eben war, schlich ich dann mit Baron zum Sofa zurueck und betrachtete eine Weile den Schinken da vor mir auf dem Boden. Die alten Dielen waren mein nicht vorhandener, aber endloser Couchtisch. Es war einfach unglaublich, was da alles Platz hatte.  Da saßen wir beide, der Baron und ich und belauerten das Monster eine Ewigkeit lang, ohne uns zu ruehren. Der Baron war am Ende der Mutigere von uns beiden, als er sich vorsichtig dem Buch naeherte und es beschnupperte. Zu meinem erstaunen nahm er die Krallen seiner rechten Pfote und schlug das Buch auf. Mit schiefen Kopf schaute er mich an und gab einen tiefen Maunzer von sich.  „Ich lese das Teufelszeug nicht!“ Der Baron blieb hart, senkte den Kopf und sah wirklich aus, als ob er zu lesen begann. Sein Schwanz peitschte hin und her, von einem gelegentliches Gurren begleitet.  „Nein Baron. Ich lese das nicht!“ Der Kater sah mich an und dann tat er etwas, dass ich niemals vergessen werde. Er schob mir das Buch aufgeschlagen rueber, damit ich es lesen konnte. Ein großer Fehler. Der Baron maunzte mich erwartungsvoll an. Mit einem mehr als zweifelnden Gefuehl in meinem Magen hob ich das Buch auf. Die Luft knisterte und stand genauso unter Spannung wie ich. Ich konnte die Schwere des Wissens in meinen Haenden pulsieren fuehlen. Ein Gefuehl, dass ich nicht einzuordnen im Stande war, nicht abschaetzen, ob ich es mochte, oder lieber schreiend davon laufen sollte? Es fuehlte sich an, wie ein Raubtier in meinen Haenden, das meine Gedanken fressen wollte. Ich holte tief Luft und senkte den Blick auf die aufgeschlagene Seite. Ein großer Fehler.                         Wuetend klappte ich das Buch zu und schmiss es quer durch das Zimmer gegen die Wand. Mit einem lauten Poltern schlug es auf dem Boden auf und rutschte ein Stueck hinter meine Kommode. Gut, aus den Augen, aus den Sinn. Ich soll Schuld an meinem Elend sein? Das waere ja noch schoener.  Zeit, heute Lievan   NEIN! Geh hin, hol es und lass dir helfen! NEIN! Der alptraumhafte Kampf in mir nahm kein Ende. Ich wusste, dass es dort in der Dunkelheit auf mich lauerte, mich verfuehren wollte, es zu lesen. Verdammt. Ich wollte, ich koennte es vergessen und aus meinem Verstand verbannen. Doch die Worte hatten mich bereits vergiftet. „…bist du selbst verantwortlich!“ Wie konnte Frau Beatrix so grausam sein und mir das antun? Sie musste doch wissen, dass mich diese Worte verletzten! Und dennoch gab sie mir dieses... Grauen in die Hand. Es wird mir gut tun, sagte sie. Bisher hat es mir Unheil gebracht und ein zerstoerrerisches Chaos in meiner Brust beschert. Die leise Stimme gegen das alles vernichtende Unheil. Es war bereits weit nach Mitternacht, die leeren Kaffeetassen stapelten sich auf dem Boden. Nein, das war gelogen. Die einzige Tasse, die ich besaß war mittlerweile fast schwarz vor eingetrocknetem alten Kaffee, der sich kaum noch anloeste, sobald die Tasse neu befuellt wurde. Wie ein Tiger lief ich auf den alten mondbeschienenen Dielen hin und her und starrte in die finstere Ecke. Der Baron schlief - zumindest tat er so. Er war genauso neugierig auf das verfluchte Buch, was sein zuckender Schwanz verriet. Auf einmal hob er den Kopf und funkelte mich mit seinen Smaragden Augen an, als ob er sagen wollte, „Herrgott noch mal! Hol es endlich und hoer auf hier Unruhe zu verbreiten!“ Wah! Mit einem wuetenden Laut der Frustration ging ich hin und griff hinter die Kommode in den Spalt. Ganz lang musste ich meine Finger strecken, an alten Spinnfaeden vorbei. War da etwas Pelziges? Egal, tiefer ... wo verdammt noch mal war es? Ich ertastete etwas Glattes, Schweres und endlich bekam ich es zu fassen und konnte es heraus ziehen. Vorsichtig strich ich ueber den Einband und bereute schon die Ecken und Beschaedigungen, bis ich innehielt und mich fragte, warum eigentlich? Es war ein verdammtes Buch! Und doch fuehlte es sich in meinen Haenden irgendwie lebendig an, alt und... weise? Mit klopfenden Herzen ging ich zurueck zu meinem Sofa und setzte mich wieder. Behutsam legte ich es dieses Mal in meinem Schoß und bereute erneut, es so schlecht behandelt zu haben. Irgend etwas Seltsames ging hier vor? Das Buch machte mich ganz wirr. Ich zuendete eine Kerze an, die stets am Boden bereitstand, und holte tief Luft. „Wenn du mir in irgend einer Weise gut tun willst Buch, dann hast du jetzt deine letzte Chance dazu.“  
























































































 Mit gemischten Gefuehlen schlage ich das Buch auf, zum zweiten Mal...
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Verantwortung
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Na also. Es geht doch.  Zeit, heute Lievan   Seit drei Tagen laß ich in dem Buch mit sehr beaengstigenden Gefuehlen. Ich habe heraus gefunden, es nicht der Seitenreihe nach lesen zu koennen, da es mich sehr wuetend machte. Wuetend, zu lesen, dass ich selbst schuld war an meinem Schicksal. Ich war also selbst schuld, arm geboren zu sein, wohingegen der Reiche ebenfalls selbst schuld hat, reich geboren zu sein! Das ist eine boese Behauptung und ungerecht. Es machte mich wütend, so etwas zu lesen, und wollte das Buch am liebsten erneut gegen die Wand werfen.  Wenn ich dann allerdings wahllos weiter blaetterte, erfuhr ich unterschiedliches, das mir auch gefiel. Das Ganze war aber nach wie vor sehr verwirrend fuer mich und ich war mir noch nicht sicher, ob Frau Beatrix wirklich gute Absichten hatte? Als ich das Buch heute Abend muede zur Hand nahm, sagte es mir, dass ich fuer meinen Reichtum selbst verantwortlich bin. Auch fuer mein Leben und die Macht habe, es zu aendern. Ich blaetterte zur Seite vom Vormittag zurueck, auf der ich ueber Schuld gelesen hatte. Seltsam, dort stand dieses Mal kein Wort mehr von Schuld, sondern ebenfalls das Wort Verantwortung? So langsam wurde mir das Buch noch unheimlicher. Laß ich die falschen Woerter oder veraenderte das Buch die Woerter in meiner Abwesenheit? Ich werde es weiter beobachten und genauer aufpassen. Heute Abend verkroch ich mich auf meinem Sofa, weil ich Frau Beatrix momentan nicht begegnen wollte. Ich habe keine Ahnung, was ich ihr Antworten sollte, wenn sie nach dem Buch fragte?    Zeit, heute Lievan   Ich habe heute beschlossen, ab sofort das Datum aufzuschreiben. Oder besser gesagt, meine innere Stimme hat das entschieden. Tagelang war es still in mir oder wuetend, der Laerm der Welt droehnte in meinen Ohren. Diese Stimme meinte, ich soll das Datum aufschreiben, wenn ich diese Zeilen festhalte - fuer wen auch immer. Die Nein-Stimme ist gerade stumm geworden, doch wie lange?  Bisher hatte ich meine Worte ueberflogen und kaum das Geschriebene gelesen. Ich konnte mit dem Buch des Lebens noch nicht so recht umgehen und schwankte zwischen Wut und Begeisterung. Heute schlug ich das Buch zum ersten Mal auf der ersten Seite auf, um das Vorwort zu lesen.   >Gewidmet allen, die ihr Leben veraendern wollen und mutig genug sind, in der Finsternis zu strahlen<lt;  Was das auch heißen sollte? Ich verstand jetzt zumindest, dass das Buch eine Art Lehrbuch ist, dass in Lektionen aufgebaut ist, eine jede Woche. Bei dem Wort krampfte sich mir der Magen zusammen, „Lehrbuch“. Wuerg. Hinsetzen und lernen, das hatte ich noch nie gemocht, nicht mal in der Jugendzuechtigung, wo sie Kinder unterrichteten und auf ihr Leben im Dunklen Reich vorbereiteten.  Ich drehte meinen Kopf und betrachtete Baron, meinen treuen Freund. Er stellte sich wieder Mal schlafend, derweil zuckte sein Schwanz und verriet ihn, wie ueblich. Fuer den Sekundenbruchteil blitzte eine Vision in meinem Geist auf, an einen laengst vergangenen Traum. Einen Traum, an dem ich mich bei Tage erinnern sollte, es aber noch nicht schaffte. Nachdenklich betrachtete ich das Buch. Dachte an das, was ich bisher gelesen hatte. An die Wahrheit, wie es dort hieß. Was habe ich denn zu verlieren?   



















 Zeit, 26.04.2039 Lievan
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