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SpielWelt - WebBook - Teil 1  Raf
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Es wird Zeit, diesen Ort zu verlassen und  zu den anderen zurueck zu kehren.
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Wie oft schon hatte „es“ in Deinem inneren Angst?
ICH LIEBE MICH!
AKNOM
   Ein seltsames Geraeusch schwingt durch die große Halle, ehe es abebbt und verstummt. Aengstlich drueckt sie sich in eine Nische. Den Ruecken fest gegen die Wand gepresst, haelt sie den Atem an und lauscht.  „Sorge immer dafuer, dass dein Ruecken geschuetzt ist!“     Die erste Lektion, die sie von Balsar gelernt hatte, als er heraus fand, wer sie war und dafuer sorgte, dass sie von ihm in seiner Einheit ausgebildet wurde. Zum wiederholten Mal fast sie an den Halfter an ihrer rechten Huefte, er weigert sich hartnaeckig, die Waffe zurueck zu zaubern, die dort fehlt. Wann hat sie ihre Waffe verloren? Sie weiß es nicht mehr, sie wuenscht sich im Moment nichts sehnlicher, als das schwere und praezise Metall, das nach den vielen Jahren nicht nur die Verlaengerung ihres Armes ist, sondern auch ihr Schutz.    Sie weiß, dass sie im Nahkampf eine der Besten in Balsars Einheit war und was ihr an Koeperkraft fehlt, macht sie mit ihrem Verstand und ihrer schlanken Wendigkeit wett. Das hier, dieses seltsame Geraeusch? Nicht zum ersten Mal wuenscht sich Raf, kein gewoehnlicher Swelom zu sein, sondern mehr. Angespannt verharrt sie und lauscht. Konzentriert, woher der Klang kommen kann, wo seine Quelle ist? Sind das Atemgeraeusche? Wieder schwingt das Geraeusch durch die Halle, seltsam, fremd und irgendwie verzerrt, doch dieses Mal wird es lauter und drohender.    Als es verstummt ist, wagt sie sich vorsichtig zur naechsten Deckung vor. Den Ruecken an die Wand gepresst, ihre Nerven angespannt und bereit? Was? Zuzuschlagen? Sich zu wehren? Oder zu fluechten?  „Wenn du keinen Ausweg mehr hast, renne. Lieber ein lebender Verlierer, der eine zweite Chance erhaelt, als ein toter Held, der niemanden mehr dienen kann!“     Das Militaer ist hart und brutal, der Kampf um die gewaltsame Eroberung der Welt grausam und toedlich. Balsar ist in erster Linie das Ueberleben seiner Leute wichtig. Anders, als den Arachniden. Sie sterben zu Hauf fuer …? Ja, fuer was eigentlich? Bei dem Gedanken an das furchtbare Volk aus dem Sueden beginnen ihre Haende zu zittern. Ein Bild huscht durch ihren Verstand von einem aufgeklappten Kiefer, der sich ganz langsam… Weiter kann sie den Satz nicht denken, als die Halle in einem lauten Gedroehne erzittert. Erschrocken macht sich sie sich ganz klein und haelt sich beide Haende an die Ohren.  „Wenn die Panik dich zu ersticken droht, atme tief ein und aus. Einfach weiter atmen, dann ueberlebst du.“     Sie haette nie gedacht, das sie eines Tages dankbar ist fuer all die sinnlosen Regeln, die Balsar ihr Tag fuer Tag hunderte Male auswendig vortragen lies. Wieder und wieder, bis sie vollkommen genervt war. Er blieb hart und hat sie alles weiter laut vorsagen lassen, unter Schmerzen und Schlaegen, wenn sie Fehler machte. Sie hat ihn gehasst, doch sie weiß auch, dass er sie nicht anders behandeln durfte, sonst haette er sie veraten.    Sie amtet tief und ruhig weiter und beruhigt sich. Das Geraesch verstummt nicht mehr, es schwillt eher an und ebbt dann ab, wie eine Art Kommunikation. Es scheint von ueberall zu kommen und sie kann einfach nicht lokalisieren, wo die Quelle ist? Wie sehr wuenscht sie sich jetzt Ohf herbei, den Faertenleser ihrer Truppe und der Einzige, der neben seiner außergewoehnlichen Kraft auch eine Faehigkeit besitzt – er findet die Quelle. Von jedem Geraeusch, jeder feindlichen Truppe, jeder Macht, er weiß immer, wer der staerkste Gegner ist und als erstes ausgeschaltet werden muss. Sie bewundert ihn dafuer, weil sie als Frau keinerlei Navigatorischen Faehigkeiten hat. Sie kann nicht mal hoeren, ob das Geraeusch von links oder rechts kommt, bis es verdammt nah ist. Zum Glueck bisher noch nie zu nah.    Raf weiß, dass sie keine Wahl hat. Balsar ist nicht hier, Ohf genauso wenig und sie kann heraus finden, wo es ist, was es ist und es ausschalten. Als die Geraeuschkulisse ein ertraegliches Maß angenommen hat nimmt sie ihre Haende von den Ohren und versucht eine etwas bequemere Haltung einzunehmen. Erst, als sie niemanden um sich herum entdecken kann, schließt sie die Augen und konzentriert sich auf das Geraeusch. Sie weiß, dass sie ein Risiko eingeht, sollte sich ihr jemand auf Zehenspitzen naehern, weiter verwirrt umher zu laufen und eine Zielscheibe abzugeben, erscheint ihr weniger sinnvoll.  	„Wenn du den Gegner nicht sehen kannst, bleib in einem sicheren Versteck und verhalte Dich ruhig. Er wird kommen, er wird dich finden und dann sei darauf vorbereitet und schalte ihn aus.“   Sie blendet alles aus und laesst sich voll und ganz auf den unruhigen Laerm ein, der inzwischen leicht melodisch erklingt, jedoch ziemlich schraeg und verzerrt. Ein langsames, dumpfes Geraeusch. Nein! Irgendwie ein langgezogener Klang, er klingt, als ob ein Musikstueck sehr, sehr langsam gespielt wird. Lauscht weiter in den Klang hinein, der sich beginnt, Stueck fuer Stueck vor ihr zu offenbaren und erschrickt. Sie reißt die Augen auf und blickt sich panisch um. Raf ist noch allein in ihrem Versteck. Hat da etwas gerade ihren Namen gerufen? Oder jemand? Sie schließt ihre Augen und laesst sich weiter hinein fallen in den verzerrten melodischen Klang. Bis sie merkt, wenn sie noch weiter in das Geraeusch eindringen will, muss sie vollkommen loslassen und die Sorge um ihren Koerper aufgeben, was ihr nicht gefaellt. Da, schon wieder, es klingt, als ob sie jemand ruft? Sie kehrt noch mal in ihre Umgebung zurueck, oeffnet die Augen und blickt sich in alle Richtungen um.    Raf fuehlt sich aehnlich, wie am ersten Tag ihrer Militaerausbildung. Ihr Herz schlug damals wild und flatterhaft in ihrer schmalen Brust, fast zu zierlich fuer einen Soldaten und alle riefen sie Wuermchen. Ein endloser Daueralptraum begann an diesem Tag in der staendigen Panik, entdeckt zu werden. Frauen waren nicht zugelassen in der Armee und alle, die es versucht hatten, kamen sofort ins Gefaengnis oder wurden an Ort und Stelle erschossen. Im Dunklen Reich mussten Frauen fuer Nachwuchs sorgen und so viele Kinder, wie moeglich gebaeren. Sie hatte weder eine Ahnung, woher dieser Geburtenwahn kam, noch große Lust, daran teil zu nehmen. Sie sah keinen anderen Ausweg mehr, als ihr eine große Chance im schlimmsten Augenblick geschenkt wurde. Raf wehrte sich, gegen die Moeglichkeit, hatte panisch Angst entdeckt zu werden und doch war da diese innere Stimme, die sie rief. Schließlich fasste sie vertrauen und folgte ihr. Sie begreift langsam, dass sie hier allein an diesem Ort ist und niemand kommen wird, um sie zu holen. Sie fuehlt sich aehnlich, wie damals und vertraut einfach. Sie schließt ihre Augen und laesst sich in den Schwingungen der Klaenge fallen.     Die verzerrten Toene werden klarer und deutlicher. Vor ihren Augen tauchen Bilder auf, Bilder von dem Daeler und einem hellen Licht. Jim, der verzweifelt von einem Riesen in die Hoehe gehoben wird und ihren Namen ruft. Der Schrei eines Kindes und ein glucksender Dealer, der es fortnimmt. Fremde Worte, die sie nicht kennt. „Dimar, Damalvar, Salamat …“ Und dann, nach einer schieren Ewigkeit, durchbricht die Stille ein grausames Geraesch, aengstlich, panisch und so ... vollkommen hilflos. Der Laut eines sterbenden Lebens. 	Schwer keuchend schreckt Raf aus ihrer Ohnmacht auf und zuckt zusammen, als ein Schmerz durch ihren Kopf jagt. Uebelkeit und Schwindel ueberfallen sie brutal und zwingen sie zurueck. Sie schluckt mehrmals, atmet tief durch den Mund und versucht, es abzuschuetteln.     „Nicht jetzt, kein guter Zeitpunkt.“ Sie hat das alles in Gedanken durchlebt, wird ihr langsam bewusst. Nach ein paar Augenblicken entspannt sich der Orkan in ihrem Kopf und sie wagt erneut, die Augen zu oeffnen, diesmal gefasst. Ihr ganzer Schaedel pulsiert und ihr ist noch ein wenig schwindelig, aber die Uebelkeit ist weg. Sie fasst sich an die Stirn und sammelt sich noch ein paar Momente. Der Schmerz entspringt ihrem Hinterkopf und als Raf ihn vorsichtig befuehlt, spuehrt sie eine wachsende Beule.    „Vermutlich ein Pickel, der sich wie der Sama Amon anfuehlt.“ Versucht sie sich selbst ein wenig zu beruhigen. Sie muss sich irgendwo den Kopf ... Und dann faellt ihr alles ein. Jim, der Dealer, die Arachniden, das Licht! Alarmiert ist sie sofort auf den Beinen und rutscht intuitiv nach rechts hinter ein Becken in Deckung und presst ihren Ruecken an die Wand. Ihre Haende zittern und sie schwitzt. Sie erwartet jeden Augenblick von Arroc gefressen zu werden, sein Kiefer der sich langsam ihrem Gesicht naehert ... Instinktiv schlaegt Raf die Arme um ihre angewinkelten Knie und schaukelt sich vor und zurueck. Atmet dabei tief und Stoßhaft weiter.    „Es ist niemand hier. Ich bin allein. Es ist niemand hier! Arroc ist fort, sonst haetten sie mich laengst...“, sie seufzt und schluckt schwer. Bricht den Gedanken mit Grauen ab. „Es ist niemand hier. Es ist niemand hier!“ Erst nach einer schieren Ewigkeit gelingt es ihr, die uebermaechtige Panik abschuetteln und beruhigt sich vorerst. Sie weiß, dass ihr dieser Moment noch sehr lange zu schaffen machen wird, das muss warten. Sie kann jetzt im Moment nicht ewig hier bleiben.    Raf oeffnet ihre Augen und sieht sich um. Irgend etwas hat sie geweckt? Ein Geraeusch? Ein Hilferuf? Jemand, der ihren Namen gerufen hat? Sie weiß es nicht mehr. Langsam loest sie ihre Umklammerung und steht vorsichtig auf. Ihre Knie zittern und geben fast unter ihr nach, entschlossen krallt sie sich an dem gebrochenen Becken ab und verharrt einen Moment. Die Uebelkeit meldet sich erneut zurueck und sie atmet stoßweise durch den Mund. Ein letzter Versuch, alles niederzuringen, es hilft nicht. Alles an Emotionen bricht aus Raf heraus. Mit einem Wehschrei gibt sie dem Druck der letzten Beshmi nach und uebergibt sich. Traenen rinnen aus ihren Augen, sie wuergt, bis nichts anderes mehr in ihr ist, als Leere und selbst dann wuergt sie ihre Angst und den Ekel weiter heraus, die Panik und das, was ihr fast widerfahren waere.     Nach einer weiteren Ewigkeit setzt sie sich erschoepft und keuchend einen Moment hin, die rechte Schlaefe an den kuehlen Beckenrand gelehnt, die Augen geschlossen. Sie goennt sich weitere Momente Ruhe und oeffnet die Augen. Langsam sieht sie sich um. Vorher war von Aknom außer Truemmern nicht mehr viel uebrig, der Rest wurde gepluendert. Jetzt ist es ein einziges Schlachtfeld der Zerstoerung. Die Waende eingefallen, die Decke an manchen Stellen eingestuerzt und ueberall liegt dieses seltsame klare Zeug rum? Der Raum ist viel dunkler, als sie ihn in Erinnerung hat, weil von oben kein Licht mehr durch den See herein dringt. Die Decke leuchtet in demselben blassen Roseton, wie der Rest. Einzige Ausnahme bilden die klaren Bruchstuecke, die sie nicht zuordnen kann. Raf greift sich einen Splitter am Boden neben sich, reibt den Staub an ihrer Hose ab und betrachtet ihn genauer.    Klar und durchsichtig, wie Laisviej. Nur leuchtet es nicht und es fuehlt sich so … tot an. Was ist hier passiert? Sie erinnert sich, dass Jim ihr zugerufen hat, die Augen zu schließen vor dem Licht. Dann sind sie zu dem Dealer an das Becken und … nichts mehr? Sie erinnert sich nicht, bis auf das Beben! Dann begreift sie endlich.    „Der Kristall ist explodiert!“ Raf setzt sich kerzengerade auf und ignoriert den stechenden Schmerz in ihrem Kopf. „Jim? JIM!!!“ Hektisch blickt sie sich um und sucht irgend ein Koerperteil, das verzweifelt aus den Truemmern greift oder zappelt. Das hat sie geweckt, das Luftschnappen eines sterbenden. Jemand, der dringend Hilfe braucht. 	„Und du dumme Pute musst ausgerechnet jetzt kotzen und seine kostbare Lebenszeit vertroedeln!“ Schallt sie sich. Wenn Jim deswegen stirbt, wird sie sich das niemals verzeihen. Sie sucht schneller und wuehlt wahllos in den Truemmern herum. Er kann nicht weit von ihr fort geschleudert worden sein.    „Jim? JIM! Hoerst du mich? Ich komme? Kannst du mir sagen, wo du bist? JIM!“ Sie blickt sich um und kann nirgendwo etwas entdecken. Dann endlich haelt sie inne und lauscht. Ihr bleibt nicht mehr viel Zeit ehe er erstickt. „Wo ist er, verdammt?“ Erneut versucht sie alles auszublenden und sich auf ein Japsen oder Keuchen zu konzentrieren. Ihr rasender Herzschlag in den Ohren und ihre aufkommende Angst sind dabei nicht gerade behilflich. Sie will schon wild drauf los suchen, da hoert sie es, das leise Japsen eines Sterbenden, der nach Luft fleht.    Zu ihrem erstaunen kommt das Geraeusch hinter ihr, genau aus dem Becken, wo der Dealer vor ihrer Bewusstlosigkeit stand. Waehrend sie aufspringt und auf das Becken zueilt blitzt das Bild in ihrem Kopf auf, wie der Kiefer von Arroc sich langsam ihrem Gesicht naehert. Raf stolpert einen Moment und faengt sich mit den Haenden am Beckenrand ab. Sie schuettelt den Kopf, verdraengt die Erinnerung. Schnell ruft sie sich das Bild des Dealers in Gedanken auf, wie er genau an diesem Becken stand mit etwas Leuchtendem in seiner Hand. Das Einzige, auf das sie sich fixiert hat, um vor der drohenden Gefahr des Arrachniden nicht wahnsinnig zu werden.    Raf holt tief Luft, ehe sie in das Becken schaut. Sie hat dort am Boden alles erwartet. Jim gefoltert und geschlagen, ein toter roechelnder Arroc, dem sie den Rest geben kann aus Rache, einen bewusstlosen Dealer, der ihr ausgeliefert ist. Niemals das, was jetzt in dem Becken auf sie gewartet hat. Niemals. Sie zoegert keine Sekunde laenger und greift zu. In dem Becken liegt ein viel zu kleiner und blau angelaufener Saeugling, der unter einer durchsichtigen Membran eingeklemmt ist und kaum Luft bekommt. Sein kleines Muendchen oeffnet und schließt sich hektisch, wie ein Fisch auf den Trockenen. Er kann nicht atmen, weil die Membran sich ueber seinen Mund geschoben hat und ihn zu ersticken droht. Raf befreit das kleine Buendel sofort. Kontrolliert den Mundraun. Hofft, dass er atmen kann. Nichts, der Kleine japst nach Luft und wird zu ihrem Schrecken blasser.    „Verdammt, er wird mir unter den Haenden weg sterben, wenn ich nichts tue!“ Was soll sie tun bei einem Baby? Sie weiß, dass niemand hier ist, der ihr helfen kann und dennoch schaut sie sich verzweifelt nach Hilfe um. Aber sie ist allein in der Halle. Zum ersten Mal verflucht sich Raf, dass sie so gar keine Ahnung von Babies hat.    „Zum Viejenver! Wie haette ich ahnen koennen, dass Saeuglinge retten zur Soldatenaufgabe gehoert?“ In ihrer Verzweiflung tut sie das Einzige, was ihr einfaellt. Sie hebt den kleinen Kerl hoch, legt ihn sich auf den Arm, dass der Kopf nach unten schaut und klopft ihm auf den Ruecken. Erst zaghaft, dann kraeftiger und betet instaendig, dass sie ihm keine Knochen bricht. Er ist viel zu klein, um ueberhaupt zu leben und woher kommt er ueberhaupt? Hier war keine schwangere Frau? Raf laesst alle Stoßgebete ueber ihre Lippen fahren, die sie kennt und endlich, das Wunder geschieht. Der Saeugling hustet, spuckt etwas Schleimiges aus und atmet gierig die Luft ein. Zu seinem Uebel verschluckt er sich nochmal ehe er glucksend weiter atmet. Sie drueckt ihn an sich und haelt ihn einfach fest, bis er langsamer und ruhiger atmet.    „Warum schreit er nicht? Ist das normal?“ Raf ueberlegt. Neugeborene schreiben eigentlich, der kleine Kerl hier nicht? Er atmet und schreit nicht! Ist eiskalt. Sie hat keine Ahnung, wie lange er in dem Steinbecken gelegen ist, in dem kalten und schmutzigen Brackwasser am Boden. Wenn sie nicht aufgewacht waere, dann haette er keine Chance gehabt. Raf legt ihn behutsam ab, knoeft ihre Jacke auf, um ihn an ihrem Koerper zu waermen. Ihr Blick faellt dabei auf seinen rechten Fuß und ihr Herz erstarrt. Eigentlich muesste der Kleine vor Schmerzen bruellen und sie vermutet, dass er nicht sprechen kann oder vielleicht sogar stumm ist. Oder hat keine Stimmebaender ausgebildet?    Sein Fuß ist zerquescht und eine einzige blutende Masse. Doch er ist ganz still, atmet hektisch und zittert. Raf sieht sich nach irgend etwas um, was sie als Verband nehmen kann. Alles in ihrer Naehe ist schmutzig oder nicht geeignet. Sie betrachet die Membran, eine wabbelige durchsichtige Masse. Wenn sie es nicht besser wuesste bei der Groeße eines Zeltes, wuerde sie auf eine Fruchtblase tippen, was unmoelgich ist. Dennoch ist das durchsichtige Zeug das Einzige, was am geeignetsten ist. Sie nimmt ihr Messer und schneidet einen Streifen ab, den sie dem Kleinen um den zerquetschten Fuß wickelt.        Dann legt sie ihn behutsam an ihre Brust und knoepft die Jacke zu. Sie muss hier raus und schnellstmoeglich Hilfe fuer den Kleinen holen – falls es hier ueberhaupt noch Hilfe gibt. Kurz vor dem durchgang zum Flur huscht ihr Blick erneut durch den Raum. Fluechtig, um sich zu vergewissern, ob Jim hier irgendwo ist. Entweder ist er unter den Truemmern begraben oder beim Dealer. Sie will nicht daran denken und konzentriert sich auf Ihre Aufgabe, aus Aknom heraus zu kommen. Auf dem Gang vor der Halle ist die Zerstoerung noch Groeßer. Vor ihr liegt ein Truemmerberg des toten Glases, der bis an die Decke reicht und ihr jedes durchkommen versperrt    „Na, großartig. Wenn das Unheil kommt, dann kommt es richtig.“ Murmelt Raf vor sich hin und sucht weiter einen Ausgang. Navigieren liegt ihr nicht und wenn sie den Gang so betrachtet hat sie keine Ahnung, in welche Richtung sie gehen muss und welcher Weg hinaus fuehrt aus Aknom. Unentschlossen betrachtet sie den Glasberg, als ob er ihr Antworten zufluestert.    „Hallo? Ist hier jemand? Hey?“ Versucht sie es und lauscht. Stille. Sie hat nicht wirklich eine Antwort erwartet, mehr auf ein Wunder gehofft. Seufzend dreht sie sich um und ueberlegt, versucht sich zu erinnern, aus welche Richtung sie mit Jim gekommen ist? Bis sie erkennt, dass es vollkommen egal ist. Der Weg ist in alle Richtungen verschuettet. Sie muss sich ihren eigenen bahnen. Sorgenvoll kontrolliert sie den Saeugling, der noch keine natuerliche Faerbung annimmt. Sie weiß nicht, ob er stirbt oder schlaeft. 	„Verdammt, ich hab doch nicht ahnen koennen, dass mir mal ein Kind begegnet!“ Mit einem flauem Gefuehl geht Raf einfach auf gut Glueck nach links los, in den weniger zerstoerten Flurbereich. Ihr faellt ein, dass sie mit Jim durch ein paar Bewegungspunkte gegangen ist. Als sie an ein paar stellen die Waende beruehrt, ist dort harter und massiver Stein.    „Ist hier jemand? Ueberlebende?“ Sie versucht es weiter mit rufen. Kein Leben begegnet ihr, wie sie den daemmrigen Gang weiter folgt. Sie sieht zum Glueck auch keine Leichen. Ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist, weiß sie noch nicht? In ein paar Raeume hat sie einen Blick geworfen, das Bild ist ueberall das Gleiche. Zerstoerung und unzaehlige Splitter dieses Glases auf dem boden verteilt. Es knirscht ununterbrochen unter ihren Fueßen und sollte ihr irgend ein Feind auflauern, hat er sie sowieso laengst entdeckt. Raf bekommt langsam angst , weil sie bis jetzt scheinbar die Einzige ist, die am Leben ist - abgesehen von den halbtoten Saeugling. Es muss hier einfach noch ein paar Ueberlebende Geben. Es muss. Der Gang macht vor ihr eine Biegung. Raf hat gar nicht mehr mit einem Menschen gerechnet, dass sie eine Gefahr voellig unterschaetzt hat, was ihr jetzt zum Verhaengnis wird. Am Ende des Gangens bleibt sie erschrocken stehen. Wieder befindet sie sich in einer Situation, in der sie sich sehnlichst ihre Waffe herbeiwuenscht, denn das hier koennte sehr boese enden.     Vor ihr steht eine ausgewachsene Alasloewin. So groß, dass sie Raf fast auf Augenhoehe begegnet. Langsam und vorsichtig weicht Raf vor der Loewin zurueck. Sie weiß nicht wieso, sie hofft ploetzlich, dass der Saeugling wirklich stumm ist, denn sonst war es das fuer sie beide. Sie bemerkt sie die blinden grauen Augen des Tieres, die gefasst in ihre Richtung blicken. Die Loewin sieht sie nicht, mit Sicherheit kann sie wittern, denn ihre Schnauze zuckt. Du tust das Richtige mit dem Nachwuchs.     Raf erstarrt, ihre Nackenhaare stellen sich auf. Nur mit Muehe unterdrueckt sie den Impuls, nach dem Saeugling in ihrer Jacke zu sehen. Das kann nicht wahr sein? „Du kannst sprechen?“ Fragt sie vorsichtig.  Nein, ich kommuniziere mit deinem Geist. Meine Laute wuerdest du nicht verstehen.  Raf waegt ab, ob die Loewin ihr wohl gesonnen ist oder eine Gefahr. Sie hat von sprechenden Tieren gehoert. Sie hat keine Ahnung, ob sie deswegen weniger gefaehrlich sind. Die Antwort auf ihre Frage folgt sofort.  Du kannst beruhigt sein. Wir teilen ein Schicksal und dein Tod nuetzt niemanden.  Sie hoert die Worte und fuehlt sich jetzt nicht wirklich wohler. Im Gegenteil, Schicksal und Tod klingen nicht sehr gut. Weiter kann sie ihrem Gedankengang nicht folgen, weil die Loewin spricht. Er braucht deine Hilfe.  Einen Moment keimt Hoffnung in ihr auf bei den Worten. „Wer? Jim?“  Nein. Der, den ihr Inghros nennt. Er hat uns alle gerettet und einen hohen Preis dafuer gezahlt.  Raf ist einen Moment enttaeuscht. Dann faellt ihr ein, was Jim ueber ihn gesagt hat und atmet erleichtert auf. „Eileb? Der Heiler? Wo, wo ist er?“  Es gibt keinen Heiler mehr.  Antwortet die Loewin ruhig und dreht sich langsam um.  Und es gibt kein Aknom mehr. Wir alle sind hier gefangen, Raffaelena. Gefangene vom Dealer.  Mit den Worten gibt sie der entsetzten Raf Zeit, endgueltig in sich zusammen zu brechen, waehrend der Saeugling an ihrer Brust mit seinem ersten Schrei das Leben begrueßt, in einem Steinkerker.
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Teil 1 des WebBooks neigt sich dem Ende.    Wenn es Dir gefallen hat, dann schreib uns eine Rezension und zeig deinen Freunden die SpielWelt.   Wenn Du wissen willst, wie das phantastische Abenteuer weiter geht, dann Sei gespannt auf Teil 2.
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