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SpielWelt - WebBook - Teil 1  Raf
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Es wird Zeit, diesen Ort wieder zu verlassen und zu den anderen zurueck zu kehren.
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Wie oft schon hatte „es“ in Deinem inneren Angst?
ICH LIEBE MICH!
AKNOM
    Ein seltsames Geraeusch schwingt durch die große Halle, ehe es abebbt und verstummt. Aengstlich drueckt sie sich in eine Niesche, den Ruecken fest gegen die Wand gepresst, haelt den Atmen an und lauscht.     „Sorge immer dafuer, dass Dein Ruecken geschuetzt ist!“  Die erste Lektion, die sie von Balsar gelernt hatte, als er heraus fand, wer sie war und dafuer sorgte, dass sie von ihm in seiner Einheit ausgebildet wurde. Zum wiederholten Mal fast sie an den Holfter an ihrer rechten Huefte, aber er weigert sich hartnaeckig, die Waffe zurueck zu zaubern, die dort fehlt. Wann hat sie ihre Waffe verloren? Sie weiß es nicht mehr, aber sie wuenscht sich im Moment nichts sehnlicher, als das schwere und praeziese Metall, das nach den vielen Jahren nicht nur die Verlaengerung ihres Armes ist, sondern auch ihr Schutz.     Sie weiß, dass sie im Nahkampf eine der Besten in Balsars Einheit war, und was ihr an Koeperkraft fehlt, macht sie mit ihrem Verstand und ihrer schlanken Wendigkeit wett. Doch das hier ... dieses seltsame Geraeusch? Nicht zum ersten Mal wuenscht sich Raf, kein gewoehnlicher Swelom zu sein, sondern mehr. Angespannt verharrt sie und lauscht, konzentriert, woher der Klang kommen kann, seine Quelle? Sind das Atemgeraeusche? Wieder schwingt das Geraeusch durch die Halle, seltsam, fremd und irgendwie verzerrt, doch dieses Mal wird es lauter und drohender. Als es verstummt, wagt sie sich vorsichtig zur naechsten Deckung vor, den Ruecken immer an die Wand gepresst, ihre Nerven angespannt und bereit, sofort ... ? Was? Zuzuschlagen? Sich zu wehren? Oder zu fluechten?  „Wenn Du keinen Ausweg mehr hast, renn. Lieber ein lebender Verlierer, der eine Zweite Chance erhaelt, als ein Toter Held, der niemanden mehr dienen kann!“  Das Militaer ist hart und brutal, der Kampf um die gewaltsame Eroberung der Welt grausam und toedlich. Doch Balsar ist in erster Linie das Ueberleben seiner Leute wichtig, anders, als den Arachniden. Sie sterben zu Hauf fuer ...?  Bei dem Gedanken an das furchtbare Volk aus dem Sueden beginnen ihre Haende zu zittern, ein Bild huscht durch ihren Verstand von einem aufgeklappten Kiefer, der sich ganz langsam ...  ... und dann erzittert die Halle in einem lauten Gedroehne. Erschrocken macht sich sie sich ganz klein und haelt sich beide Haende an die Ohren.   „Wenn die Panik dich zu ersticken droht, atme, tief ein und aus, einfach weiter atmen, dann ueberlebst Du.“     Sie haette nie gedacht, das sie eines Tages dankbar waere fuer all die sinnlosen Regeln, die Balsar ihr Tag fuer Tag hunderte Male auswendig vortragen lies. Wieder und wieder, bis sie vollkommen genervt war. Doch er blieb hart und hat sie alles immer weiter sagen lassen, unter Schmerzen und Schlaegen, wenn sie Fehler machte. Sie hat ihn gehasst, doch sie weiß auch, dass er sie nicht anders behandeln durfte, sonst haette er sie veraten. Sie amtet tief und ruhig weiter und beruhigt sich. Das Geraesch verstummt nicht mehr, es schwillt an und ebbt ab, wie eine Art Kommunikation. Es schien von ueberall zu kommen und sie kann es einfach nicht lokalisieren, wo die Quelle ist? Wie sehr wuenscht sie sich jetzt Ohf herbei, den Faertenleser ihrer Truppe und der einzige, der neben seiner außergewoehnlichen Kraft auch eine Faehigkeit besitzt - er findet die Quelle immer. Von jedem Geraeusch, jeder feindlichen Rruppe, jeder Macht, er weiß immer, wer der staerkste Gegner ist und als erstes ausgeschaltet werden muss. Sie bewundert ihn dafuer, weil sie als Frau keinerlei Navigatorischen Faehigkeiten hat. Sie kann nicht mal hoeren, ob das Geraeusch von links oder rechts kommt, bis es verdammt nah ist. Zum Glueck bisher noch nie zu nah.     Sie weiß, dass sie keine Wahl hat. Balsar ist nicht hier, Ohf genauso wenig und nur sie kann heraus finden, wo es ist, was es ist und ausschalten. Als die Geraeuschkulisse ein ertraegliches Maß angenommen hat nimmt sie ihre Haende von den Ohren, versucht eine etwas bequemere Haltung einzunehmen. Erst, als sie niemanden um sich entdecken kann, schließt sie die Augen und konzentriert sich auf das Geraeusch. Sie weiß, dass sie ein Risiko eingeht, sollte sich ihr jemand naehern, aber weiter verwirrt umher zu laufen und eine Zielscheibe abzugeben, erscheint ihr weniger sinnvoll.  „Wenn Du den Gegner nicht sehen kannst, bleib in einem sicheren Versteck und verhalte Dich ruhig. Er wird kommen, er wird dich finden und dann sei darauf vorbereitet und schalte ihn aus.“     Sie blendet alles aus und laesst sich voll und ganz auf den unruhigen Laut ein, der inzwischen leicht melodisch erklingt, jedoch ziemlich schraeg und fast schon verzerrt. Ein langsames, dumpfes und ...  ... Nein! Irgendwie ein langezogens Geraeusch, das ertoent, wenn ein Musikstueck sehr, sehr langsam gespielt wird.     Sie lauscht weiter in den Klang hinein, der sich beginnt, Stueck fuer Stueck vor ihre zu offenbahren und erschrickt. Sie reißt die Augen auf und blickt sich um. Sie ist immer noch allein in ihrem Versteck. Hat da etwas gerade ihren Namen gerufen? Oder jemand? Sie schließt ihre Augen und laesst sich weiter hinein fallen in den Klang, das verzerrt melodische, immer tiefer, bis sie merkt, wenn sie tiefer in das Geraeusch eindringen will, muss sie vollkommen loslassen und die Sorge um ihren Koerper aufgeben, was ihr nicht gefaellt. Da, schon wieder, es klingt, als ob sie jemand ruft? Sie kehrt noch mal in ihre Umgebung zurueck, oeffnet die Augen.    Sie fuehlt sich aehnlich, wie am ersten Tag ihrer Militaeraisbildung. Ihr Herz schlug damals wild und flatterhaft in ihrer schmalen Brust, fast zu zierlich fuer einen Soldaten und alle riefen sie nur Wuermchen. Ein endloser Daueralptraum begann an diesem Tag in der staendigen Panik, entdeckt zu werden. Frauen waren nicht zugelassen in der Armee und alle, die es versucht hatten, kamen sofort ins Gefaengnis, oder wurden an Ort und Stelle erschossen. Im Reich mussten Frauen fuer Nachwuchs sorgen und so viele Kinder, wie moeglich gebaeren. Sie hatte weder eine eine Ahnung, woher dieser Geburtenwahn kam, noch große Lust, daran teil zu nehmen. Sie sah schon keinen anderen Ausweg mehr als, ihr eine große Chance im schlimmsten Augenblick geschenkt wurde. Sie wehrte sich, gegen die Moeglichkeit, hatte panisch Angst entdeckt zu werden und doch war da diese innere Stimme, die sie rief und sie folgte ihr schließlich ... .    Sie begreift langsam, dass sie hier allein an diesem Ort ist und niemand kommen wird, um sie zu holen. Sie laesst los, schließt die Augen und laesst sich in den Schwingungen der Klaenge fallen. Die verzerrten Toene werden klarer und immer deutlicher. Vor ihren Augen tauchen Bilder auf, Bilder von Jim, dem Daeler und einem hellen Licht. Jim, der verzweifelt von einem Riesen in die Hoehe gehoben wird und immer wieder ihren Namen ruft, der Schrei eines Kindes und ein glucksender Dealer, der es fortnommt. Fremde Worte, die sie nicht kennt ... Dimar, Damalvar, Salamat ... . nichts mehr. Und dann, nach einer schieren Ewigkeit durchbricht die Stille ein grausames Geraesch, aengstlich, panisch und so ... vollkommen hilflos. Der Laut eines Sterbenden Lebens ... .    Schwer keuchend schreckt Raf aus ihrer Ohnmacht auf und zuckt zusammen, als ein Schmerz durch ihren Kopf jagd. Uebelkeit und Schwindel ueberfallen sie brutal und zwingen sie zurueck. Sie schluckt mehrmals, atmet tief durch den Mund und versucht, es abzuschuetteln.     „Nicht jetzt, kein guter Zeitpunkt.“     Nach ein paar Augenblicken entspannt sich der Orkan in ihrem Kopf und sie wagt erneut, die Augen zu oeffnen, diesmal gefasst. Ihr ganzer Kopf scheint zu pulsieren und ihr ist noch ein wenig schwindelig, aber die Uebelkeit ist weg. Sie fasst sich an die Stirn und sammelt sich noch ein paar Momente. Der Schmerz entspringt ihrem Hinterkopf und als Raf ihn vorsichtig befuehlt, merkt sie eine wachsende Beule.    „Vermutlich nur ein Pickel, der sich wie der Sama Amon anfuehlt.“ Versucht sie sich selbst ein wenig zu beruhigen. Sie muss sich irgendwo den Kopf ... und dann faellt ihr alles wieder ein. Jim, der Dealer, die Arachniden, das Licht ... !     Alarmiert ist sie sofort auf den Beinen und rutscht intuitiv nach rechts hinter ein Becken in Deckung und presst ihren Ruecken an die Wand. Ihre Haende zittern und sie schwitzt. Sie erwartet jeden Augenblick von Arroc gefressen zu werden, sein Kiefer der langsam ihrem Gesicht ... Instinktiv schlaegt Raf die Arme um ihre angewinkelten Knie und schaukelt sich vor und zurueck. Atmet dabei tief und stoßhaft weiter.     „Es ist niemand hier. Ich bin allein. Es ist niemand hier, Arroc ist fort, sonst haetten sie mich schon laengst ... Es ist niemand hier.“     Erst nach einer schieren Ewigkeit gelingt es ihr, die uebermaechtige Panik abschuetteln und beruhigt sich - vorerst. Sie weiß, dass dieser Moment ihr noch sehr lange zu schaffen machen wird, aber das muss warten. Sie kann jetzt im Moment nicht ewig hier bleiben.  Raf oeffnet ihre Augen und sieht sich um. Irgend etwas hat sie geweckt? Ein Geraeusch? Ein Hilferuf? Jemand, der ihren Namen gerufen hat? Sie weiß es nicht mehr. Langsam loest sie ihre Umklammerung und steht vorsichtig auf. Ihre Knie zittern und geben fast unter ihr nach, entschlossen krallt sie sich an dem gebrochenen Becken ab und verharrt einen Moment. Die Uebelkeit meldet sich erneut in ihrem Inneren und sie atmet stoßweise durch den Mund. Ein letzter Versuch, alles niederzuringen, doch es hilft nicht - alles an Emotionen bricht aus Raf herauf. Mit einem wehschrei gibt sie dem Druck der letzten Beshmi nach und uebergibt sich. Traenen rinnen aus ihren Augen, sie wuergt, bis nichts anderes mehr in ihr ist, als Leere und selbst dann wuergt sie ihre Angst und den Ekel weiter heraus, die Panik und das, was ihr fast widerfahren waere.    Nach einer weiteren Ewigkeit setzt sie sich erschoepft und keuchend einen Moment hin, die rechte Schlaefe an den kuehlen Beckenrand gelehnt, die Augen geschlossen. Sie goennt sich weitere Momente Ruhe und oeffnet die Augen. Langsam sieht sich um. Vorher schon war von Aknom außer Truemmern nicht mehr fiel uebrig, der Rest  wurde gepluendert, aber jetzt ist es ein einziges Schlachtfeld der Zerstoerung. Die Waende eingefallen, die Decke an manchen Stellen eingestuerzt und ueberall liegt dieses seltsame klare Zeug rum? Der Raum ist viel dunkler, als sie ihn in Erinnerung hat, weil von oben kein Licht mehr durch den See herein dringt. Die Decke leuchtet genauso nur in einem blassen Roseton, wie der Rest. Einzige Ausnahme bilden die klaren Bruchstuecke, die sie nicht zuordnen kann. Raf greift sich einen Splitter am Boden neben ihr, reibt den Staub an ihrer Hose ab und betrachtet ihn genauer.     Klar und durchsichtig, wie Laisviej. Nur leuchtet es nicht und es fuehlt sich so ... tot an. Was ist hier nur passiert? Sie erinnert sich, dass Jim ihr zugerufen hat, die Augen zu schließen, vor dem Licht. Dann sind sie zu dem Dealer an das Becken und ... Nichts mehr? Sie erinnert sich nicht ... bis auf das Beben ... ? Dann begreift sie endlich.     „Der Kristall ist explodiert!“ Raf setzt sich kerzengerade auf und ignoriert den stechenden Schmerz in ihren Kopf.    „Jim? JIM!!!“ Hektisch blickt sie sich um und sucht irgend ein Koerperteil, das verzweifelt aus den Truemmern greift oder zappelt. Das hat sie geweckt, das Luft- schnappen eines sterbenden. Jemand, der dringend Hilfe braucht.     „Und Du dumme Pute musst ausgerechnet jetzt kotzen und SEINE Lebenszeit vertroedeln!“ Schallt sie sich. Wenn Jim deswegen stirbt, wird sie sich das niemals verzeihen. Sie sucht immer schneller und wuehlt wahllos in den Truemmern. Er kann nicht weit von ihr fort geschleudert worden sein.     „Jim? JIM, hoerst Du mich? Ich komme? Kannst Du mir sagen, wo Du bist? JIM!“    Sie blickt sich um, aber nirgendwo kann sie etwas entdecken. Dann endlich haelt sie inne und lauscht. Ihr bleibt nicht mehr viel Zeit, ehe er erstickt. Wo ist er, verdammt? Wieder versucht sie alles auszublenden und sich auf ein Japsen oder Keuchen zu konzen- trieren. Ihr rasender Herzschlag in den Ohren und ihre aufkommende Angst sind dabei nicht gerade behilflich. Sie will schon wieder wild drauf los suchen, da hoert sie es, das leise jaspen eines Sterbenden, der nach Luft fleht.     Zu ihrem erstaunen kommt das Geraeusch hinter ihr, genau aus dem Becken, wo der Dealer vor ihrer Bewusstlosigkeit stand. Waehrend sie aufspringt und auf das Becken zueilt blitzt wieder das Bild in ihrem Kopf auf, wie der Kiefer von Arroc sich langsam ihrem Gesicht naehert. Raf stolpert einen Moment und faengt sich mit den Haenden am Beckenrand ab. Sie schuettelt den Kopf, verdraengt die Erinnerung. Schnell ruft sie sich das Bild des Dealers in Gedanken auf, wie er genau an diesem Becken stand, mit etwas leuchtenden in seiner Hand. Das Einzige, auf das sie sich fixiert hat, um vor der drohenden Gefahr des Arrachniden nicht wahnsinnig zu werden.  Raf holt tief Luft, ehe sie in das Becken schaut. Sie hat dort am Boden alles erwartet. Jim gefoltert und geschlagen, ein Toter roechelnder Arroc, dem sie den Rest geben kann aus Rache, einen bewusstlosen Dealer, der ihr ausgeliefert ist, aber niemals das, was jetzt in dem Becken auf sie gewartet hat. Niemals. Sie zoegert keine Sekunde laenger und greift zu.    In dem Becken liegt ein viel zu kleiner und fast schon blau angelaufener Saeugling, der unter einer durchsichtigen Membran eingeklemmt ist und kaum Luft bekommt. Sein kleines Muendchen oeffnet und schließt sich hektisch, wie ein Fisch auf den Trockenen, aber er kann nicht atmen, weil die Membran sich ueber seinen Mund geschoben hab und ihn zu ersticken droht. Raf befreit das kleine Buendel sofort. Kontrolliert den Mundraun. Hofft, dass er atmen kann. Nichts, der Kleine japst immer noch nach Luft und wird zu ihrem Schrecken immer blasser.     „Verdammt, er wird mir unter den Haenden weg sterben, wenn ich nichts tue!“ Aber was soll sie tun, bei einem Baby? Sie weiß, dass niemand hier ist, der ihr helfen kann und dennoch schaut sie sich fast schon verzweifelt nach Hilfe um, aber sie ist allein in der Halle. Zum ersten Mal verflucht sich Raf, dass sie so gar keine Ahnung von Babies hat.     „Zum Viejenver! Wie haette ich ahnen koennen, das Babies retten zur Soldatenaufgabe gehoert?“ In ihrer Verzweiflung tut sie das Einzige, was ihr einfaellt, sie hebt den Kleinen Kerl hoch, legt ihn sich auf den Arm, dass der Kopf nach unten schaut und klopf ihm auf den Ruecken. Erst zaghaft, dann kraeftiger und betet instaendig, dass sie ihm keine Knochen bricht. Er ist viel zu klein, um ueberhaupt zu leben und woher kommt er ueberhaupt? Hier war keine schwangere Frau?     Raf laesst alle Stoßgebete ueber ihre Lippen saußen, die sie kennt und endlich - das Wunder geschieht. Der Saeugling hustet, spuckt etwas schleimiges aus und atmet gierig die Luft ein. Zu seinem Uebel verschluckt er sich nochmal ehe er glucksend weiter atmet. Sie drueckt ihn an sich und haelt ihn einfach nur fest, bis er langsamer und ruhiger atmet.     „Warum schreit er nicht? Ist das normal?“ Raf ueberlegt. Neugeborene schreiben eigentlich, aber der kleine Kerl hier ...? Er atmet, aber er schreit nicht! Und ist eiskalt. Sie hat keine Ahnung, wie lange er schon in dem Steinbecken gelegen hat, in dem kalten und schmutzigen Brackwasser am Boden. Aber wenn sie nicht aufgewacht waere, dann haette er keine Chance gehabt. Raf legt ihn behutsam ab, knoeft ihre Jacke auf, um ihn an ihrem Koerper zu waermen. Ihr Blick faellt dabei auf seinen rechten Fuß und ihr Herz erstarrt. Eigentlich muesste der Kleine vor Schmerzen bruellen und sie vermutet langsam, dass er nicht sprechen kann oder vielleicht sogar stumm ist? Oder hat keine Stimmebaender ausgebildet?     Sein Fuß ist zerquescht und eine einzige blutende Masse, doch er ist ganz still, atmet nur hektisch und zittert. Raf sieht sich nach irgend etwas um, was sie als Verband nehmen kann, aber alles ist schmutzig oder nicht geeignet. Sie betrachet die Membran, eine wabbelige durchsichitge Masse. Wenn sie es nicht besser wuesste bei der Zeltgroeße, wuerde sie auf eine Fruchtblase tippen. Aber solche Riesen gibt es hier nicht. Dennoch ist das durchsichtige Zeug das einzige, was am geeignesten ist. Sie nimmt ihr Messer und schneidet einen Streifen ab, den sie dem Kleinen um den zerquetschten Fuß wickelt. Dann legt sie ihn behutsam an ihre Brust und knoepft die Jacke wieder zu. Sie muss hier raus und schnellstmoeglich Hilfe fuer den Kleinen holen - falls es hier ueberhaupt noch Hilfe gibt. Kurz vor dem Durchgang zum Flur huscht ihr Blick erneut durch den Raum, aber sie glaubt nicht mehr, dass Jim hier irgendwo ist. Und wenn, dann ist er unter den Truemmern begraben - oder beim Dealer.    Auf dem Gang vor der Halle ist die Zerstoerung noch Groeßer. Vor ihr liegt ein Truemmerberg des toten Glases, der bis an die Decke reicht und ihr jedes Durchkommen ersperrt.    „Na, großartig. Wenns kommt, dann kommt es richtig.“ Murmelt Raf vor sich hin und sucht weiter einen Ausgang. Navigieren liegt ihr nicht und wenn sie den Gang so betrachtet hat sie keine Ahnung, in welche Richtung sie gehen muss und welcher Weg hinaus fuehrt aus Aknom. Unentschlossen betrachtet sie den Glasberg, als ob er ihr Antworten zufluestert.     „Hallo? Ist hier jemand? Hey?“ Stille. Sie hat nicht wirklich eine Antwort erwartet, aber gehofft. Seufzend dreht sie sich um und ueberlegt, versucht sich zu erinnern, aus welche Richtung sie mit Jim gekommen war? Bis sie erkennt, dass es vollkommen egal ist, sie muss sich ihren eigenen Weg bahnen. Sorgenvoll kontrolliert sie den Saeugling, der langsam immer stiller und ruhiger wird. Sie weiß nicht, ob er stirbt, oder ob er schlaeft. „Verdammt, ich hab doch nicht ahnen koennen, dass mir mal ein Kind begegnet!“ Mit einem flauem Gefuehl geht Raf einfach auf gut Glueck nach links los, in den weniger zerstoerten Flurbereich. Ihr faellt ein, dass sie mit Jim durch ein paar Bewegungspunkte gegangen ist, aber als sie an ein paar stellen die Waende beruehrt, ist nur harter und massiver Stein.     „Ist hier jemand? Ueberlebende?“   Immer wieder versucht sie es mit Rufen, aber kein Leben begegnet ihr, wie sie den daemmrigen Gang weiter folgt. Sie sieht zum Glueck auch keine Leichen. Ob das jetzt ein gutes oder schlechtes Zeichen ist, weiß sie noch nicht? In ein paar Raeume hat sie einen Blick geworfen, aber das Bild ist ueberall das gleiche - Zerstoerung und unzaehlige Splitter dieses Glases. Es knirscht unter ihren Fueßen und sollte ihr irgend ein Feind auflauern, hat er sie sowieso schon laengst entdeckt. Raf wird langsam unwohl, weil sie bis jetzt scheinbar die Einzige ist, abgesehen von den halbtoten Saeugling, die am Leben ist. Aber es muss hier einfach noch ein paar Ueberlebende Geben.    Der Gang macht vor ihr eine Biegung. Raf hat schon gar nicht mehr mit jemanden gerechnet, dass sie eine Gefahr voellig unterschaetzt hat. Am Ende des Gangens bleibt sie erschrocken stehen. Wieder befindet sie sich in einer Situation, wo sie sich sehnlichst ihre Waffe herbeiwuenscht, denn das hier koennte sehr boese enden. Vor ihr steht eine ausgewachsene Alasloewin, so groß, dass sie Raf fast auf Augenhoehe begegnet. Langsam und vorsichtig weicht Raf vor der Loewin zurueck. Sie weiß nicht wieso, aber sie hofft ploetzlich, dass der Saeugling wirklich stumm ist, denn sonst war es das fuer sie beide. Dann erst bemerkt sie die blinden grauen Augen des Tieres, die gefasst in ihre Richtung blicken. Die Loewin sieht sie nicht, aber mit Sicherheit kann sie wittern, denn ihre Schnauze zuckt.  "Du tust das Richtige mit dem Nachwuchs."      Raf erstarrt, ihre Nackenhaare stellen sich auf. Nur mit Muehe unterdrueckt sie den Impuls, nach dem Saeugling in ihrer Jacke zu sehen. Das kann nicht wahr sein? "Du kannst sprechen?" Fragt sie vorsichtig.  "Nein, ich kommuniziere mit deinem Geist. Meine Laute wuerdest Du nicht verstehen."     Raf waegt ab, ob der Loewin ihr wohl gesonnen ist oder eine Gefahr. Sie hat von sprechenden Tieren gehoert, aber sie hat keine Ahnung, ob sie deswegen weniger gefaehrlich sind. Die Antwort auf ihre Frage folgt sofort.  "Du kannst beruhigt sein. Wir teilen ein Schicksal und Dein Tod nuetzt niemanden."     Sie hoert die Worte, aber Raf fuehlt sich jetzt nicht wirklich wohler - im Gegenteil. Schicksal und Tod klingen nicht sehr gut. Weiter kann sie ihrem Gedankengang nicht folgen, weil die Loewin weiter spricht.  "Er braucht Deine Hilfe."     Einen Moment keimt Hoffnung in ihr auf, bei den Worten. "Wer? Jim?"  "Nein. Der, den ihr Inghros nennt. Er hat uns alle gerettet und einen hohen Preis dafuer gezahlt."     Raf ist einen Moment enttaeuscht, dann faellt ihr ein, was Jim ueber ihn gesagt hat und atmet erleichtert auf. „Eileb? Der Heiler? Wo, wo ist er?“  "Es gibt keinen Heiler mehr."   Antwortet der Loewin ruhig und dreht sich langsam um.  "Und es gibt kein Aknom mehr.  Wir alle sind hier gefangen, Raffaelena - gefangen vom Dealer."      Mit den Worten gibt sie der entsetzte Raf Zeit, endgueltig in sich zusammen zu brechen, waehrend der Saeugling an ihrer Brust mit seinem ersten Schrei das Leben begrueßt - in einem Steinkerker.
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Teil 1 des WebBooks neigt sich dem Ende.    Wenn es Dir gefallen hat, dann schreib uns eine Rezension und zeig deinen Freunden die SpielWelt.   Wenn Du wissen willst, wie das phantastische Abenteuer weiter geht, dann Sei gespannt auf Teil 2.
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