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SpielWelt - WebBook - Teil 1  Ursidae - Flucht
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   Das drohende Unheil rueckt naeher und der Wasserdrache bekommt Panik.    „Mist, mist, mist. Das war mein Fehler.“ murmelt er und ueberlegt fieberhaft, waehrend er hektisch hin und her schwimmt und eine Loesung sucht.    „Was?“ Ursidae blickt ihn genauso verzweifelt und hilflos an und klammert sich fester an die Membran seines Buntschirms fest. Ihm ist sichtlich anzusehen, dass er sich im Moment sehnlichst woanders hinwuenscht.    „Dein Lijwhan hat Loecher. Ich haette dich laengst darauf hinweisen sollen. Verdammt.“    „WAS?“ Seine Stimme ueberschlaegt sich fast. Er versucht sich augenblicklich zu sammeln und konzentriert sich. Sein Teddybaergesicht ist verzerrt vor Anstrengung. Er fixiert seine Gedanken fest auf seinen Lijwhan, blinzelt auf das drohende Unheil und kneift sein Auge fester zusammen. Er fuehlt in sein Lebenslicht hinein, was er unzählige Male getan an in Gefahrensituationen. Er atmet ruhiger und sammelt sich. Einatmen … ausatmen … einatmen … mein gelber Lijwhan … wie viele Loecher? Schon verliert er seine Konzentration. Ursidae flucht innerlich, schielt auf den Horizont und sammelt sich erneut. Bisher hat ihn sein Schiff beschuetzt und er alle Zeit der Welt gehabt, sich zu konzentrieren. Hier ohne irgend einen Schutz ist es ein wenig … kompliziert. Er versucht es dennoch erneut. Kurz hat er sein Lebenslicht erfasst. Einatmen … ausatmen … einatmen … brauchen Teddy Essen? Schießt es ihm durch den Kopf. Ursidae schlaegt sich mit seinem Pfotenstumpf auf den Kopf und stoehnt gequaelt auf. Atmet aus, verdraengt alles aus seinem Bewusstsein. Besser gesagt, strengt sich an, alles in der drohenden Lebensgefahr auszublenden und wagt es ein drittes Mal. Einatmen … gelbes Licht … ausatmen … Lebenslicht … einatmen … Lebenslicht wichtig … Seiks boese … Mannschaft erwuergen …     „Ahhhhh, verdammter Seiks!“ schreit er und trommelt mit seinen Pfoten auf das Wasser im Buntschirm ein. So sehr er sich auch konzentriert, seine Gedanken schweifen laufend ab. Zu viel Wut und Schmerz ist ihn ihm, er kann sich einfach nicht sammeln und seinen Lijwhan staerken, nicht in diesen bedrohlichen und hilflosen Umstaenden. An seine Erscheinung ist er noch nicht richtig gewoehnt und die ganze befremdliche Situation hat ihn voellig aus seiner Mitte gerissen. Ursidae blickt wie ein veraengstigtes kleines Kind mit seinem großen aufgerissenen Auge auf die dunkle Wolke voller negativer Energien, die direkt auf ihn zukommt und bekommt eine noch nie gespuerte Angst tief in sich. Die Wolke war seinetwegen da, angezogen durch seine dauernden negativen Gedanken.    „Das erklaert einiges.“ Kwenvagur hat ihn die ganze Zeit beobachtet und schaut mitleidig auf ihn herab. Dann schuettelt er den maechtigen Kopf und schnalzt mit seiner Zunge. Dieses Mal war es Ursidae egal, nass zu werden.    „WAS JETZT!“ Nackte Panik vor dem Ende spricht aus dem Teddybaer. Zum ersten Mal seit er denken kann bekommt er zu spueren, was es bedeutet, schutzlos ausgeliefert zu sein. Kein majestaetisches Schiff mit einem makellosen und nutzbaren Lijwhan. Keine Waffe, keine Mannschaft, keinen Anker, nichts. Eine halb zerfetzte Nussschale mit einem Hauch eines Lichtes, ein Wasserdrache, jede Menge toedliches Meer voller Tiefseemonster um ihn und jetzt auch noch das gesamte Greiferbatallion des Dunklen Reiches. Klatsch. Der Schlag der Wasserpfote traf ihn mit voller Wucht im Gesicht, dann wurde er durchgeschuettelt.     „Konzentriere dich gefaelligst. Du bist noch Du, der groeßte und gefaehrlichste Totengraeberpirat aller Zeiten.“ Kwenvagur hat ihn fest gepackt und starrt ihn intensiv in das Auge.    Ursidae erwacht langsam aus seiner Starre und atmet tief ein und aus. Er konzentriert sich erneut, blendet alles aus. Versucht mit seinem Lebenslicht zu verschmelzen, mit seinem einzigen Schutz, den er hat, … Einatmen … ausatmen … funktionierte der auch bei Teddybaeren? Wuetend wirft er seine Pfoten in die Luft und schreit den Drachen an.    „Es … geht … nicht! Ich … ich … ach, scheiße. Ich werde von meinen Gedanken abgelenkt. Ich bin ein dummer, kleiner Teddybaer.“ Resigniert blickt er den riesigen Drachen an. Das vibrierende Geraeusch ist inzwischen sehr laut geworden.    „Du gewoehnst dich wirklich sehr schnell an Deinen neuen Koerper.“ Kwenvagur betrachtet erneut die dunkle Wolke, die auf sie zurast. Dann bemerkt er etwas an Ursidae. „Was ist das?“ fragt er ratlos und greift nach dem schwarzen Schal seinem Guertel, der sich sanft im Wasser bewegt. Trotz seiner Verwandlung ist im dieses eine Stueck geblieben. Der Teddybaer hat bisher kaum Notiz davon genommen.     „Haeh? Was zum …?“, schimpft er und haelt den Schal fest. „Wir haben fuer dumme Spielchen keine Zeit!“      Der Drache ist todernst, als er ihm das Ende vom Schal vors Gesicht haelt. „Was ist das?“     „Mein Spinnenseil? Wie soll mich das retten?“     „Merke dir eins, Teddy. Du hast in jeder Situation, an jedem Ort auf der Welt alle noetigen Hilfsmittel und alle Zeit, die du brauchst, um die fauligen, stinkenden Bananen loszuwerden. Alles, was dein Job ist, das zu nutzen! Kapiert.“ Mit diesen Worten, schnappt sich Kwenwagur mit einem Ruck das Spinnenseil und wickelt Ursidae notduerftig darin ein. Dabei achtete er peinlich genau darauf, dass alle Koerperstellen verdeckt sind, an denen sein Lijwhan loecher hat. Ganz besonders achtet er darauf, dass sich der zappelnde kleine Teddy sich nicht mehr ruehren kann.    Dieser hat gar keine Zeit zu reagieren. Dafuer protestiert er umso mehr und schreit Zeter und Mordio. Was da auf sie zu kommt, ist dieselbe Masse an dunklen Greifern und negativen Energien, die er Beshmi zuvor gesehen hat, als der Inghros unter seinem Schiff hindurch geflogen war. Dieser Uebermacht an Greifern kann er hier nicht entkommen. Nicht mit dem bisschen, was er aufzubieten hat. Er will sich um Himmels willen nicht einfach kampflos ergeben. Das, was der Drache da mit ihm macht, gefaellt ihm ueberhaupt nicht und er wehrt sich mit Leibeskraeften.     „Jetzt halt endlich still!“ Motzt Kwenvagur und verschnuert ihn in seinem ellenlangen Schal. Das Gute an Spinnenfaeden ist, sie lassen sich unendlich ausdehnen. Erst, nachdem Ursidae als Paket verschnuert im Schirm schwimmt, begutachtet der Drache noch ein mal sein Kunstwerk, grunzt dann zufrieden und nickt.    „Mhm! Mhmmmhmm!“ Ein Auge sieht aus dem Schal heraus. Er versucht sich zu wehren, kann das alles nicht fassen. Noch tiefer geht es wirklich nicht mehr, oder?    „Warte es ab.“ lacht ihn Kwenvagur mit seinem spitzbuebischen Grinsen an, was Ursidae angesichts der Situation am allerwenigsten gefaellt. „Bleib einfach ruhig und versuche Deine negativen Gedanken zu verscheuchen. Denn genau das, was Du hier seit einer Ewigkeit tust, zieht die Dinger an. Um den Rest kuemmere ich mich.“ Schnell ist der Drache untergetaucht und hat den kleinen Teddybaer ein weiteres Mal Mutterseelen in seiner Mininussschale – mitten im gefaehrlichen Weltenmeer – allein gelassen.     „MHMMHMH!“ ist alles, was Ursidae hervorbringt. Er kann sich keinen Millimeter bewegen. Er verflucht sich innerlich, dass er diesem Knilch vertraut hat. Seine negativen Gedanken verscheuchen, pah. Er liegt hier mitten auf dem Haeppchenpraesentierteller und zudem auch noch als transportables Essen fuer Unterwegs verpackt. Die Dinger konnten ihn so direkt zum Samrat Tenemore und zur Vernichtung schleppen. Er ist gezwungen, das Ganze ueber sich ergehen zu lassen, ob er will oder nicht. Ursidae schließt sein Auge und denkt sich ganz weit weg. Vielleicht wird das ja die Meute verscheuchen, wenn ich einfach nicht hinsehe? Genau, wenn sie dann einen Teddybaeren finden, ist niemand mehr darin.    Ein Paar Momente ist es dunkel um ihn. Er nimmt sein eigenes Herz wahr, das vor Angst rast, im Takt zu dem Vibrieren der Armee. Bumbum, bumbum, bum… Auf einmal ist da ein neues Geraeusch, das ihn ablenkt. Zu dem Vibrieren gesellt sich ein Brodeln hinzu, das er nicht einordnen kann. Dicht gefolgt von Zischlauten, einer ganzen Menge davon. Sein Schirm beginnt hin und her zu schwanken. Er lauscht noch ein paar Augenblicke, dann wagt er einen vorsichtigen Blick. Auf das Schlimmste gefasst, oeffnet er sein Auge und presst es gleich wieder ganz fest zu. Nein, nein, NEIN! DAS kann jetzt ganz und gar nicht mehr war sein! Das brodelnde Geraeusch um ihn herum kommt von unzaehligen Rettungsringen, die wie ein ganzes Minenfeld um seinen Buntschirm herum auftauchen. Hunderter oranger Ringe direkt aus dem tiefen des Weltenmeeres. Alle leuchtend, alle hungrig und absolut toedlich fuer kleine Teddybaeren. Na, toll, jetzt duelliert sich schon der Tod meinetwegen mit sich selber und kann sich nicht entscheiden, wie ich jetzt von dannen gehen soll?     Ursidae glaubt sich in einem Traum, anders kann er sich das nicht erklaeren. Was gibt es denn noch grausameres? Auf wessen Abschussliste steht er denn noch? Er versenkt sich an einen Ort ganz tief in sich selbst. Das Ganze wird ihm zu viel, ueberall lauert der Tod auf ihn, scheinbar noch mehr, seit er in Stofftier ist. Schmecken Stofftiere den Tiefseeanglern ueberhaupt? Oder liegen die wie Steine im Magen? Er hofft es. Wenn er als Fischfutter enden soll, dann wenigstens als ein schwer verdauliches. Das Geraeusch von platzenden Energien erlangt erneut seine Aufmerksamkeit und laesst seinen Gedankengang stocken. Vorsichtig oeffnet er ein weiteres Mal sein Auge und schielt hinaus in die Realitaet. Was er jetzt sieht, bringt ihn so aus der Fassung, dass er mehrmals den Kopf schuettelt und blinzelt. DAS kann er jetzt wirklich nicht mehr glauben!    Vor Ursidae tobt ein Krieg. Ein Krieg von Lichtenergien gegen negativen Energien, dazwischen schmatzende und schluerfende Rettungsringe, die gierig alles aufsaugen und in die Tiefe zerren, was sie kriegen koennen. Es gibt einen Unterschied: Die Lichtenergien kommen direkt aus den Rettungsringen der Tiefseeangler. Genauer gesagt, aus den Fangarmen und sind keine eigenen freien Energien. In der SpielWelt gibt es stets beide Pole, Gut und Boese, warm und kalt, Licht und Schatten. Den negativen Schattengreifern stehen positive Lichtbringer gegenueber. Sie haben die Form von flachen schwebendem Lichtteppichen, aehnlich einer Rochenform mit einer Lichtkugel in sich, die sanft durch die Luft gleitet. Der Haken dabei ist, dass die Greifer in der SpielWelt mehr werden und die Lichter langsam weniger. Doch diese Vielzahl an Lichtenergien hat er noch niemals gesehen. Sie kommen direkt aus den Fangarmen und stuertzen sich auf die dunklen Greifer. Die Tiefseeangler brauchen die dunklen Energien nicht mal ins Meer zu ziehen, sie saugen sie ueber die Fangarme direkt ein. Das was er da sieht, ist ein Festmahl. Staendig zerplatzen neue negative Energien, die verzweifelt versuchen, durch das Minenfeld der Rettungsringe hindurch zu gelangen und zu entkommen. Ursidae versteht die Welt nicht mehr. Was zum Klabauter geht hier vor? So weit er blickt ist er umgeben von diesen orangen Rettungsringen, die allerdings keinerlei Anstalten machen, ihn zu verspeisen. Dafuer umso mehr, die Greifer aufzusaugen. Funkenregen, um Funkenregen ergießt sich ueber dem Meer.    „Na, hab ich Dir zu viel versprochen?“ Der Drache hat seinen Kopf auf seine Vorderpfoten gestuetzt und grinst stolz zu dem kleinen Teddybaer hinunter.    „Mhmmmhmm!“ ist die Antwort.    „Ach, entschuldige.“ Kwenvagur gibt sich verlegen, befreit dann notduerftig die Schnauze vom Schal.   „Was … zum Klabauter … hast Du getan?“ Ursidae ist verwirrt von diesem Schauspiel.   „Ein Danke, das hast Du gut gemacht, mein allerliebster Freund und Retter Kwenvagur, haette voll und ganz gereicht.“ Beleidigt dreht er den Kopf zur Seite und verschraenkt die Vorderpfoten.    „Hey, hey! So war das nicht gemeint. Danke … und so weiter … Wie hast Du das geschafft?“    „Ich geh mal davon aus, dass Du einfach zu ueberwaeltigt bist und lasse das so gelten. Gern geschehen. Und nun ja, jedes Kind weiß, was die Leibspeise der Tiefseeangler ist?“ Er klimperte verschwoererisch mit den nicht vorhandenen Augenlid und hat dabei die Krallen unter seinem Kopf ineinander verschraenkt.    „Ist nicht wahr!“ Ursidae kann es nicht fassen.    „Ist wohl wahr.“ Der Drache kostet seinen Moment genießerisch aus.    „Und wie hast Du sie dazu gebracht?“ Er vergisst vollkommen, dass er selbst noch gefesselt und festgebunden ist.    „Nun ja, ich spreche Meerisch.“    Ein Gesichtsausdruck, der nicht zu deuten ist und ein offenes Maul starren entgeistert zum Drachen hinauf.    „Ganz genau. Ich hab den Jungs einfach erzaehlt, dass da ein riesengroßes Fressbuffet an Leckerlis auf sie zu rauscht und schwups sind die los gezischt. Dass Du auf dem Speiseplan allerdings tabu bist, mussten sie mir hoch und heilig versprechen.“ Kaum hat er das gesagt, beginnt er seine Pfoten zu lecken und tropft auf ihn herab.    „Hey … wa…warte Mal.“ protestiert Ursidae.    Kwenvagur haelt mitten in der Bewegung inne und schaut auf den Teddy runter. Das Maul sperrangelweit offen, die Zunge im Schwung in der Luft erstarrt.    „Die fressen mich nicht, weil Du es ihnen verboten hast?“    „Ich bin gut, gelle.“ Stolz reckt der Drache seine Brust.    Der Teddy sieht sich um und bemerkt, dass die Energien sich zurueckgezogen haben. Im Mienenfeld sind kaum noch welche vorhanden. „Dann kannst Du mich ja jetzt losbinden.“ bemerkt er und grinst hoffnungsvoll den Drachen an.    „Das … geht leider nicht … sumts…jscun nst…“ Der Rest des Satzes geht in ein Nuscheln ueber.    „Was?“ Ursidae legt den Kopf schief und schaut ihn ungeduldig an. Kwen begutachtet derweil seine Wasserkrallen.    „Drache!“ Er versucht sein seltsames Gefuehl mit Wut zu kaschieren.    „Nun ja, also … es ist so …“ Nervoes schaut sich der Drache nach links und rechts um und senkt den Kopf herunter, ganz nah an seines heran. „Das geht nicht, weil die Dich dann fressen.“     „WAS?“    „Pst. Nicht so laut. Die koennen Dich momentan nicht sehen und nicht riechen.“    „Wieso? Was? Nicht riechen? Stinke ich vielleicht?“ Ursidae versucht seinen Kopf aus dem engen Schal zu zwaengen, um an sich zu schnueffeln. Laesst es dann bleiben.    „Nein, Du bist die feinste Duftblume jenseits der SpielWelt. Das meine ich nicht. Nun ja, die riechen Dich und fressen Dich, sobald ich den Schal wegnehme. Die lassen Dich in Ruhe, weil … weil …    „Was denn nun.“ Gleich platzt ihm der Kragen.    „Dein Schal aus Spinnenseide ist so ziemlich das Ekeligste fuer die. Das ist der einzige Grund, warum die Dich nicht fressen.“     „Du Luegenbolt, Angeber, Pfuetzenhalodrie …“     „Pscht, leise. Auch wenn Du fuer die stinkst wie ein Karsak, hoeren koennen die Dich noch.“    „Und warum wollte der eine Angler vor Urzeiten mich trotz des Schales fressen?“    „Weil Du nicht eingewickelt warst und noch nach zu viel gutes Happihappi gerochen hast. Oder er hatte keinen Riechkolben mehr. Was weiß denn ich.“    „Und was jetzt?“ Dem Teddybaer behagt die Vorstellung gar nicht, dass ihn ein Stueck Stoff am Leben haelt.    „Jetzt, machen wir uns hier aus dem Staub.“  Ursidae unterdrueckt den Fluch und nuschelt irgendetwas unverstaendliches vor sich hin, waehrend der Drache ihn vorwaerts schiebt. Weg von dem Minenfeld. Weg von den Energien in Richtung Wolkenmeer.
URSIDAE
Rand
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   Sorgenvoll schaut Ursidae auf das, was vor ihm liegt. Es gefaellt ihm nicht. Es gefaellt ihm ganz und gar nicht, aber er hat schlichtweg keine andere Wahl. Es koennte Tod bedeuten oder auch ueberleben, er weiß es nicht. Vor ihm liegt das fallende Wolkenmeer und noch niemand ist je von dort zurueck gekehrt. Was nicht heißen muss, dass kein Tawo es je ueberlebt haette? Zumindest hofft das Urisdae. Vielleicht ist dahinter das Schnaps- und Rumland, ein Paradies der Piraten und Seeleute und es ist deswegen noch niemand zurueck gekehrt? Er schuettelt den Kopf. Was fuer ein irrwitziger Gedanke aus dem Reich des Wahnsinns. Ursidae besitzt diesen einen Buntschirm als Behelfsboot in dem er hilflos treibt, keine Haende und Fueße bzw. Pfoten. Er kann also nichts greifen und er besitzt kein Paddel oder Ruder. Was er hat ist ein Wassermeister als Begleiter. Immerhin ein Anfang. Letzteres geht ihm gehoerig auf die Nerven. Vor allem, weil er ihm ausgeliefert ist.    Wuerde Ursidae umkehren zum Festland zurueck und Seiks hinterher, bedeutet es fuer ihn den sicheren Tod. Seine eigene naive Arroganz hat ihn in diese missliche Lage gebracht. Da war noch etwas anderes mit ihm an Deck seines Schiffes los. Etwas, dass er nach wie vor noch nicht fassen oder verstehen kann, wie … eine fremde Macht. Er stand noch vor Beshmis komplett neben sich, fremdgesteuert wie eine Marionette. Wie konnte er nur so dumm sein? Hintergangen von seiner Mannschaft und seinem Steuermann und … Freund.     „Seiks!“ Er spuckt den Namen ins Wasser und verzieht hasserfuellt seine Schnauze. Wut und Zorn bemaechtigen sich seiner, seit er im Turm als Teddybaer aufgewacht ist. Er versteht auch nicht, warum Seiks ihn nicht getoetet hat? Soll die Verbannung in ein Stofftier mildernde Umstaende heißen? Begnadigung auf Raten? Lieber waere ihm ein unehrenvoller und schneller Tod, als diese Demuetigung in ein Kinderspielzeug gebannt zu sein mit Arm und Beinstuempfen.     „Ist das der Lohn, wenn man im Herzen Freiheit haben will?“ ruft er hinaus in die Welt. Doch sein Ruf verhallt in den Tiefen ohne Antwort. Verbannung und Verkleinerung? Er hat den Wunsch verspuert, selbst ueber sein Leben entscheiden zu wollen. Nicht zum ersten Mal in den letzten Stunden beklagt er sein Elend und fragt sich, ob es ein Fehler gewesen war, Freiheit zu verlangen, wenn das der Preis dafuer ist? Er lebt zwar, aber wie? Als ein Stofftierteddybaer! „Piratenstofftier-Teddybaer mit schwarzer Augenklappe“, hat ihn sein Wasserfreund versucht aufzumuntern, vergeblich. Alles ist weg. Verschwunden, genauso wie sein Schiff und sein … blaues Flammenschwert. Selbst das hat der elende Sohn eines Wuestendreckfressers ihm genommen.    „Dieser elende Lump, woher hat er es ewusst?“ knurrt Ursidae. Er kann sich keinen Reim darauf machen, wie Seiks hinter das Geheimnis seiner Spiegelscherbe gekommen ist. Er hat die Scherbe, mit der er sein Schiff beherrscht, niemals irgendjemanden seiner Mannschaft gezeigt. Geschweige denn ein Wort darueber verloren. Stets trug er sie sicher in seiner Weste an der Brust, weil es egal ist, welchen Koerperteil von ihm die Scherbe beruehrt, sie gehorcht seinem Willen und nur seinem, dem des Kapitains. Einmal … Eine Erinnerung Blitz in seinen Gedanken auf. Seiks vor ihm kniend, die Scherbe in seiner Hand … Dann verblasst es, ehe Verstand des Teddy es fassen und festhalten kann. Er schließt seine Augen, atmet aus, wohlwissende, dass sein Verstand ewig nach der Antwort weiter suchen wird.    Neben ihm plaetschert es. Als er den Kopf vorsichtig und in weiser Voraussicht etwas dreht, kommt ihm augenblicklich ein Schwall Wasser entgegen – wieder Mal. Gefolgt von einem keifenden Lachen. Fluchend und hustend sieht Ursidae in das spitzbuebische Gesicht des Wasserdrachen, der ihn seit dem Sternenturm begleitet. Eigentlich ein Wassermeister. Eigentlich. Der Teddy sieht ihn ihm mittlerweile den Narren der Wasserspiele. Er faengt an, diesen Kerl ebenfalls zu hassen, der ihn stets und ueberall nass macht und sichtliches Vergnuegen darin hat, ihn wegen seiner momentanen Groeße und Erscheinung zu demuetigen.     Scheinbar ist der Drache zu lange eingesperrt gewesen im Sternenturm. Staendig ist er auf Achse und laesst ihn allein in seiner Mininussschale ohne Erklaerung, was Ursidae rasend macht. Und ihn jedes Mal panische Beshmi beschert mit seinen Gedanken und den Gefahren. Beim letzten Mal ist der Drache gerade noch im allerletzten Moment aufgetaucht, als er in seinem Buntschirm drohte, von diesem Tiefseeangler in das Meer hinabgezerrt und gefressen zu werden. Die Fangarme hatten sich bereits an der Schirmhaut festgekrallt, als der Wasserdrache blitzschnell auftauchte und mit Wasserpeitschenhieben das Ungetuem vertrieb. Ursidae staunte, wie viel Wasserkraft dieses Wesen beherrscht. Dennoch ist er veraergert ueber seine Lage. Und an irgendetwas oder irgendjemanden muss er seine Wut doch ablassen!    „Kannst Du das endlich mal lassen? Ich ersaufe noch, wenn dieser Buntschirm voll laeuft.“ Muehsam versucht er das Wasser aus seinem Behelfsboot heraus zu schaufeln, was ihm in seiner Erscheinung nicht gelingt. Und die Tatsache, dass sein ganzer Koerper mit Fell ueberzogen ist, quasi ein Dauernassabonnement hat, macht es nicht gerade angenehmer. Er fuehlt sich zunehmen wie ein armseliges Haeufchen Elend.    „Menno, es macht solchen Spaß. Außerdem bist Du zu leicht fuer das Wolkenmeer, da weht es dich bei der kleinsten Boe gleich davon. Mit Wasser hast Du mehr Tiefgang.“    Ursidae schaudert, wenn er daran denkt, was vor ihm liegt. Dennoch bleibt ihm nichts anderes uebrig, will er zurueck kommen zum Festland, zu seinem Schiff, seinem Schwert und nun ja, seinem richtigen Koerper, wo auch immer der jetzt rumgeistert. Das fallende Wolkenmeer grenzt an das schwebende Weltenmeer und beginnt keinen Qeli hinter dem Sternenturm. Es besteht aus Wolken, in den unterschiedlichsten Groeßen, Formen, Formationen und Farben. Die Schwierigkeit besteht nicht darin, dort lebend anzukommen, sondern hindurch. Wolken haben nun einmal auch Luftloecher und befindet sich unter der durchloecherten Kaesewolke keine tieferliegende Fluffigkeit, die den Fall auffaengt, will er nicht wissen, ob danach in den Tiefen ueberhaupt noch etwas kommt.     „Wozu brauch ich in den Wolken Tiefgang? Wir segeln auf den Fluffis und schwimmen nicht wie hier im Wasser!“ Es ist fuer den kleinen Teddybaeren ein grotesker Anblick. Ein haushohes Wesen der SpielWelt, das vollstaendig aus Wasser besteht und von einer undefinierbaren Farbe eines Lebenslichtes umspielt wird, versucht erfolglos mit einer Wasserzunge seine Wasserpfoten zu lecken. Und das, waehrend das Wasserwesen auch noch im Meer schwimmt.     Der Drache leckt seine Pfoten nicht um abzulenken. Hauptsaechlich kann er dabei versehentlich Wasser auf Ursidae spritzen – was volle Absicht ist. Die Ausmaße des Drachen sind fuer den kleinen Teddy zusaetzlich etwas … gewoehnungsbeduerftig. Wenn der Kopf des Drachen auftaucht, erscheint er ihm riesengroß, weil er selbst gerade mal einen Zahn im Maul des Untieres ausfuellt. Da reichen ein paar Tropfen des Drachen, dass er mitten in einer Sinflut sitzt. Der Drache beendet seine Saeuberung, nachdem er ordentlich Wasser auf Ursidae verteilt hat und schaut zu ihm in seinen Buntschirm herab.    „Es gibt im Wolkenmeer auch Winde. Und Du weißt, was mit Schirmen passiert, die leicht sind und vom Wind erfasst werden … mhm?“ Der Drache hebt seine rechte Pfote und streckt eine Kralle aus, fuehrt sie in kreisenden Bewegungen an seinen Augen vorbei. Dabei pfeift er einen einzigen, langen und hellen Ton, der am Ende, als die Pfote tiefer gleitet und im Wasser aufschlaeugt in etwas uebergeht, das nach einem Krachen klingt. Es reicht vollkommen aus, um Ursidae restlos aus der Fassung zu bringen.    „Ja, ja, verdammt! Ist ja gut. Hau ruhig noch mal eine Ladung Wass…“ Ehe er es aussprechen kann, spuckt der Wasserdrache bereits einen weiteren Schwall auf ihn. Muehsam unterdrueckt Ursidae einen Fluch und strahlt stattdessen dankbar um die Wette. Ueber die Schwimmfaehigkeit des Schirmes macht er sich keine Gedanken mehr. Sein Boot ist jetzt halbvoll mit Wasser und schwimmt ruhig und sicher im Meer dahin. Untergehen ist schier unmoeglich – redet er sich zumindest ein. Seine Nerven gehen langsam aber sicher unter. Die Wasserattacken des Drachen und seine staendigen Ausfluechte. Er hat von diesem Wesen mehr erwartet. Ein Drache, der einzig aus Wasser besteht, mit dem Meer verschmilzt und pfeilschnell dahin sausen kann. Ein Drache, von dem es heißt, das gefaehrlichste Wesen in der ganzen SpielWelt zu sein. Ein furchtverbreitender Mythos. Und alles, was dieser Mythos bis jetzt zu Stande gebracht hat, ist ein laesstiger Springbrunnen zu sein und dumm daher zu faseln. Angeblich, weil der Drache niemanden etwas antun geschweige denn auffressen kann. Vielleicht ertraenken? Ja, das schafft der Teddy auch noch, dazu ist mitnichten ein Drache von noeten.        Warum ausgerechnet er an dieses … Ding geraten muss, ist ihm schleierhaft? Er braucht ihn, will er in diesem Meer ueberleben. Ursidae hat inzwischen auch keine Orientierung mehr, wo er sich befindet? Das Meer hier draußen hinter dem Sternenturm ist tausende Qelis von Festland entfernt und ihm vollkommen unbekannt. Die Lichter im Meer sehen noch bekannt aus, was ihn ein wenig beruhigt. Ohne Nahrung und Wasser wird er bald elendig sterben und wenn nicht durch Hunger und Durst, dann macht ihm das Reich den Gar aus. Das Weltenmeer um den Sternenturm hier draußen gehoeren noch zum Hoheitsgebiet des Dunklen Reiches. Das Wolkenmeer vor ihm ist seine einzige Chance. Hat ihm sein Drachenfreund gesagt, also muss er schleunigst dahin. Ursidae kann nicht richtig glauben, warum das Wolkenmeer in retten soll. Wer weiß denn, was dahinter ist? Lieber sich dem Unbekannten stellen, als sofort versklavt oder gleich vernichtet zu werden. Wieder jagt ein Gedankenblitz wie ein Schauer durch seinen Geist, als das schmerzverzerrte Gesicht von Seiks auftaucht. Fuer alle Zeiten in sein Gedaechtnis eingebrannt. Trotz aller Differenzen hat er in Seiks einen Freund gesehen, der ihn in Gefahren zur Seite stand. Ein todbringender Freund und dennoch hat Seiks ihn verbannt? Er haette ihn toeten muessen, wenn er selbst nicht in Nemundur landen will. Das Dunkle Reich wird den Vorfall nicht untersuchen. Sie sind von der Route abgewichen ohne Befehl, was sie zu Verraetern gemacht haette. Auf diese Fragen weiß sich Ursidae keine Antwort und langsam bekommt er Kopfschmerzen von dieser ewigen Gruebelei. Er hat das Gefuehl auf dem falschen Karussel eingestiegen zu sein, das nie mehr still steht und sich ewig weiter dreht. Ein weiterer Schwall Wasser reißt ihn in die Gegenwart zurueck.     „Hoer endlich mit den Gruebeleien auf, Du ziehst so Unheil an.“     Ursidae seufzt und lehnt sich in seinem Buntschirm zurueck. „Ja, ich weiß, Mama. Die stinkigsten und schimmeligsten Bananen jenseits des Weltenmeeres werden an Gedanken zu mir zurueck kehren.“     „Wenn, dann Papa! Ich bin ein maennliches Exemplar!“ Antwortet der Drache entruestet und schaut ihn eine zeitlang finster mit schiefen Kopf an.     „Ach echt, waer mir jetzt gar nicht aufgefallen.“ Ursidae grinst. „Sag mal, wo geisterst Du eigentlich herum, wenn Du mich hier allein laesst?“ hackt er gleich nach.    „Ach, hier und dort. Etwas erledigen … eben.“ Wimmelt ihn das Ungetuem ab.     „Und ich darf nicht rein zufaellig erfahren, was dieses eben ist?“ bohrt Ursidae weiter.    „Nein.“ Das Gesicht des Drachen bleibt ernst. Etwas, was den Teddy nachdenklich macht. Er weiß noch nicht, ob es etwas Gutes oder Schlechtes bedeutet?    „Aha.“  Beide schweigen eine Weile. Ursidae lauernd, weil der Drachen sein seliges Dauergrinsen aufgesetzt hat.    „Wie heißt Du eigentlich?“ fragt er nach einiger Zeit des Schweigens.    „Wer? Ich?“ Der Drache schaut sich suchend im Meer um.    „Ja, wer denn sonst?“ Knurrt der Teddybaer Der Drache healt auf einmal ganz still und sieht ihn auf eine aeußerst merkwuerdig Weise an. Eine Mischung aus freudiger Bestuerzung und panische Hoffnung zugleich. Den Ausdruck hat Ursidae noch niemals zuvor bei jemanden gesehen. Bevor er es genau identifizieren kann, taucht sein Begleiter unter und ist weg ohne ein weiteres Wort zu verlieren.    „Hey“, bruellt Ursidae wuetend. „Wo willst Du hin? Rede mit mir!“ Er beugt sich vor und schaut aus seinem Buntschirm aufs Meer hinuter, kann den Drachen nirgendwo entdecken. Nur unzaehlige Farblichter und dunkle, sich bewegende Schemen.    „Hey, was zum Klabauter soll das?“ Er beugt sich weiter vor, schlaegt mit seinem rechten Armstumpf auf die Wasseroberflaeche ein und bruellt. Das Meer antwortet ihm nicht, kein Drache erhebt sich daraus. Ursidae atmet enttaeuscht aus und laesst sich in den Schirm zurueck sinken.    „Das hat mich noch nie jemand gefragt.“ Ganz leise ist die Stimme hinter ihm zu hoeren. Erschrocken wendet er sich um und sieht ein verlegenes Drachengesicht vor sich, das auf dem Wasser schwimmt.    „Wie? Das hat Dich noch nie jemand gefragt?“ Ursidae glotzt den Riesenkopf unglaeubig an.    „Nein. Noch nie.“ Der Drache fluestert fast.    „Warum dass denn?“    „Ich weiß es nicht. Alle wollten in den Turm, um den doofen, weisen Alten zu treffen. Fuer mich hat sich nie jemand interessiert. Vor mir haben alle Angst und laufen weg.“    „Kann ich verstehen …“ Nuschelt der Teddybaer huestelnd ehe er laut weiter spricht. „Muss ganz schoen hart sein.“ Troesten ist noch nie seine Staerke gewesen.    „Ja, war es … bis Du kamst.“ Der Drache greift sich schnell mit seinen Vorderpfoten an die Schnauze. Denn ausgerechnet das hat er nicht sagen wollen, eigentlich.    „Wie bitte?“ Ursidae sieht ihn skeptisch an.    „Ich hab nichts gesagt.“ Schnell hat das Wasserwesen es ausgesprochen und sofort seine Schnauze fest zugehalten.    „DRACHE.“ Sein Gesicht bekommt Zorneswuelste auf seiner Stirn. Obwohl er ein Teddybaer ist, war er noch im Besitz von Ausdruck.    „Du kannst mir nicht mehr drohen, baeh.“ Siegessicher streckt der Drache seine Wasserzunge heraus und verschraenkt seine maechtigen Wasserpfoten vor seiner Brust. Dazu hebt er den vorderen Teil seines Schlangenkoerpers aus dem Wasser. Ursidae flucht. Er versuchte es versoehnlich, was so ueberhaupt nicht sein Ding ist.     „Na komm. So schlimm kann es nicht sein, was Du zu sagen hast?“    „Schlimmer.“ Jetzt dreht der Drache auch noch den Kopf auf die Seite. Ursidae ueberlegt, wie er ihn zum Reden bringen kann. Ihm faellt nichts ein. Er hat kein Druckmittel mehr. Seiks, dieser elende Sohn eines Sandwurms … hat ihm alles genommen.    „Na, komm schon Drache.“    „Noe.“ Eine kurze knappe Antwort mit gespitzten Lippen. Die Vorderpfoten vor seiner Brust verschraenkt und den Kopf weggedreht.    „Verdammt … Also ok, Drache. Was willst Du im Tausch haben, wenn Du es mir sagst?“ Ursidae hasst diese Art der Verhandlungen. Er ist es gewohnt sich alles einfach zu nehmen, notfalls mit Gewalt. Verdammt, er war schließlich der Totengraeber und konnte mit den Gefangenen machen, was er wollte. Einzig lebend musste er sie abliefern.     „Ist ein harmloses kleines Wortlein.“ Der Drache hat sich interessiert etwas ins Wasser gleiten lassen und stuetzt seinen Kopf auf seiner rechten Pfoten. Ursidae ist erstaunt, wie einfach dieses Wesen aus dem Wasser aufragen kann und dennoch damit verschmilzt.    „Was fuer ein Wort?“ Waehrend er das sagt, streicht er sich unruhig mit seinen Armstumpen ueber den Kopf. Er hat eine Ahnung und die gefaellt ihm gar nicht.    „Das weißt Du ganz genauhau.“ Das Grinsen des Drachens wird breiter und sein Kopf senkt sich etwas.    „Ich? Nein, was fuer ein Wort soll ich den wissen?“ Er stellt sich dumm und windet sich, so gut es geht. Nervoes nimmt er sein Spinnenseil an seiner Seite zwischen seine Armstuempfe, ohne es zu bemerken. Dem Drachen gefaellt das Spiel sichtlich, denn seine Augen beginnen zu leuchten.    „Hat Dir Deine Mami keinen Anstand beigebracht?“    „Mir? Do…do…doch.“ Ursidae fuehlt sich hilflos und unwohl in seiner Haut. „Ach zum Henker, dann eben.“ Er holt tief Luft und verzieht angeekelt das Maul. Seine Schnauze oeffenet sich und versucht Worte zu formen, die ihm vollkommen ungewohnt sind. Der Blick des Drachen ist interessiert. Er kommt naeher und schaut sehnsuechtig auf den kleinen Teddy vor ihm.    „B…“ Ursidae atmet aus und erneut tief ein. „Bi…“ Das Wort bleibt ihm regelrecht im Halse stecken. Er raeuspert sich.    „Wird`s denn gehen?“ Der Drache amuesiert sich koestlich.    „Bi…“ Er schaut hilfesuchend auf dem Schirmboden und atmet weiter tief ein und aus.     „Lass Dir ruhig Zeit. Uns laeuft nichts weg. Bis auf Dein Seiks, der mit jedem Atemzug weiter weg ist.“ Der Drache starrt auf seine Wasserkrallen und schnalzt gelangweilt mit der Zunge. Ursidae laeuft rot an.     „Also schoen. BITTE!“ knurrt er.    „Na also, geht doch.“ Der Drache zuckt mit seinen Schultern und kommt ganz nah an den Teddy heran. So nah, dass er fast schielen muss, um ihn noch zu erkennen. Er schaut ihn ganz lange und intensiv an, langsam oeffnet er sein Maul. „Bis Du kamst, hat mich noch nie jemand nach meinen Namen gefragt. Du bist der Erste. Und du…“ Er macht eine dramatische Pause. Ursidae rutscht unruhig in seinem Schirm hin und her. „Du hast mich gerufen.“     Ein aufstoehnen. Er hat definitiv etwas anderes erwartet. „Als ich zufaellig auf den Boden gespuckt habe! Ja schon klar. Hab ich nicht vergessen.“ sagt er gereizt, und verbucht es auf seiner langen Liste an zukuenftigen, unbedingt zu vermeidenden Fehlern ganz oben. NIEMALS AUF DEN BODEN SPUCKEN!    „Nein, damit hast Du mich gerufen und … und …“ Der Drache zoegert.     Ursidae wird hellhoerig und blickt ihn skeptisch an. „… und WAS?“    „Nun ja, dadurch … also … es … eigentlich ist irgendwie so …“    „REDE ENDLICH!“    „Ich muss dir ueberall hin folgen.“ nuschelt der Drache kleinlaut und verschwindet erneut im Meer. Ursidae bleibt verdattert zurueck.     „Hey, komm sofort raus aus der Pfuetze.“ schimpft er und taucht seinen rechten Stumpf ins Wasser. Als er das Gefuehl hat, etwas Festes zu beruehren, biegt er das Stumpfende und holt es aus dem Wasser heraus.     „Aua! Aua, aua! Nicht! Loslassen. Aua! Wieso kannst Du Deinen Stumpf als … Hand … gebrauchen?“ schimpft der Drache beim Auftauchen erstaunt.    „Und wieso kann ich dein linkes Ohr im Wasser packen?“ kontert er und sieht ihn finster aus seinem blauen Auge an. Dieses Mal seufzt der Drache und gibt auf.    „Also gut, ich erzaehle dir alles. Nur lass bitte, bitte mein Ohr los. Das tut so weh!“    Ursidae tut ihm widerwillig den Gefallen. Es gefaelt ihm, zur Abwechslung mal den Drachen zu quaelen. Noch ein paar Augenblicke geniesst er das Ohrtauziehen und rumgejaule, dann laesst er los und lehnt sich zurueck – zur Verwunderung des Drachen mit verschraenkten Armen. Zumindest sieht es so aus, als ob er seine Arme verschraenkt hat.     „Du lernst sehr schnell, Dich an Deinen neuen Koerper anzupassen.“    „Ich bin ja auch der beste, gefuerchteste Piratentotengraeber, den es …“ der genervte Blick des Drachen laesst Ursidae augenblicklich in seiner Lobrede enden. Er macht eine einladende Armbewegung zum Drachen hin.     „Also?“    Der Drache macht es sich im Meer bequem und holt tief Luft. „Also Gut. Mein Name ist Kwenvagur“, beginnt er langsam und zoegerlich. „Ich kam vor sehr, sehr langer Zeit hierher in die SpielWelt – glaube ich. Erinnern kann ich mich nicht.“    „Wie alt bist Du?“ unterbricht ihn Ursidae.    „Ich … weiß es nicht.“ Kwenvagur sieht in den Kemelom hinauf, als ob er eine Antwort sucht. „Ich habe irgendwann bei sechzigtausend aufgehoert den Vollmond zu zaehlen.“    „Moment mal, Du willst mir allen ernstes weiß machen, dass Du … aeh … ueber ….?„ Er versucht fieberhaft zu zaehlen, ehe er bemerkt, dass ihm die Finger ja abhanden gekommen sind.    „… Tausende Zeitalter alt bin.“ ergaenzt der Drache.    „Uff! Und ich dachte, mein Leben ist kompliziert.“ Ursidae sieht ihn mitfuehlend an.    „Danke“, schmollt der Drache.    „Gern geschehen, jetzt sind wir quitt. Erzaehl weiter.“    Kwenvagur schnaubt noch ein Mal tief, ehe er weiter spricht: „Meine Aufgabe hier bestand darin, als Drache ein Bewegungspunkt zu sein.“    „Mo…mo…moment mal.“ Sein Auge beginnt zu strahlen. „Du bist ein Bewegungspunkt?“    „Nein. Ich war es, als ich noch ein richtiger Drache war. Heute bin ich keiner mehr. Also vergiss es gleich wieder!“    Der Teddybaer stoehnt und verzieht die Schnauze zu einem stummen Fluch. Mit einem Bewegungspunkt haette er sich voellig frei ueberall hin in der Spielwelt tranportieren koennen. Kwenvagur blickt ihn traurig an.     „Was ist passiert?“ fragt Ursidae, als er den Ausdruck beim Drachen bemerkt.     „An das, woran ich mich erinnern kann, war ich anfangs ein freier Drache. Ich konnte ueberall hin fliegen, wo ich hin wollte. So erkundete ich nach und nach die gesamte SpielWelt.“    Er wirft Kwenvagur einen erstaunten Blick zu. „Lass mich raten. Du warst auch zu neugierig und wolltest dich nicht an die Spielregeln des Dunklen Reichs halten und wurdest verbannt, oder Kweni?“    „Kwenvagur, wenn ich bitten darf. Aber weil Du mich gerufen hast, darfst du mich Kwen nennen.“ Der Drache verlagert etwas seine Position im Wasser. „Und nein, ich bin nicht so bloed, wie Du. Ich habe dem Reich ein Schnippchen geschlagen und mich vorher zur Sicherheit selbst verbannt.“     Ursidae Kiefer klappt herunter. Verdattert blinzelt er mehrmals irritiert, ehe er seine Sprache wiederfindet.     „Wie? Selbst verbannt?“    Ein vibrierendes Summen schreckt die Beiden aus ihrer Sentimentalitaet auf. Sie drehen den Kopf in die Richtung, aus der das Geraeusch gekommen ist und bringen ihre Maeuler nicht mehr zu. Eine schwarze Wand aus Greifern rauscht auf sie zu. Der Teddybaer ist vollkommen panisch. Verzweifelt weicht er zurueck und versucht sich an der Membran des Buntschirms festzuklammern.    „Ich wars nicht. Ich wars nicht!“ Wimmert er los.    Kwenvagur wechselt seine Aufmerksamkeit zwischen dem, was da kommt und ihm hin und her. Dann bemerkt er trocken: „Ich hatte ja keine Ahnung, dass Du fuer Deine Sorgen und Gruebeleien die stinkenden Bananen von der Fruchtbarkeitsgoettin persoenlich geklaut hast.“
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   … weckt ihn auf. Ursidae schreckt hoch, reißt sein Auge auf und schaut sich um. Ihm stockt der Atem. Der Kemelom ist auf dieser Seite des Weltenmeeres Stockfinster geworden und hat eine dunkelbunte Faerbung saemtlicher Farbtoene angenommen. Jetzt hat sich auch noch das Wetter gegen mich verschworen. Er dreht sich umstaendlich, so weit es seine Fessel zulaesst, sehnsuechtig dem lichtdurchfluteten Firmament hinter ihm in der Ferne zu. Solche aussergewoehnlichen Himmels- und Energieerscheinungen sind keine Seltenheit in der SpielWelt. Gerade jetzt passt es Ursidae ueberhaupt nicht in seine Planung.        Ausgepackt hat ihn der Drache absichtlich nicht wegen der Tiefseeangler, zumindest behauptete das der Wasserknilch vehement, indem er sich tausendmal wiederholt und verschwoererisch mit seinen Augen klimmerte. Er ist weiterhin, wie ein Geschenk verpackt und harrt seiner Dinge. Allein, weil Kwenvagur erneut einen seiner geheimen Ausfluege unternommen hat. Und schwupps ist der Teddybaer erneut in Schwierigkeiten. Derweil hat er dieses Mal seiner Mannschaft und Seiks eine klitzekleine Pest an Hals gewuenscht. Fieberhaft rechnet er seine Chancen aus, das Unwetter gefesselt in seinem Buntschirm heil zu ueberstehen. So sehr Ursidae sich auch bemueht, eines muss er diesem Wasserspinner lassen: er ist gruendlich. Sein Schal haelt ihn eisern fest und gibt ihm keinen winzig kleinen Raum Bewegungsfreiheit. Aengstlich huscht sein Blick vom dunklen Horizont auf das Wasser um ihn herum, von dem Drachen ist keine Spur zu sehen.     „Na großartig. So viel dazu, dass ich sein Herr bin. Einen feinen Diener habe ich da, der nie da ist, wenn ich ihn brauche!“ Schmollend zieht er seinen Rotz von ganz tief unten hoch und versucht eine Ladung auf das Wasser zu pfeffern. Immerhin hat er den Drachen im Nihaijsthar auch herauf beschworen. Zu seiner Verwunderung kommt heiße Luft aus seinem Maul. Erneut zieht er von ganz tief unten alles hoch, was an Nass einfach da sein muss. Triefend, wie er hier im vollgelaufenen Schirm sitzt. Er macht alles genauso, wie er es als Mensch gemacht hat. Er holt aus und versucht auf das Wasser vor ihm zu rotzen. Nichts, nur Luft.     „Was zum Viejenver …?“ Ursidae beschleicht eine Ahnung, dass es mit Koerpersaeften als Teddybaer weit her ist. Verzweifelt starrt er auf den dunklen Kemelom hinaus und umklammert zur Vorsicht mit seinen Beinstumpfen das untere Ende des Stabs an seinem Buntschirm. Zumindest die hat der Drache ihm nicht gefesselt. Er schließt sein Auge und laesst langsam seinen Kopf nach vorne gegen den kuehlen Stab sinken. Er bemerkt nicht, dass der Stab vor ihm schwach zu leuchten anfaengt, ebenfalls die aeußere Membran des Schirms, der inzwischen sehr tief im Wasser treibt. In den Tiefen des Unwetters vernimmt er ein dunkles Grollen, das sehr großes Unheil verkuendet. Es brummelt anfangs vor sich hin, wird dann lauter, tiefer und schließlich entlaedt sich die ganze aufgestaute Energie in einer einzigen Explosion eines Donnerschlages, dicht gefolgt von einem hellen violetten Blitzlicht, das auf dem Meer aufschaegt. Direkt neben ihm.     Der Lichtblitz ist grell, so dass Ursidae selbst durch die geschlossenen Lider noch weiß sieht. Entsetzt reißt er sein Auge auf und glotzt mit offenen Maul, wie der Lichtblitz vor ihm zuckt und auf der Wasseroberflaeche tanzt. Er hat vermutet, dass das Unwetter nah ist. Verdammt noch mal nicht direkt ueber ihm. Er blendet die Welt aus und sitzt mit geschlossenem Auge zitternd in seinem Schirm. Er fuehlt sich als Kindergaernter seiner langsam ausflippenden Gefuehle, waehrend um ihn die Welt untergeht. Eine Welle der Wut auf den daemlichen Drachen, auf Seiks und alle anderen, rollt erneut ueber ihn hinweg. Ich dreh dem verdammten Drachen den Hals um! Gefolgt von nackter Angst. Falls ich das hier ueberlebe. Waehrend sich seine Sorge einmischt. Wenn das so weiter geht, bekomme ich mein Schiff nie zurueck! Und der Stolz auf den Plan tritt. Pah, wer in Nemundur hat außer ihm so eine gequirllte Arachnidenrotze am Fließband ueberlebt!    Ein finsteres lautes Krachen direkt vor ihm sorgt sofort fuer Ruhe in seinem Kopf – zumindest fuer einen Herzschlag, ehe alles noch wilder durcheinader schreit und Ursidae in seiner Verzweiflung so fest es geht mit seiner Teddybaerschnauze in den Stab vor sich beißt. Schwach dringen die Lichtblitze durch sein geschlossenes Lid, die kometenhaft auf der Wasseroberflaeche einschlagen und eine Gischt aufwirbeln, die auf ihn herabregnet. Sein Schirm schaukelt unruhig in den fuer ihn gefuehlten meterhohen Wellen hin und her und der aufkommende Wind wirbelt das Ganze noch ordentlich durcheinander. Bald hat er jegliche Orientierung verloren. Ihm ist schwindelig oder zumindest bildet er es sich ein.     „Festbeißen, festbeißen, festbeißen …“, ist alles, woran er krankhaft denkt. Er ist mittlerweile umgeben von tiefschwarzer Finsternis im Herzen des Unwetters. Alles Leben hat sich in das tiefere Meer begeben, um dem Energiefluss nicht im Weg zu stehen. Blitze in unterschiedlich leuchtenden Farben pulsieren fuer Momente auf und tauchen alles in ein gespenstisches Licht. Regen peitscht vom Himmel, der Kemelom entlaedt seine ganze Kraft in diesem Schauspiel. Zumindest sieht das Ursidae hinter seiner Stirn waehrend er ausharrt. Das letzte Mal, als er in dem Unwetter am Sternenturm war, hatte er sein Schiff Laisviejda, das ihn mit seinem Lijwhan vor den Gefahren abschirmte. In den Mienenfeld war der Drache noch dabei. Hier hat er einen kleinen Buntschirm, die Kraft seines Kiefers und Beinstuempfe eines Teddybaeren. Wild treibt das Meer ihn vor sich her, durch die Wellengaenge hindurch und oft in Wellenbrecher hinein, denen er ganz knapp entkommt. Sein Schirm, mehrmals kurz davor zu kentern, schafft es irgendwie dennoch, weiter zu treiben.     Der muede Teddybaer klammert sich mit verzweifelter Kraft und einem maßlos auf Gebuehr verkrampften Kiefer an dem Stiel fest. Er friert, ist voellig erschoepft und durchnaesst und nicht mal die kleinste Verschnaufpause ist ihm gegoennt. Einmal wagt er es, seiner schmerzenden Schnauze einen Moment zu verschieben. Sofort droht er aus dem Buntschirm geschleudert zu werden. Ein Wunder, dass er ueberhaupt noch auf der Wasseroberflaeche treibt und nicht mit den Tiefseeanglern taucht.    „Festbeißen, festbeißen …“, wenigstens einmal haelt seine Konzentration zu ihm. Seine Beine verkrampfen sich immer mehr, der Schmerz in seinem Kiefer wird schier unertraeglich, er spuert, dass er langsam den Halt verliert und beißt noch fester zu. Vergeblich. Als Ursidae keine Kraft mehr uebrig hat und kurz vor dem Loslassen ist…         … hoert es einfach auf.     Fast unheimlich und gespenstisch still ist das Meer von einem Moment auf den anderen. Der Kemelom weitet seinen dunklen Vorhang und die Lichter strahlen erneut aus den Tiefen hervor. Schwach oeffnet er sein Auge und versucht etwas zu erkennen, außer bunten Farben ist ihm alles Formgebende zu viel. Und dann kommt der Schmerz mit voller Wucht ueber ihn. Ursidae versucht seinen Kiefer zu loesen. Merkt, dass er vollkommen verkrampft ist. Er muss seinen Kopf fast mit einem Ruck losreißen und mehrmals sein Maul oeffnen und schließen, ehe der Krampf abebbt. Benommen faellt er einfach nach hinten in seinen vollgelaufenen Schirm und treibt mit geschlossenen Auge vollkommen entkraeftet und gefesselt im Wasser. Er will nicht mehr. Nichts mehr sehen, nichts mehr hoeren, einfach da liegen und sterben. Es kuemmert ihn nicht mal mehr, dass er auch das ueberlebt hat, denn tief in sich fuerchtet er schon die naechste Rache des Gottvaters Rashad, den Schoepfer der SpielWelt und des Dunklen Reiches. Die Rache fuer seinen Verrat, frei sein zu wollen und sich Tenemores Reich zu entziehen. Ein entsetzter Aufschrei holt ihn ein Stueck weit zurueck. Innerlich stoehnt er auf. Nicht auch der noch.    „Oh mein Traeumer. Ich komme zu spaet. Oh mein Traeumer, oh mein Traeumer, oh mein Traeumer.“ Ein lautes Wehklagen weckt nun voll und ganz seine gedankliche Aufmerksamkeit. Er bleibt regungslos mit geschlossenem Auge liegen und lauscht. Etwas greift nach ihm, schuettelt ihn. Ursidae stellt sich weiter tot.    „Warum? Warum? Ich war so nah dran. Warum? Was fuer eine grausame Welt. Buhuu!“ Lautes schluchzen, Wassertropfen prasseln sinnflutartig auf ihn herab. Er versucht es so gut es geht zu ignorieren. Dann schiebt sich etwas unter seinem Koerper, hebt ihn hoch, behutsam, drueckt ihn.    „Warum? Warum? Warum? Ich wollte zurueck kommen. Wir brauchen ihn! Wahhaaaa.“      Ihn brauchen? Seine Stirn zuckt einen Moment. Kwenvagur bemerkt es nicht und haelt ihn nach wie vor an sich gedrueckt. Er spuert, dass seine Fesseln geloest werden. Muss sich zusammen reißen, das Kribbeln in seinen Armstumpfen zu beherrschen und locker seine Gliedmaßen herab baumeln zu lassen. Ein Schnaeuzen und tiefes Schniefen ertoent in seinem Fell. Ein Wehklagen. „Warum? Warum? Warum nur?“    Ursidae oeffnet vorsichtig sein Auge und schielt einen Moment in die Welt hinaus. Dieser Moment reicht vollkommen aus, ihn aus der Fassung zu bringen. Er haengt in den Klauen des Wasserdrachen, dicht an seine Schnauze gedrueckt oder besser gesagt in seine Wasserschnauze gedrueckt. Neben ihm zuckt die Wasserzunge des Drachen und weiter oben vibriert der Gaumen. Er haelt einen Moment still, dann reicht es ihm endgueltig. Er holt mit seinem rechten Armstumpf aus und schlaegt mit aller Kraft zu.    „Aua, Wa…?“ Vor lauter Schreck laeßt Kwenvagur den eben noch toten Teddy fallen, der mit den Armen rudernd zurueck in den Buntschirm platscht. „Meime Szunge, meime Szunge!“ schreit der Drache hinter seinen vorgehaltenen Pfoten und rauscht im Wasser im Kreis umher.    Mit finster drein blickender Miene und gar kein Mitleid taucht Ursidae auf und starrt mit einem tiefen Knurrgeraeusch den Drachen an, der augenblicklich erstarrt und langsam seine Pfoten sinken laesst. Beide wissen, dass der Schlag des kleinen Teddybaeren gar nichts ausmacht.    „Du lebst?“ Es war mehr eine verwunderte Frage, die der Drache von sich gibt.    „Was dachtest Du denn, Du Idiot!“ Er verschraenkt stinksauer seine Armstumpen.    „Du lebst.“ Es klang erfreulicher von dem Drachen. „Du LEBST!“ Ehe der Teddybaer es sich versah, wird er erneut  hochgehoben und geknuddelt. „Du lebst. Dem großen Traeumer sei Dank. Du lebst.“     Vor lauter Freude des Drachen vergisst Ursidae voellig weiter zu schmollen und laesst es dieses Mal einfach zu, gehalten zu werden. „Offensichtlich, lebe ich ja.“ wuergt er gepresst zwischen Pfote und Kiefer des Drachen hervor, worauf Kwen ihn beinahe fallen laesst. Der Drache ist offenbar wirklich erleichtert. Er haelt den Teddybaer fest und wiegt ihn, was ihn allmaehlich auf die Nerven geht.    „Kwen.“ Versucht er es ruhig.    „Du lebst, bin ich froh.“ Der Drache knuddelt ihn weiter und reibt ihn inzwischen an seinem Wasserkinn hin und her.     „Kwe-hen.“ Er versucht sich mit seinen Armstumpen zu befreien und stemmt sich gegen den Drachen. Den interessiert es kaum.     „Du lebst …“     Ursidae stoehnt. „KWEN!“ Bruell er so laut er kann.     „Was …? Oh … haehae, tut mir leid.“ Endlich begreift der Drache und legt ihn behutsam in den Schirm zurueck. Er will sogleich verlegen an seinen Vorderpfoten lecken, als er mit heraus haengender Zunge mitten in der Bewegung inne haelt und in das finster drein blickende Gesicht von Urasidae starrt. Der Teddybaer sitzt bis zur Brust im Wasser des Buntschirms und bewegt den Kopf ganz langsam von links nach rechts. Hebt seinen rechten Armstumpf, um den Drachen zu drohen, das gefaelligst zu unterlassen. Dann atmet er mehrmals tief durch, laesst sich zurueck sinken und schaut hinaus auf den Kemelom ueber sich. Er streckt seine Beinstuempfe aus und rutscht in eine bequemere …? Pfeilschnell sitzt er kerzengerade in seinem Schirm und tastet die Membram unter ihn ab. Nicht auch das noch.        „Kwen!“ ruft Ursidae, waehrend er seinen Schirm betastet und nach undichten Stellen untersucht. Wo ist das ganze Wasser hin?    „Es tut mir leid.“ Die Stimme des Drachen neben ihm klingt leise und weit entfernt. Er hat sich weggedreht und tiefer gleiten lassen, den Blick gesenkt, als ob er sich schaemt. Er beachtet den Teddybaeren gar nicht.     Ursidae untersucht derweil weiter den Boden seines Schirms nach Loechern ab, krabbelt darin herum, findet keine. Er hebt den Kopf und schaut auf einen unheimlich großen Schatten, der auf ihn zukommt. Sterbens bang wird er weiß und weicht hektisch in seinem Schirm an die Rueckwand zurueck.    „KWEN verdammt!“    „Ich haette da sein muessen, bevor das Unwetter kam.“ murmelt der Drache gedankenverloren vor sich hin und ist inzwischen noch weiter von ihm entfernt.     „KWENVAGUR!“    Endlich hebt der Drache den Kopf und schaut ihn an. „Was ist denn jetzt schon wieder?“    „Ngh, gnhz …„ macht der panische Teddy und deutet mit seinem Armstumpf auf das Meer hinaus. Kwenvagur dreht seinen Kopf in die gezeigte Richtung …     … und sieht eine Wasserwand vor sich, aus der eben ein haushoher Wal heraus schnappt, um seine Beute noch zu greifen. Doch er ist zu weit weg.    „… ach das!“ antwortet er beilaeufig, als ob es das Normalste in der SpielWelt ist, nicht gefressen zu werden. „Das ist das Ende des Weltenmeeres. Wir sind wohl ein paar Wolken tiefer geglitten und der Bursche da meint, er koennte schnell was futtern.“ 







































    Ursidae wird schwarz vor Augen. Das, ist eindeutig zu viel „beinahe“ an einem Djews.
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Ursidae traeumt.  Erst ist sein Blick vollkommen verschwommen, er kann nichts erkennen in der weichen Unschaerfe. Er fuehlt sich dumpf und schwer. Irgendwo weit aus der Ferne nimmt er Geraeusche war, ein Zischen oder Wispern, kann es nicht zuordnen. Langsam veraendert sich sein Blick, wechselt zwischen klar und verschwommen hin und her. Als ob jemand am Sucher seiner Linse steht und fuer ihn die Feinjustierung vornehmen muss. Es verwirrt ihn, das Wechselspiel aus schwammiger Masse und den Farben Licht, Schmerz und ... Kaelte. Er fuehlt sich Koerperlos, hilflos und eingeengt, kann sich nicht ruehren. Die Linse bewegt sich langsamer und rueckt alles in eine naeher kommende Klarheit. Endlich ein Bild, doch was soll er bitteschoen damit anfangen? Er mag keine Kunst, besonders keine Abstrakte pampe, die versteht er nicht. Aber er begreift, dass er die Farben weiß, rot und blau benennen kann. Dann ploetzlich spuert er einen Sog, der in packt und brutal an das Bild heran zieht. Ganz nah, bis er ein Baby darin erkennt, umringt von einem Engel und einem Viejenver – mit viel Phantasie zugegeben. Er versteht noch nicht. Da wendet sich der Engel ihm zu und spricht. Die Worte kann Ursidae nicht hoeren. Sie gehen in ein tiefes Krachen unter. Als der Viejenver ihm anschließend das Gesicht zuwendet, das keines ist, bewegen sich seine Lippen, seine Stimme wird vom Donnergrollen geschluckt. Er schuettelt den Kopf, als alles um ihn dunkel wird und das laute Krachen ...
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Es wird Zeit, diesen Ortzu verlassen und  zu den anderen zurueck zu kehren.
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